Kolumba
Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
tel +49 (0)221 9331930
fax +49 (0)221 93319333

Über die Wirklichkeit
Wiederbegegnungen mit Unbekanntem – Teil 15
14. April bis 25. Oktober 2000

Die Ausstellung handelt von der Befragung der Wirklichkeit durch Kunst. Kunst zielt auf neue Sichtweisen von Wirklichkeit und bietet damit vielfältige Möglichkeiten von Wirklichkeitsverständnis und Weltsicht. Sie macht Schnittstellen von Vertrautem und Unerwartetem bewusst, von Bekanntem und Vergessenem, von Vorstellbarem und nie Gedachtem und erweitert damit die Grenzen zuvor erfahrener Wirklichkeit; sie deckt Brüche auf, die sich als Ausgrenzungen, Tabuisierungen oder Vereinnahmungen innerhalb des gesellschaftlichen Gefüges erkennen lassen. Damit schafft Kunst selbst unabhängig Wirklichkeit und liefert zugleich Wege zu ihrer Erfahrbarkeit. – Mittelalterliche Kunst bedient sich, im religiösen wie im profanen Bereich, hierarchischer Strukturen und findet in Symbolik, Allegorie und Typologie eine verlässliche und verbindliche, metaphorische Bildsprache zur Erfassung von Wirklichkeit, aus der lang anhaltende ikonographische Traditionen folgen, wie sie beispielsweise die Vielzahl gotischer Madonnenfiguren belegen. Die zeitgenössische Kunst kennt serielles Arbeiten im Überprüfen der Verlässlichkeit von Gegenständlichkeit als einer Konstanten der objektiven Wirklichkeit. Bei dem Versuch, vertraute Dinge wie eine Schwarzwald-Landschaft, ein Wasserglas, einen Blumentopf, die Farbe Blau oder das Platzieren mehrerer Farben auf einem Blatt Papier im wiederholten Entwurf zu erfassen, werden diese als Spiegelbilder subjektiver Befindlichkeiten und wechselnder Determinanten erfahren. Selbst im noch so minutiösen, unpersönlich-sachlichen Beschreiben eines nachgelassenen Hausrats entgleitet die objektive Verbindlichkeit der Alltagswelt im verräterischen Detail eines individuellen Tonfalls oder subjektiven Bildausschnitts. Mit künstlerischer Logik führt das serielle Arbeiten zur Aufhebung eines Bildmotivs durch Mutation zum gegenstandslosen Ornament und lotet darin Paradigmen von Zwangsläufigkeit und Intuition im kreativen Tun aus. Somit handelt die Ausstellung auch von der Erfindung von Wirklichkeit durch die Kunst, die in jener wie ein Ferment in einem amalgamierenden Kontinuum wirksam ist.


_



Kunstmuseum
des Erzbistums Köln

Aktuell
Architektur
Archiv
Auszeichnungen
Filme
Geschichte
Info
Kritiken
Publikationen
Texte
Vermittlung


05/10 Heilig-Geist-Retabel
05/10 Heinrich Küpper
05/10 Robert Haiss
06/10 Konzert Steffen Krebber
02/10 Aschermittwoch 2010
01/10 Renate Köhler
01/10 Georg Baumgarten
11/09 Nacht Raum Stille
11/09 Klangwerkstatt
09/09 Andor Weininger
09/09 Stefan Wewerka
Hinterlassenschaft
05/09 Koho Mori-Newton
01/09 Hermann Abrell
11/08 Klangwerkstatt
10/08 Donaueschinger Musiktage
09/08 Heiner Binding
Der Mensch verlässt die Erde
06/08 Kolumba singt!
05/08 Katholikentag
04/08 Verabschiedung JMP
02/08 Alphornbläser
12/07 Deutschlandradio live
Der unendliche Raum…
04/07 Art Cologne
10/06 Im Garten der Wirklichkeit II
04/06 Im Garten der Wirklichkeit I
04/06 Werner Schriefers
10/05 Leiko Ikemura
10/05 Schenkung Egner
08/05 Arma Christi (WJT)
08/05 1st view! (WJT)
05/05 Hans Josephsohn
02/05 Die koptischen Textilien
02/05 Birgit Antoni - Gemälde
12/04 Die Pietà aus St. Kolumba
10/04 Monika Bartholomé
07/04 Heinrich Küpper
04/04 Max Cole
11/03 Schauspielhaus
11/03 Reliquienkreuze
11/03 Daphne-Test
10/03 Martin Frommelt
04/03 150 Jahre!
12/02 Attila Kovács
09/02 Herbert Falken
06/02 Peter Tollens
12/01 ars vivendi
11/00 Volumen
11/00 Die Schenkung Härle
10/00 Kinderzeichnungen
04/00 walkmen
04/00 Über die Wirklichkeit
10/99 Andor Weininger
06/99 Joseph Marioni
02/99 Andy Warhol
09/98 Der unendliche Raum ...
08/98 Glaube und Wissen
05/98 Stephan Baumkötter
04/98 Bernd Ikemann
04/98 Wiederbegegnung 11
01/98 Hildegard Domizlaff
09/97 Wiederbegegnung 10
06/97 Richard Serra
04/97 Manos Tsangaris
03/97 Paul Thek
02/97 Klaus vom Bruch
02/97 Über den Ort: Kolumba
10/96 Über die Ambivalenz
04/96 Chris Newman
02/96 Peter Tollens
02/96 Wolfgang Laib
02/96 Über die Farbe
12/95 Frühchristliche Kunst
12/95 Mischa Kuball
11/95 Palast der Kunst
10/95 Wiederbegegnung 6
09/95 Monika Bartholomé
06/93 Wiederbegegnung 1 bis 5
10/92 Vaticana
 
www.kolumba.de

KOLUMBA :: Archiv :: 04/00 Über die Wirklichkeit

Über die Wirklichkeit
Wiederbegegnungen mit Unbekanntem – Teil 15
14. April bis 25. Oktober 2000

Die Ausstellung handelt von der Befragung der Wirklichkeit durch Kunst. Kunst zielt auf neue Sichtweisen von Wirklichkeit und bietet damit vielfältige Möglichkeiten von Wirklichkeitsverständnis und Weltsicht. Sie macht Schnittstellen von Vertrautem und Unerwartetem bewusst, von Bekanntem und Vergessenem, von Vorstellbarem und nie Gedachtem und erweitert damit die Grenzen zuvor erfahrener Wirklichkeit; sie deckt Brüche auf, die sich als Ausgrenzungen, Tabuisierungen oder Vereinnahmungen innerhalb des gesellschaftlichen Gefüges erkennen lassen. Damit schafft Kunst selbst unabhängig Wirklichkeit und liefert zugleich Wege zu ihrer Erfahrbarkeit. – Mittelalterliche Kunst bedient sich, im religiösen wie im profanen Bereich, hierarchischer Strukturen und findet in Symbolik, Allegorie und Typologie eine verlässliche und verbindliche, metaphorische Bildsprache zur Erfassung von Wirklichkeit, aus der lang anhaltende ikonographische Traditionen folgen, wie sie beispielsweise die Vielzahl gotischer Madonnenfiguren belegen. Die zeitgenössische Kunst kennt serielles Arbeiten im Überprüfen der Verlässlichkeit von Gegenständlichkeit als einer Konstanten der objektiven Wirklichkeit. Bei dem Versuch, vertraute Dinge wie eine Schwarzwald-Landschaft, ein Wasserglas, einen Blumentopf, die Farbe Blau oder das Platzieren mehrerer Farben auf einem Blatt Papier im wiederholten Entwurf zu erfassen, werden diese als Spiegelbilder subjektiver Befindlichkeiten und wechselnder Determinanten erfahren. Selbst im noch so minutiösen, unpersönlich-sachlichen Beschreiben eines nachgelassenen Hausrats entgleitet die objektive Verbindlichkeit der Alltagswelt im verräterischen Detail eines individuellen Tonfalls oder subjektiven Bildausschnitts. Mit künstlerischer Logik führt das serielle Arbeiten zur Aufhebung eines Bildmotivs durch Mutation zum gegenstandslosen Ornament und lotet darin Paradigmen von Zwangsläufigkeit und Intuition im kreativen Tun aus. Somit handelt die Ausstellung auch von der Erfindung von Wirklichkeit durch die Kunst, die in jener wie ein Ferment in einem amalgamierenden Kontinuum wirksam ist.