Kolumba
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15. September 2012 bis 18. August 2013
Art is Liturgy. Paul Thek und die Anderen
6. Jahresausstellung

»Art is Liturgy« ist ein Zitat des amerikanischen Künstlers Paul Thek (1933–1988) aus einem Interview, das Harald Szeemann 1973 mit ihm führte. »Kunst ist Liturgie; und wenn das Publikum auf den heiligen Charakter der Sym­bole reagiert, dann hoffe ich, dass ich mein Ziel erreicht habe, wenigstens in jenem Moment.« Dieses Statement, in welchem Thek sein künstlerisches Selbstverständnis auf eine knappe und präzise Formel bringt, hat unserer diesjährigen Jahresausstellung den Titel gegeben. Paul Thek war 1972 mit einer umfangreichen Installation Teilnehmer der documenta V, die in der Kunstgeschichte mit dem Begriff der »Individuellen Mythologien« Bewusstsein schuf für Spiritualität und Transzendenz in der zeitgenössischen Kunst. Im Rückgriff auf ihn bestimmende philosophische Vorbilder, in der Präzision seiner Bilder und Metaphern und mit hintergründigem Humor entfaltet Thek einen Kunstbegriff, der in seiner politischen, kulturellen und sozialen Relevanz auch heute noch aktuell ist. Der insze-natorische Reichtum seiner Installationen ist nicht zu rekonstruieren, ohne die Prozesshaftigkeit als künstlerisches Merkmal zu ignorieren. Hierin verbirgt sich die kurato­rische Herausforderung im Umgang mit einem Werk, das selbst unfertig bleiben wollte, den Anspruch auf kontextuelle Erneuerung in sich trägt, und das überdies nur in Fragmenten erhalten ist. Es macht die Auf­führungsqualität von Kunstwerken bewusst, denn ohne Inszenierung geschieht kein öffentliches Zeigen. Kolumba besitzt das umfangreichste Werkkonvolut des Künstlers, das nach einer Amerika-Tournee der Haupt­werke nun erstmals ausgebreitet werden kann. In zahlreichen Dialogen mit anderen Werken unserer Samm­lung möchten wir der Poesie und Ernsthaftigkeit des Werkes von Paul Thek einen Resonanzraum geben, den wir nicht für endgültig, jedoch für selbstverständlich halten. Er lässt seine künstlerische Intentionen greifbar werden und gibt den Werken einen neuen, ihnen eigenen Ort. Wie verhält sich die Kunst zur Liturgie, die sich selbst künstlerischer Mittel bedient? »Vor Gott ein Spiel zu treiben, ein Werk der Kunst – nicht zu schaffen, sondern zu sein, das ist das innerste Wesen der Liturgie«, schrieb der Theologe und Priester Romano Guardini 1918. Welche Impulse für die Kunst können ihrer zweitausendjährigen Tradition zugeschrieben werden? Welche Impulse kann die Kunst der Liturgie geben? Begriffe wie Raum, Zeit, Ord­nung, Körper, Handlung und Spiel bilden Leitthemen der Ausstellung. Der Untertitel verweist auf Dialoge zu erstmals gezeigten Werkgruppen, u.a. von Herbert Falken, Rebecca Horn, Chris Newman und Jürgen Paatz. Mit seinem documenta-Beitrag von 1992 – einem spektakulären Neuzugang der Sammlung – wird der Kölner Künstler Michael Buthe (1944–1994) besonders gewürdigt. Die Ausstellung versteht sich als Vorbereitung und kultureller Auftakt des »Eucharistischen Kongresses«, den das Erzbistum Köln im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz im kommenden Juni veranstaltet. Sie ist dem Andenken an Joseph Geller gewidmet, dem letzten Pfarrer von St. Kolumba und Erbauer der Kapelle »Madonna in den Trümmern«.

Werke von Krimhild Becker, Mira Bergmüller, Joseph Beuys, Michael Buthe, Herbert Falken, Rebecca Horn, Jürgen Klauke, Robert Klümpen, Jannis Kounellis, August Macke, Chris Newman, Walter Ophey, Jürgen Paatz, Oskar Schlemmer, Lothar Schreyer, Jan Thorn-Prikker, Manos Tsangaris u.a.

26. Oktober 2012, 11 Uhr
Künstlergespräch mit Jürgen Paatz im Rahmen der Pädagogischen Woche des Erzbistums Köln

18. Juli 2013, 18 Uhr
Künstlergespräch mit Robert Klümpen

Zur Ausstellung erscheint »Paul Thek. Shrine« – Der lange erwartete Bestandskatalog der weltweit umfangreichsten Thek-Sammlung

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KOLUMBA :: Aktuell :: 09/12 Art is Liturgy

15. September 2012 bis 18. August 2013
Art is Liturgy. Paul Thek und die Anderen
6. Jahresausstellung

»Art is Liturgy« ist ein Zitat des amerikanischen Künstlers Paul Thek (1933–1988) aus einem Interview, das Harald Szeemann 1973 mit ihm führte. »Kunst ist Liturgie; und wenn das Publikum auf den heiligen Charakter der Sym­bole reagiert, dann hoffe ich, dass ich mein Ziel erreicht habe, wenigstens in jenem Moment.« Dieses Statement, in welchem Thek sein künstlerisches Selbstverständnis auf eine knappe und präzise Formel bringt, hat unserer diesjährigen Jahresausstellung den Titel gegeben. Paul Thek war 1972 mit einer umfangreichen Installation Teilnehmer der documenta V, die in der Kunstgeschichte mit dem Begriff der »Individuellen Mythologien« Bewusstsein schuf für Spiritualität und Transzendenz in der zeitgenössischen Kunst. Im Rückgriff auf ihn bestimmende philosophische Vorbilder, in der Präzision seiner Bilder und Metaphern und mit hintergründigem Humor entfaltet Thek einen Kunstbegriff, der in seiner politischen, kulturellen und sozialen Relevanz auch heute noch aktuell ist. Der insze-natorische Reichtum seiner Installationen ist nicht zu rekonstruieren, ohne die Prozesshaftigkeit als künstlerisches Merkmal zu ignorieren. Hierin verbirgt sich die kurato­rische Herausforderung im Umgang mit einem Werk, das selbst unfertig bleiben wollte, den Anspruch auf kontextuelle Erneuerung in sich trägt, und das überdies nur in Fragmenten erhalten ist. Es macht die Auf­führungsqualität von Kunstwerken bewusst, denn ohne Inszenierung geschieht kein öffentliches Zeigen. Kolumba besitzt das umfangreichste Werkkonvolut des Künstlers, das nach einer Amerika-Tournee der Haupt­werke nun erstmals ausgebreitet werden kann. In zahlreichen Dialogen mit anderen Werken unserer Samm­lung möchten wir der Poesie und Ernsthaftigkeit des Werkes von Paul Thek einen Resonanzraum geben, den wir nicht für endgültig, jedoch für selbstverständlich halten. Er lässt seine künstlerische Intentionen greifbar werden und gibt den Werken einen neuen, ihnen eigenen Ort. Wie verhält sich die Kunst zur Liturgie, die sich selbst künstlerischer Mittel bedient? »Vor Gott ein Spiel zu treiben, ein Werk der Kunst – nicht zu schaffen, sondern zu sein, das ist das innerste Wesen der Liturgie«, schrieb der Theologe und Priester Romano Guardini 1918. Welche Impulse für die Kunst können ihrer zweitausendjährigen Tradition zugeschrieben werden? Welche Impulse kann die Kunst der Liturgie geben? Begriffe wie Raum, Zeit, Ord­nung, Körper, Handlung und Spiel bilden Leitthemen der Ausstellung. Der Untertitel verweist auf Dialoge zu erstmals gezeigten Werkgruppen, u.a. von Herbert Falken, Rebecca Horn, Chris Newman und Jürgen Paatz. Mit seinem documenta-Beitrag von 1992 – einem spektakulären Neuzugang der Sammlung – wird der Kölner Künstler Michael Buthe (1944–1994) besonders gewürdigt. Die Ausstellung versteht sich als Vorbereitung und kultureller Auftakt des »Eucharistischen Kongresses«, den das Erzbistum Köln im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz im kommenden Juni veranstaltet. Sie ist dem Andenken an Joseph Geller gewidmet, dem letzten Pfarrer von St. Kolumba und Erbauer der Kapelle »Madonna in den Trümmern«.

Werke von Krimhild Becker, Mira Bergmüller, Joseph Beuys, Michael Buthe, Herbert Falken, Rebecca Horn, Jürgen Klauke, Robert Klümpen, Jannis Kounellis, August Macke, Chris Newman, Walter Ophey, Jürgen Paatz, Oskar Schlemmer, Lothar Schreyer, Jan Thorn-Prikker, Manos Tsangaris u.a.

26. Oktober 2012, 11 Uhr
Künstlergespräch mit Jürgen Paatz im Rahmen der Pädagogischen Woche des Erzbistums Köln

18. Juli 2013, 18 Uhr
Künstlergespräch mit Robert Klümpen

Zur Ausstellung erscheint »Paul Thek. Shrine« – Der lange erwartete Bestandskatalog der weltweit umfangreichsten Thek-Sammlung