Kolumba
Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
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fax +49 (0)221 93319333

     
Abecedarium
Kolumba in Stichworten von A bis Z
(2007 zur Eröffnung des Neubaus)

Archäologie
Einer der Hauptgründe für den Neubau an dieser Stelle war der Erhalt der archäologischen Zone, die aufgrund ihrer Dichte von herausragender Bedeutung ist. In Ausgrabungen von 1973 bis 1976 hat man die romanischen Fundamente dreier Vorgängerbauten (9. bis 13.Jahrhundert) der spätgotischen St.Kolumbakirche freigelegt. Früheste Mauerreste stammen aus der Gründungszeit Kölns (Mitte 1.Jahrhundert). Aus fränkischer Zeit (um 700) hat sich der Anbau einer Apsis an ein spätrömisches Haus erhalten; vermutlich der Beginn der Verehrung der heiligen >Kolumba an diesem Ort. Nur mit einem Holzdach geschützt, drohten die Fragmente zu verfallen.

Architekturwettbwerb
Nach mehrjähriger Vorbereitung wurde Ende 1996 ein Architekturwettbewerb ausgelobt, offen für Teilnehmer aus dem Gebiet des Erzbistums Köln. Sieben ausgewählte Architekten aus mehreren europäischen Ländern wurden zur Teilnahme in dem anonymen Verfahren eingeladen. Nach dreitägiger Sitzung votierte die Jury im Juni 1997 mit einem Stimmenverhältnis von 12:1 für den Entwurf, der sich nach Öffnen der Umschläge als Beitrag von Peter >Zumthor herausstellte.

Bäume
Am Ende der Baumaßnahme wurden 17 Bäume gepflanzt, die das Stadtbild verschönern: 12 Gleditschien (Falscher Christusdorn oder Lederhülsenbaum), davon 11 im >Hof; je eine Linde, Eiche, Zelkovia, Ginkgo und Kirsche. Die Bäume sind 20 bis 30 Jahre alt und wurden in einer niederländischen Baumschule einzeln ausgewählt.

Bauherr
Bauherr ist Joachim Kardinal Meisner für das Erzbistum Köln, vertreten durch den Generalvikar (bis Mai 2004 Dr. h.c. Norbert Feldhoff, ab Juni 2004 Dr. Dominik Schwaderlapp). Die Baubegleitung erfolgte durch den Erzdiözesanbaumeister (bis Juni 2001 Josef Rüenauver, ab Juli 2001 Martin Struck) und die Bauabteilung des Generalvikariates, die seit Januar 2006 der Hauptabteilung Finanzen/Bau/Recht untersteht (Hermann Josef Schon). Erzdiözesanbaumeister, Bauabteilung und Museumsteam waren seit 1998 die Dialogpartner von Peter Zumthor bei den zahlreichen Planungs- und Baubesprechungen. Das von allen Beteiligten verantwortete Projekt betont und aktualisiert die in Jahrhunderten gewachsene kulturtragende Rolle der Kirche.

Bauleitung
Die Projektleitung im Architekturbüro Zumthor und auf der Baustelle lag nach Daniel Schmid, Stephan Meier und Mark Darlington seit Januar 2004 bei Rainer Weitschies, unterstützt von Serge Schoemaker und Gian Salis, die Bauleitung beim Kölner Architekturbüro Stein (Wolfram und Michael Stein, Heinz-Jürgen Rothkegel).

Bauteilaktivierung
Das nachhaltige Energiekonzept von Kolumba war Ende 1996 eine der Forderungen im >Architekturwettbewerb. Gerhard Kahlert verantwortet die Planung der Klimatechnik. Im Verbund mit der >Geothermie bildet die Bauteilaktivierung eines der wesentlichen Bestandteile der >Klimatisierung des Gebäudes. Die in Massivbauweise erstellten Ziegelwände in 60cm Dicke und Betondecken sind von einem Leitungssystem durchzogen, das ganzjährig Wasser mit einer Temperatur zwischen 18 und 20 Grad durch die Wände und Böden der klimakritischen Bauteile fließen lässt. Die träge Masse wird dadurch gleichmäßig temperiert, so dass wegen gleicher Raum- und Bauteiltemperatur der Energiebedarf für Heizung und Kühlung minimiert werden kann.

Beteiligte
Eine vollständige Auflistung aller Beteiligten Planer und ausführenden Firmen ist auf der Homepage im Menü »Gebäude«, Untermenü »Beteiligte« abrufbar.

Denkmalpflege
Im Hinblick auf die Denkmalpflege waren schon im >Architekturwettbewerb zwei Vorgaben maßgeblich: Nichts wegnehmen, nichts ergänzen! Das architektonische Konzept sollte ohne Wertung alles erhalten, was am Anfang der 1990er Jahre noch vorhanden war, und ästhetisch wie funktional in die Ganzheit einer zeitgenössischen Lösung einbinden. Peter >Zumthor erkannte in Anlehnung an die seit dem 9.Jahrhundert für Kolumba nachweisbare Tradition das »Weiterbauen« auf dem Bestand als geeignete Vorgehensweise; das wird besonders sichtbar am Grundriss und an den Außenmauern der Kolumbakirche, die zur selbstverständlichen Fassade des Neubaus zählen.

Eintritt
Der Eintritt ist bis 18 Jahre frei; Erwachsene zahlen € 5, mit Ermäßigung € 3. Es gibt keine Gruppenermäßigung.

Filtermauerwerk
Für den Erhalt der >Archäologie ist Außenklima notwendig, sofern man auf kostspielige Technik verzichten möchte. Das sogenannte Filtermauerwerk läßt Luft und mildes Tageslicht in den Grabungsraum einfallen. Als Lichtmosaik bildet es die umhüllende Membrane der >Kapelle. Der Realisierung des als unregelmäßig empfundenen Mauerwerkes gingen mehrjährige Studien mit Mustern bis zum Maßstab 1:1 voraus.

Fotografieren
Fotografieren ist in Kolumba nur zu privaten Zwecken erlaubt ist, allerdings ohne Stativ und Blitz. Jede weitere Nutzung ist ohne Genehmigung des Museums unzulässig und verstößt gegen geltendes Recht.

Fuge
Das Gebäude ist fugenlos errichtet. Die materialbedingte Bauwerksbewegung wird über die Masse kompensiert und verteilt, weshalb ein Netz von Haarrissen sowohl die Decken wie auch die fugenlosen Böden durchzieht. Die einzige Fuge trennt Wände und Böden nur optisch und dient als Teil der >Klimatisierung zur Aufnahme der Abluft.

Führungen
Öffentliche Führung samstags 10.30Uhr (aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine telefonische Anmeldung erforderlich); Führungen nur außerhalb der regulären >Öffnungszeiten von 10–12 und 17–19 Uhr nach Terminvereinbarung. Aufgrund der großen Nachfrage bitte lange vorher buchen.

Geothermie
Zur Basisversorgung der >Bauteilaktivierung greift der Neubau auf die Grundwassertemperatur zurück. In 16 Bohrungen wurde ein Leitungssystem, das auch die Wände des Gebäudes durchzieht, 70 Meter tief in die Erde geführt, um im Winter die Wärme des Erdreiches, im Sommer dessen Kühle nutzbar zu machen. Die z.B. bei großen Veranstaltungen auftretenden Spitzenleistungen werden durch Saugbrunnen und zwei zusätzliche Schluckbrunnen mit der Wassertemperatur aus 38 Metern abgedeckt.

Grundriss
Der eigenartige Grundriss des Gebäudes resultiert aus dem der spätgotischen Kolumbakirche und ihrem nördlichen Annex, dem heutigen Eingangsbereich. Bei der Erweiterung des dreischiffigen romanischen Kirchbaus nach Süden war die wesentlich ältere Straßenführung der Brückenstraße zu respektieren. Dies führte zur Trapezform der fünfschiffigen gotischen Kirche, die mit ihrem Hauptschiff bis in den größten Ausstellungsraum, mit ihren Seitenschiffen in den Kunstlichtkabinetten des Neubaus prägend wurde. An der Binnenraumgliederung des Gebäudes wird die langjährige Planung nach dem >Architekturwettbewerb besonders sichtbar, mit dem Ziel optimaler und variantenreicher Raum- und Lichtsituationen.

Hof
Es war ein Alleinstellungsmerkmal des Entwurfes von Peter Zumthor, den ehemaligen Kolumbakirchhof nicht zu bebauen, so dass dort ein Museumshof mit Blick auf die Nordwand der Ruine gestaltet werden konnte. Die »Große Liegende« des 1920 in Königsberg geborenen Schweizer Bildhauers Hans Josephsohn ist eines der wenigen permanent ausgestellten Werke der Sammlung. Ihre Anwesenheit in dem mit elf >Bäumen bepflanzten Hof greift die verlorengegangene Tradition der Museumsgärten auf, die zum Verweilen, Ausruhen und Nachdenken einladen.

Homepage
Die Homepage »www.kolumba.de« besteht seit 1998 zur aktuellen Information und als wachsendes Archiv aller Ausstellungen und Aktivitäten. Mit einigen hundert kommentierten Bildern kann die Errichtung des Neubaus nachvollzogen werden.

Intervention
»It´s not what you see that is art, art is the gap. I like this idea and even if it´s not true, I accept it for the truth.« Marcel Duchamp
Kolumba zeigt in jährlich mehrfachem Wechsel Werke vorwiegend der eigenen Sammlung in sich verändernden Kontexten. Jeweils zum 15. September wird eine neue Auswahl von Werken vorgestellt. Kleinere oder größere Ausstellungen in Form von (künstlerischen) Interventionen unterbrechen, verändern und erweitern den Kontext dieser Sammlungspräsentation.

Jahre
Der Neubau geht auf eine 35-jährige Planungsgeschichte zurück: 1972 wurde mit Wiedereröffnung des Museums am Roncalliplatz der Plan zu einem Neubau gefasst. 1983 wurden erste Überlegung zum Bau an St.Kolumba angestellt. 1987 sprach sich der Museumsvorstand für einen Neubau aus. 1989 übernahm das Erzbistum Köln die Trägerschaft des Diözesanmuseums und bestimmte Joachim M.Plotzek als Leiter, der bis 1991 mit Katharina Winnekes, Stefan Kraus und Ulrike Surmann das heutige Museumsteam gruppierte (seit 2001 durch Marc Steinmann verstärkt). 1991 fasste Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den Entschluss für einen Neubau an St.Kolumba. 1994 führten die Verhandlungen mit der Kirchengemeinde zum Erwerb des Grundstückes. 1995 sprach sich der Priesterrat fast einstimmig für einen Neubau aus. 1996 stimmte der Kirchensteuerrat mit nur einer Enthaltung dem Neubauprojekt zu. Nach Ausgang des Architekturwettbewerbs stimmten 1998 Diözesanpastoralrat und Diözesankirchensteuerrat für die Durchführung des Projektes, danach erhielt Peter Zumthor die Beauftragung. Ende 2001 wurde der baureife Entwurf öffentlich vorgestellt. Nach Baubeginn Ende 2002 wurde am 1.Oktober 2003 der Grundstein gelegt. Zum Weltjugendtag war das gesamte Erdgeschoss im August 2005 für den »1st view!« geöffnet. Am 16.März 2006 fand das Richtfest statt. Ab dem 1.August 2007 konnte der Bau bezogen werden.

Kapelle
Zur Verehrung einer in den Kriegstrümmern unversehrt stehengebliebenen spätgotischen Marienfigur wurde nach dem Entwurf von Gottfried Böhm (geb. 1920) 1949/50 die Kapelle »Madonna in den Trümmern« errichtet. Ausgestattet mit Werken von Ludwig Gies, Ewald Mataré, Georg Meistermann, Jan Thorn-Prikker, Elisabeth Treskow und Rudolf Peer ist sie ein Kleinod kirchlicher Kunst der zwanziger bis fünfziger Jahre. Der Plan des damaligen Bauherrn, Pfarrer Joseph Geller, sah die Wiedererrichtung der Kirche als zeitgenössischen Neubau vor, der die Kapelle ummanteln sollte. Gottfried Böhm hat 1949 und 1957 mit Kirchbauten und schließlich 1973 mit einem »Kolumba-Institut« dazu Entwürfe geliefert. Im Unterschied zu Peter Zumthor sahen seine Entwürfe nur die Einhausung des Oktogons vor, nicht jedoch des Kapelleneingangs, der im jetzigen Gebäude einen Vorraum erhalten hat. Wie bisher bleibt in der ummantelten Kapelle die gottesdienstliche Nutzung eigenständig erhalten.

Klimatisierung
Mit Ausnahme des Foyers sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit in allen Museumsräumen (und Depots) sensibel zu klimatisieren. Aufgrund von >Bauteilaktivierung und >Geothermie konnten die notwendigen technischen Installationen in den Ausstellungsräumen nicht sichtbar in Decken und Böden integriert werden. Entgegen üblicher Konditionierung strömt die Zuluft von oben über die Leuchtenauslässe der Mörteldecke ein und wird im Raum verbraucht über die Bodenrand->Fuge großflächig abgesaugt. Die Frischluft wird aus dem Großraum der archäologischen Zone gewonnen, in den dadurch Außenklima durch das >Filtermauerwerk nachströmt. Die Planung lag in der Hand von Gerhard Kahlert, Haltern.

Kolumba
Auf die hl.Kolumba geht die ihr geweihte Kirche St.Kolumba zurück, deren Baugeschichte durch die >Archäologie eindrucksvoll erlebbar ist. Ihr vom merowingischen Königshof geförderter Kult wurde möglicherweise durch den hl. Bischof Kunibert (vor 626–nach 648) von dort nach Köln gebracht. Das Zentrum ihrer Verehrung befand sich ursprünglich in Sens, wo Reliquien der angeblich aus Saragossa stammenden Fürstentochter aufbewahrt wurden. Sie hatte sich laut Legende geweigert, den Sohn Kaiser Aurelians zu heiraten, wurde daraufhin in ein Bordell gesperrt und schließlich, nachdem ihre Verbrennung misslungen war, im Jahr 273 gegeißelt und enthauptet. Ihr Attribut ist ein Bär, der ihre Unschuld gegen einen Vergewaltiger verteidigt haben soll.

Kosten
Nachdem vor etwa zwölf >Jahren die Standortfrage geklärt werden konnte, entschied der Erzbischof mit ausdrücklicher Unterstützung des Priesterrates und des Kirchensteuerrates die Durchführung eines >Architekturwettbewerbes, aus dem 1997 Peter Zumthor als Sieger hervorging. Nach mehrjähriger Planungsphase wurden Mitte 2002 die Kosten der Gesamtmaßnahme mit 36,7 Mio.€ berechnet und die Finanzierung seitens des Bauhherrn in dieser Höhe sichergestellt. Die hohen Anforderungen an die >Klimatisierung und insbesondere die außergewöhnliche Komplexität des Standortes ließen über die gesamte Planungs- und Ausführungsphase erkennen, dass eine plankonforme Realisierung insbesondere hinsichtlich Bauzeit und demzufolge auch Baukosten mit Risiken behaftet sein würde. Die Projektsteuerung war insoweit in jeder Phase darauf gerichtet, die Einhaltung der Vorgaben weitestmöglich abzusichern. In der Kostenkalkulation waren übliche Preissteigerungen kalkuliert, nicht jedoch die zum Teil exorbitanten Verteuerungen für Baumaterial (z.B. Stahl), oder die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Infolge der zeitlichen Überlappungen mit allgemeinen, durchaus drastischen Sparmaßnahmen des >Bauherrn war es jedoch unbedingtes Ziel, die finanziellen Aufwendungen des Erzbistums bei Wahrung der baulichen Ausführungsqualität im Rahmen der abgesicherten Finanzierung zu halten. Bereits mit Beginn der Planungsphase bemühte sich der Bauhherr um den Erhalt öffentlicher Zuschüsse für die Investitionen in die >Archäologie (Bodendenkmalpflege) und >Geothermie. Mit Unterstützung der Stadt Köln konnte ein Zuschuss des Landes über 5 Mio € erreicht werden. Die Baukosten erreichen nun ein Gesamtvolumen von 43,4 Mio € , wovon 5 Mio € über den genannten Zuschuss und die verbleibenden 38,4 Mio € aus Mitteln des Bauherrn finanziert wurden.

Kritik
Während der vergangengen 15 Jahre gab es nicht nur Zustimmung für den Neubau. Lange Zeit stand die Überbauung der >Kapelle in der Diskussion. Namhafte Kölner Architekten warfen dem Museum Ignoranz und Peter Zumthor Brutalismus vor. Die interessierte Bevölkerung befürchtete vor allem, der Eingriff an dieser sensiblen Stelle könnte die Spuren der Geschichte zerstören. Eine Bürgerinitiative warnte sogar vor einer Luftverschlechterung im Kolumba-Viertel infolge des Neubaus. Gottfried Böhm, der Erbauer der >Kapelle, hat Ende 2001 dem Grundkonzept des Neubaus und der damit verbundenen Einhausung der Kapelle auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Zumthor zugestimmt. Eine Überbauung der Kapelle war von ihm bereits mit deren Planung 1949 erstmals vorgeschlagen und in Entwürfen von 1957, 1973 und 1997 aktualisiert worden. Ungeklärt blieb die Frage der Eckausbildung des Gebäudes an der Brücken- und Kolumbastraße. Hier konnte kein Konsens erreicht werden, da Böhm diese Ecke mit Blick auf die Südfassade der Kapelle offen halten wollte, während sich der Bauherr auch im Hinblick auf die ehemalige Situation der Kolumbakirche für die nun realisierte Lösung eines Vorraums entschieden hat. Auch nach Fertigstellung des Neubaus richtet sich Kritik gegen die veränderte Lichtsituation in der Kapelle, die von einigen als zu dunkel empfunden wird. Dem stehen diejenigen gegenüber, die den dunkleren Sakralraum mit seiner umgebenden Lichtmembrane als intimen Andachtsraum annehmen. Der Bauherr hat die Fertigstellung der Details abgewartet, um über die Notwendigkeit einer unterstützenden Beleuchtung abschließend urteilen zu können.

Licht
Nicht das »lichtdurchflutete« Museum war Ziel des Neubaus, vielmehr ist Kolumba ein Licht- und Schattenmuseum, das sich im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten entfaltet und auch das Zwielicht kennt. Das gilt für den Raum der >Archäologie ebenso wie für die Ausstellungsräume. Auf die klassische Museumsdecke, die zu allen Zeiten gleichbleibendes Licht garantiert, wurde zugunsten einer lebendigen Lichtsituation verzichtet. Stattdessen prägt Seiten- und Seitenoberlicht von den verschiedenen Himmelsrichtungen den Charakter der meisten Ausstellungsräume. Bei den für ein Museum ebenso sinnvollen wie notwendigen Kunstlichträumen wurde nicht versucht, Tageslicht zu imitieren, sondern mit Glaskalotten für Allgemeinbeleuchtung und Spots für Akzentbeleuchtung eine eigene Lichtqualität zu realisieren.

Material
Bereits im Auslobungstext zum Architekturwettbewerb war die Frage der verwendeten Materialien ausführliches Thema. Im Kontext des vorhandenen Baubestandes wurde versucht, die Grenze der Architektur und der von ihr verwendeten Baumaterialien zum Kunstwerk präzise zu fassen. Auch die physikalischen Eigenschaften, vor allem die für die >Klimatisierung günstige Speicherfähigkeit, wurden beachtet. Die Arbeit am Projekt erbrachte folgende Reduktion: lichtgraue Wände aus Backstein und Lehmputz, Böden aus Jurakalk, Terrazzo und Mörtel, Decken aus auf eine Schalung gegossenem Mörtel, Fensterrahmen, Türen, Zargen und Beschläge aus Stahl, Wandvertäfelungen und Möbel in Holz, Textil und Leder, Vorhänge aus Leder und Seide.

Mauerwerk
Eine der wesentlichen Herausforderungen zur Umsetzung des architektonischen Plans, unmittelbar auf den Fragmenten weiterzumauern, bestand in der Entwicklung eines geeigneten Steins, den Peter >Zumthor bereits im Wettbewerbsentwurf vorgeschlagen hatte. Der warmgraue Backstein wurde in mehrjähriger Arbeit entwickelt; von einem dänischen Hersteller z.T. handgefertigt, trägt er den Namen »Kolumba-Stein«. Er changiert in Nuancen von Gelb, Rot, Grün und Blau. Damit korrespondiert er mit dem mittelalterlichen Bestand aus Ziegelsteinen, Tuffen und Basalten. Sein flaches Format im Grundmaß 54x21,5x4cm ermöglicht zum einen die Verwendung im >Filtermauerwerk, zum anderen das Aufmauern auf den vorgefundenen Abbruchkanten der Ruine. Die sorgfältige Ausführung des Mauerwerkes mit handbearbeiteten breiten Lagerfugen erfolgte durch polnische Maurer, im Auftrag der Fima Heitkamp.

Modelle
Nicht nur die stadt- oder innenräumlichen Proportionen der Architektur wurden an großformatigen Arbeitsmodellen gefunden, sondern beinahe sämtliche Konstruktionsdetails. Während erstgenannte Modelle in den Maßstäben 1:10, 1:50 bis 1:100 aus Holz, Beton, Ton und einfacheren >Materialien gefertigt wurden, erfolgte die Detailbemusterung im 1:1 Original. Für Mauer-werk, Mörteldecke, Putz und Fensteranschlüsse wurde im Hof des Ursulinengymnasiums ein Mustergebäude errichtet, an welchem Ausführungsvarianten erprobt wurden. Die Entwicklung der Lehmputzwand und der Kunstlichtleuchten erfolgte öffentlich über drei Jahre hinweg in einem zu Ausstellungszwecken genutzten originalgroßen Raumteil im alten Museum am Roncalliplatz.

Museumskonzept
Die Idee von Kolumba als »Museum der Nachdenklichkeit« wurde ab 1991 vom Kuratotenteam unter der Leitung von Joachim M. Plotzek entwickelt und bis zur Einweihung des Neubaus im September 2007 in zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen erprobt (Joachim M. Plotzek, Katharina Winnekes, Stefan Kraus, Ulrike Surmann, Marc Steinmann). Alle Überlegungen zur Architektur wurden mit diesem Konzept in ein Verhältnis gesetzt. Ausgehend von der heterogenen Sammlungsstruktur des 1853 gegründeten Diözesanmuseums, versteht sich Kolumba als Kunstmuseum in kirchlicher Trägerschaft, das jenseits aller Sparten und Spezialisierungen Fragen künstlerischer Gestaltung umfassend darstellen möchte. Als Museum der Nachdenklichkeit stellt Kolumba ein offenes Angebot zur Auseinandersetzung mit dem zur Kunst gewordenen Leben.

Öffnungszeiten
Kolumba ist ganzjährig täglich außer dienstags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Öffnungszeiten finden >Führungen und weitere >Veranstaltungen statt (von Weiberfastnacht bis einschließlich Aschermittwoch, an Heiligabend und am 1.Weihnachtstag sowie an Silvester und Neujahr ist das Museum geschlossen). Außerdem bleibt Kolumba für den Aufbau des jährlichen Ausstellungsechsel vom 1. bis zum 13. September geschlossen.

Ort
Im Zeitalter der Globalisierung möchte Kolumba einen spezifischen Ort markieren, mit einer Sammlung und einer Architektur, die, einander ergänzend, zweitausend Jahre abendländischer Kultur auf unverwechselbare Weise repräsentieren. Ein Ort, der zur Identität der Stadt, der Kirche und eines jeden Einzelnen beitragen möchte.

Präsentation
Das »lebende Museum« unterscheidet nicht zwischen ständiger Sammlung und Wechselausstellung. Vielmehr nutzt es die fließende Qualität der Architektur und arbeitet mit den Möglichkeiten der Gleichzeitigkeit und des Nebeneinanders, die den Bau von Peter Zumthor charakterisieren. Kolumba zeigt in jährlich mehrfachem Wechsel Werke vorwiegend der eigenen Sammlung in sich verändernden Kontexten. Von wenigen Kunstwerken abgesehen, die spezifisch für den Ort realisiert oder als identifizierende Arbeiten immer zu sehen sind, wird jeweils zum 15. September eine neue Auswahl von Werken vorgestellt. Sonderausstellungen und künstlerische Interventionen ergänzen und verändern den Kontext dieser Sammlungspräsentation. Charakteristisch für das fast private Ambiente sind das Fehlen von Objektbeschriftungen sowie das Miteinander der Werke unabhängig von chronologischen, stilgeschichtlichen oder medialen Zusammenhängen. Stets versucht die Präsentation die Präsenz der künstlerischen Arbeiten zu realisieren.

Publikationen
»Kolumba – Ein Architekturwettbewerb in Köln«, Köln 1997; »Auswahl eins«, Kolumba Bd.28, Köln 2007 (alle Titel der hauseigenen Schriftenreihe sind auf der >Homepage zu blättern).

Quadratmeter
Die erreichte Quadratmeterzahl entspricht in etwa den Vorgaben des >Architekturwettbewerbes von 1997: 1750m2 Ausstellungsfläche (inklusive Foyer und Treppen) verteilen sich auf 17 Ausstellungsräume; hinzu kommen 900m2 Grabungsfeld sowie ca. 600m2 Depot- und 200m2 Lagerfläche, die in zwei Untergeschossen realisiert sind. Auf Restaurierung und Verwaltung entfallen ca. 300m2. Die gesamte Kubatur des Gebäudes beträgt rund 4500m3.

Sakristei
In der zerstörten Sakristei der Kolumbakirche, einem ehemals eingeschossigen Bau außerhalb des Kirchengrundrisses, fand am 24.Februar 1997 die symbolische Grundsteinlegung statt, mit der Installation der Skulptur »Die Untergegangenen und die Geretteten« des amerikanischen Bildhauers Richard Serra. Die Stahlskulptur steht oberhalb einer Gruft, die alle Gebeine beherbergt, die bei der Ausgrabung in den siebziger Jahren in den zahlreichen Grüften des Geländes geborgen wurden.

Sammlung
Ausgehend vom heterogenen Bestand des 1853 gegründeten Museums ist die Vielseitigkeit der Sammlung eines ihrer Anliegen. Sie reicht nunmehr von der Spätantike bis in die Gegenwart, von romanischer Skulptur bis zur Rauminstallation, von mittelalterlicher Tafelmalerei bis zum »Radical Painting«, vom gotischen Ziborium bis zum Gebrauchsgegenstand des 20.Jahrhunderts. Die Suche nach einer übergreifenden Ordnung, nach Maß, Pro-portion und Schönheit ist als verbindendes Element aller künstlerischen Gestaltung der Leitfaden der Sammlung. Schwerpunkte bilden das frühe Christentum (koptische Gewebe), Malerei, Plastik und Goldschmiedekunst des 11. bis 16.Jahrhunderts, Zeugnisse der Volksfrömmigkeit und eine der vollständigsten Sammlungen von Rosenkränzen. Dieser Bestand erfuhr 1996 eine herausragende Bereicherung durch die Schenkung Härle, in der zwei Drittel einer der ehemals bedeutendsten deutschen Privatsammlungen mittelalterlicher Skulptur enthalten sind. Das 19.Jahrhundert ist mit Malerei, Handzeichnung und religiöser Druckgraphik vertreten. In Bereich der Klassischen Moderne konnte eine kleine Sammlung aufgebaut werden, die als Brückenkopf zwischen 19. Jahrhundert und zeitgenössischer Kunst eine wesentliche Rolle spielt. Die Schenkung des Teilnachlasses von Andor Weininger, der am Bauhaus in Weimar und Dessau prominent wirkte, setzte hier 1999 einen Meilenstein. In der zeitgenössischen Kunst richtet sich die Sammlungstätigkeit auf künstlerische Diskurse, die auf dem Höhepunkt ihrer Zeit Fragestellungen der menschlichen Existenz verfolgt haben, die gerade auch für die Kirche von Bedeutung sind. Mit dieser Offenheit einer Annäherung ergibt sich die Möglichkeit, im Kunstwerk – für seine Zeit und darüber hinaus – relevante religiöse Dimensionen aufzufinden. Nach Möglichkeit verfolgt die Sammlung hier den Aufbau umfangreicher Werkgruppen einzelner Künstler, die in den verschiedensten Ausstellungen vielfältig eingebunden werden können. Durch die Schenkung der Werk- und Formensammlung Schriefers erfuhr die Sammlung 2002 eine konsequente Erweiterung im Bereich der angewandten Kunst des 20.Jahrhunderts.

Statik
Die Konstruktion des gesamten Gebäudes beruht auf einem Stahltragwerk in Verbindung mit massivem Mauerwerk. Die Sicherung der Ruine, die sensible Gründung im archäologischen Bestand und das Aufmauern auf diesen stellten besondere Herausforderungen. Sie zu bewältigen war die Aufgabe des Schweizers Jürg Buchli und des Kölner Büros Schwab-Lemke. Die dreizehn schlanken Pfeiler im Gelände der Ausgrabung wurden in Zusammenarbeit mit den Archäologen um Zentimeter verschoben und ohne den Bestand zu schädigen dort platziert. Gleichzeitig gibt ihre Anordnung die Raumaufteilung des darüberliegenden Ausstellungsgeschosses vor und führt den neuen Grundriss mit dem alten zusammen. Die Stützen korrespondieren mit weiteren in den Außenwänden, die durch die ehemaligen Pfeiler der gotischen Kirche hindurchgebohrt und im Erdreich verankert wurden. Sie tragen auch das aufgehende >Filtermauerwerk, das die Ruinenwände nicht belasten durfte.

Umgebung
Der große Baukörper, Ergebnis der überbauten >Archäologie, >Kapelle und früheren Kolumbakirche, beansprucht, Mittelpunkt des Viertels zu sein. Die Planung wurde begleitet von einem detaillierten >Modell der gesamten umgebenden Bebauung, in das die Entwürfe des Neubaus in allen Entwicklungsstadien zur Überprüfung der stadträumlichen Wirkung hineingestellt wurden. Da sich der Neubau konsequent auf dem Grundriss der spätgotischen Kirche erhebt, geht eine Wiederherstellung des Stadtraums, anknüpfend an die Situation vor dem Zweiten Weltkrieg, mit seiner Errichtung einher. Die Einführung des >Hofes erbrachte die Klärung der Parzellenstruktur. An der von heterogenem Baubestand geprägten Ostseite wurde die uralte Passage wiederhergestellt und mit einer durchgehenden Pflasterung und durch die Pflanzung von >Bäumen stadträumlich aufgewertet.

Vermittlung
Was macht es für einen Sinn, Fragen zu beantworten, die nicht gestellt wurden, Informationen zu geben, die in ihrer Fülle nicht zu bewältigen sind? Kolumba versteht sich als Ort eigener Entdeckungen. >Führungen finden im Museum als Werkgespräche vor ausgesuchten Originalen statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die individuellen Beobachtungen der Teilnehmer. Ziel dieser Dialoge ist es, die immanente Fremdheit des Kunstwerks nicht aufzuheben, ihre Komplexität und Ambivalenz zu vermitteln, Kunst mit Kunst zu erklären.

Zumthor
Peter Zumthor, 1943 geboren in Basel. Ausbildung als Möbelschreiner, Gestalter und Architekt an der Kunstgewerbeschule Basel und am Pratt Institute, New York. Seit 1979 eigenes Architekurbüro in Haldenstein, Schweiz.

© Kolumbateam/ Kolumba 2007
www.kolumba.de

Kunstmuseum
des Erzbistums Köln

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Archäologie
Einer der Hauptgründe für den Neubau an dieser Stelle war der Erhalt der archäologischen Zone, die aufgrund ihrer Dichte von herausragender Bedeutung ist. In Ausgrabungen von 1973 bis 1976 hat man die romanischen Fundamente dreier Vorgängerbauten (9. bis 13.Jahrhundert) der spätgotischen St.Kolumbakirche freigelegt. Früheste Mauerreste stammen aus der Gründungszeit Kölns (Mitte 1.Jahrhundert). Aus fränkischer Zeit (um 700) hat sich der Anbau einer Apsis an ein spätrömisches Haus erhalten; vermutlich der Beginn der Verehrung der heiligen >Kolumba an diesem Ort. Nur mit einem Holzdach geschützt, drohten die Fragmente zu verfallen.

Architekturwettbwerb
Nach mehrjähriger Vorbereitung wurde Ende 1996 ein Architekturwettbewerb ausgelobt, offen für Teilnehmer aus dem Gebiet des Erzbistums Köln. Sieben ausgewählte Architekten aus mehreren europäischen Ländern wurden zur Teilnahme in dem anonymen Verfahren eingeladen. Nach dreitägiger Sitzung votierte die Jury im Juni 1997 mit einem Stimmenverhältnis von 12:1 für den Entwurf, der sich nach Öffnen der Umschläge als Beitrag von Peter >Zumthor herausstellte.

Bäume
Am Ende der Baumaßnahme wurden 17 Bäume gepflanzt, die das Stadtbild verschönern: 12 Gleditschien (Falscher Christusdorn oder Lederhülsenbaum), davon 11 im >Hof; je eine Linde, Eiche, Zelkovia, Ginkgo und Kirsche. Die Bäume sind 20 bis 30 Jahre alt und wurden in einer niederländischen Baumschule einzeln ausgewählt.

Bauherr
Bauherr ist Joachim Kardinal Meisner für das Erzbistum Köln, vertreten durch den Generalvikar (bis Mai 2004 Dr. h.c. Norbert Feldhoff, ab Juni 2004 Dr. Dominik Schwaderlapp). Die Baubegleitung erfolgte durch den Erzdiözesanbaumeister (bis Juni 2001 Josef Rüenauver, ab Juli 2001 Martin Struck) und die Bauabteilung des Generalvikariates, die seit Januar 2006 der Hauptabteilung Finanzen/Bau/Recht untersteht (Hermann Josef Schon). Erzdiözesanbaumeister, Bauabteilung und Museumsteam waren seit 1998 die Dialogpartner von Peter Zumthor bei den zahlreichen Planungs- und Baubesprechungen. Das von allen Beteiligten verantwortete Projekt betont und aktualisiert die in Jahrhunderten gewachsene kulturtragende Rolle der Kirche.

Bauleitung
Die Projektleitung im Architekturbüro Zumthor und auf der Baustelle lag nach Daniel Schmid, Stephan Meier und Mark Darlington seit Januar 2004 bei Rainer Weitschies, unterstützt von Serge Schoemaker und Gian Salis, die Bauleitung beim Kölner Architekturbüro Stein (Wolfram und Michael Stein, Heinz-Jürgen Rothkegel).

Bauteilaktivierung
Das nachhaltige Energiekonzept von Kolumba war Ende 1996 eine der Forderungen im >Architekturwettbewerb. Gerhard Kahlert verantwortet die Planung der Klimatechnik. Im Verbund mit der >Geothermie bildet die Bauteilaktivierung eines der wesentlichen Bestandteile der >Klimatisierung des Gebäudes. Die in Massivbauweise erstellten Ziegelwände in 60cm Dicke und Betondecken sind von einem Leitungssystem durchzogen, das ganzjährig Wasser mit einer Temperatur zwischen 18 und 20 Grad durch die Wände und Böden der klimakritischen Bauteile fließen lässt. Die träge Masse wird dadurch gleichmäßig temperiert, so dass wegen gleicher Raum- und Bauteiltemperatur der Energiebedarf für Heizung und Kühlung minimiert werden kann.

Beteiligte
Eine vollständige Auflistung aller Beteiligten Planer und ausführenden Firmen ist auf der Homepage im Menü »Gebäude«, Untermenü »Beteiligte« abrufbar.

Denkmalpflege
Im Hinblick auf die Denkmalpflege waren schon im >Architekturwettbewerb zwei Vorgaben maßgeblich: Nichts wegnehmen, nichts ergänzen! Das architektonische Konzept sollte ohne Wertung alles erhalten, was am Anfang der 1990er Jahre noch vorhanden war, und ästhetisch wie funktional in die Ganzheit einer zeitgenössischen Lösung einbinden. Peter >Zumthor erkannte in Anlehnung an die seit dem 9.Jahrhundert für Kolumba nachweisbare Tradition das »Weiterbauen« auf dem Bestand als geeignete Vorgehensweise; das wird besonders sichtbar am Grundriss und an den Außenmauern der Kolumbakirche, die zur selbstverständlichen Fassade des Neubaus zählen.

Eintritt
Der Eintritt ist bis 18 Jahre frei; Erwachsene zahlen € 5, mit Ermäßigung € 3. Es gibt keine Gruppenermäßigung.

Filtermauerwerk
Für den Erhalt der >Archäologie ist Außenklima notwendig, sofern man auf kostspielige Technik verzichten möchte. Das sogenannte Filtermauerwerk läßt Luft und mildes Tageslicht in den Grabungsraum einfallen. Als Lichtmosaik bildet es die umhüllende Membrane der >Kapelle. Der Realisierung des als unregelmäßig empfundenen Mauerwerkes gingen mehrjährige Studien mit Mustern bis zum Maßstab 1:1 voraus.

Fotografieren
Fotografieren ist in Kolumba nur zu privaten Zwecken erlaubt ist, allerdings ohne Stativ und Blitz. Jede weitere Nutzung ist ohne Genehmigung des Museums unzulässig und verstößt gegen geltendes Recht.

Fuge
Das Gebäude ist fugenlos errichtet. Die materialbedingte Bauwerksbewegung wird über die Masse kompensiert und verteilt, weshalb ein Netz von Haarrissen sowohl die Decken wie auch die fugenlosen Böden durchzieht. Die einzige Fuge trennt Wände und Böden nur optisch und dient als Teil der >Klimatisierung zur Aufnahme der Abluft.

Führungen
Öffentliche Führung samstags 10.30Uhr (aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine telefonische Anmeldung erforderlich); Führungen nur außerhalb der regulären >Öffnungszeiten von 10–12 und 17–19 Uhr nach Terminvereinbarung. Aufgrund der großen Nachfrage bitte lange vorher buchen.

Geothermie
Zur Basisversorgung der >Bauteilaktivierung greift der Neubau auf die Grundwassertemperatur zurück. In 16 Bohrungen wurde ein Leitungssystem, das auch die Wände des Gebäudes durchzieht, 70 Meter tief in die Erde geführt, um im Winter die Wärme des Erdreiches, im Sommer dessen Kühle nutzbar zu machen. Die z.B. bei großen Veranstaltungen auftretenden Spitzenleistungen werden durch Saugbrunnen und zwei zusätzliche Schluckbrunnen mit der Wassertemperatur aus 38 Metern abgedeckt.

Grundriss
Der eigenartige Grundriss des Gebäudes resultiert aus dem der spätgotischen Kolumbakirche und ihrem nördlichen Annex, dem heutigen Eingangsbereich. Bei der Erweiterung des dreischiffigen romanischen Kirchbaus nach Süden war die wesentlich ältere Straßenführung der Brückenstraße zu respektieren. Dies führte zur Trapezform der fünfschiffigen gotischen Kirche, die mit ihrem Hauptschiff bis in den größten Ausstellungsraum, mit ihren Seitenschiffen in den Kunstlichtkabinetten des Neubaus prägend wurde. An der Binnenraumgliederung des Gebäudes wird die langjährige Planung nach dem >Architekturwettbewerb besonders sichtbar, mit dem Ziel optimaler und variantenreicher Raum- und Lichtsituationen.

Hof
Es war ein Alleinstellungsmerkmal des Entwurfes von Peter Zumthor, den ehemaligen Kolumbakirchhof nicht zu bebauen, so dass dort ein Museumshof mit Blick auf die Nordwand der Ruine gestaltet werden konnte. Die »Große Liegende« des 1920 in Königsberg geborenen Schweizer Bildhauers Hans Josephsohn ist eines der wenigen permanent ausgestellten Werke der Sammlung. Ihre Anwesenheit in dem mit elf >Bäumen bepflanzten Hof greift die verlorengegangene Tradition der Museumsgärten auf, die zum Verweilen, Ausruhen und Nachdenken einladen.

Homepage
Die Homepage »www.kolumba.de« besteht seit 1998 zur aktuellen Information und als wachsendes Archiv aller Ausstellungen und Aktivitäten. Mit einigen hundert kommentierten Bildern kann die Errichtung des Neubaus nachvollzogen werden.

Intervention
»It´s not what you see that is art, art is the gap. I like this idea and even if it´s not true, I accept it for the truth.« Marcel Duchamp
Kolumba zeigt in jährlich mehrfachem Wechsel Werke vorwiegend der eigenen Sammlung in sich verändernden Kontexten. Jeweils zum 15. September wird eine neue Auswahl von Werken vorgestellt. Kleinere oder größere Ausstellungen in Form von (künstlerischen) Interventionen unterbrechen, verändern und erweitern den Kontext dieser Sammlungspräsentation.

Jahre
Der Neubau geht auf eine 35-jährige Planungsgeschichte zurück: 1972 wurde mit Wiedereröffnung des Museums am Roncalliplatz der Plan zu einem Neubau gefasst. 1983 wurden erste Überlegung zum Bau an St.Kolumba angestellt. 1987 sprach sich der Museumsvorstand für einen Neubau aus. 1989 übernahm das Erzbistum Köln die Trägerschaft des Diözesanmuseums und bestimmte Joachim M.Plotzek als Leiter, der bis 1991 mit Katharina Winnekes, Stefan Kraus und Ulrike Surmann das heutige Museumsteam gruppierte (seit 2001 durch Marc Steinmann verstärkt). 1991 fasste Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den Entschluss für einen Neubau an St.Kolumba. 1994 führten die Verhandlungen mit der Kirchengemeinde zum Erwerb des Grundstückes. 1995 sprach sich der Priesterrat fast einstimmig für einen Neubau aus. 1996 stimmte der Kirchensteuerrat mit nur einer Enthaltung dem Neubauprojekt zu. Nach Ausgang des Architekturwettbewerbs stimmten 1998 Diözesanpastoralrat und Diözesankirchensteuerrat für die Durchführung des Projektes, danach erhielt Peter Zumthor die Beauftragung. Ende 2001 wurde der baureife Entwurf öffentlich vorgestellt. Nach Baubeginn Ende 2002 wurde am 1.Oktober 2003 der Grundstein gelegt. Zum Weltjugendtag war das gesamte Erdgeschoss im August 2005 für den »1st view!« geöffnet. Am 16.März 2006 fand das Richtfest statt. Ab dem 1.August 2007 konnte der Bau bezogen werden.

Kapelle
Zur Verehrung einer in den Kriegstrümmern unversehrt stehengebliebenen spätgotischen Marienfigur wurde nach dem Entwurf von Gottfried Böhm (geb. 1920) 1949/50 die Kapelle »Madonna in den Trümmern« errichtet. Ausgestattet mit Werken von Ludwig Gies, Ewald Mataré, Georg Meistermann, Jan Thorn-Prikker, Elisabeth Treskow und Rudolf Peer ist sie ein Kleinod kirchlicher Kunst der zwanziger bis fünfziger Jahre. Der Plan des damaligen Bauherrn, Pfarrer Joseph Geller, sah die Wiedererrichtung der Kirche als zeitgenössischen Neubau vor, der die Kapelle ummanteln sollte. Gottfried Böhm hat 1949 und 1957 mit Kirchbauten und schließlich 1973 mit einem »Kolumba-Institut« dazu Entwürfe geliefert. Im Unterschied zu Peter Zumthor sahen seine Entwürfe nur die Einhausung des Oktogons vor, nicht jedoch des Kapelleneingangs, der im jetzigen Gebäude einen Vorraum erhalten hat. Wie bisher bleibt in der ummantelten Kapelle die gottesdienstliche Nutzung eigenständig erhalten.

Klimatisierung
Mit Ausnahme des Foyers sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit in allen Museumsräumen (und Depots) sensibel zu klimatisieren. Aufgrund von >Bauteilaktivierung und >Geothermie konnten die notwendigen technischen Installationen in den Ausstellungsräumen nicht sichtbar in Decken und Böden integriert werden. Entgegen üblicher Konditionierung strömt die Zuluft von oben über die Leuchtenauslässe der Mörteldecke ein und wird im Raum verbraucht über die Bodenrand->Fuge großflächig abgesaugt. Die Frischluft wird aus dem Großraum der archäologischen Zone gewonnen, in den dadurch Außenklima durch das >Filtermauerwerk nachströmt. Die Planung lag in der Hand von Gerhard Kahlert, Haltern.

Kolumba
Auf die hl.Kolumba geht die ihr geweihte Kirche St.Kolumba zurück, deren Baugeschichte durch die >Archäologie eindrucksvoll erlebbar ist. Ihr vom merowingischen Königshof geförderter Kult wurde möglicherweise durch den hl. Bischof Kunibert (vor 626–nach 648) von dort nach Köln gebracht. Das Zentrum ihrer Verehrung befand sich ursprünglich in Sens, wo Reliquien der angeblich aus Saragossa stammenden Fürstentochter aufbewahrt wurden. Sie hatte sich laut Legende geweigert, den Sohn Kaiser Aurelians zu heiraten, wurde daraufhin in ein Bordell gesperrt und schließlich, nachdem ihre Verbrennung misslungen war, im Jahr 273 gegeißelt und enthauptet. Ihr Attribut ist ein Bär, der ihre Unschuld gegen einen Vergewaltiger verteidigt haben soll.

Kosten
Nachdem vor etwa zwölf >Jahren die Standortfrage geklärt werden konnte, entschied der Erzbischof mit ausdrücklicher Unterstützung des Priesterrates und des Kirchensteuerrates die Durchführung eines >Architekturwettbewerbes, aus dem 1997 Peter Zumthor als Sieger hervorging. Nach mehrjähriger Planungsphase wurden Mitte 2002 die Kosten der Gesamtmaßnahme mit 36,7 Mio.€ berechnet und die Finanzierung seitens des Bauhherrn in dieser Höhe sichergestellt. Die hohen Anforderungen an die >Klimatisierung und insbesondere die außergewöhnliche Komplexität des Standortes ließen über die gesamte Planungs- und Ausführungsphase erkennen, dass eine plankonforme Realisierung insbesondere hinsichtlich Bauzeit und demzufolge auch Baukosten mit Risiken behaftet sein würde. Die Projektsteuerung war insoweit in jeder Phase darauf gerichtet, die Einhaltung der Vorgaben weitestmöglich abzusichern. In der Kostenkalkulation waren übliche Preissteigerungen kalkuliert, nicht jedoch die zum Teil exorbitanten Verteuerungen für Baumaterial (z.B. Stahl), oder die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Infolge der zeitlichen Überlappungen mit allgemeinen, durchaus drastischen Sparmaßnahmen des >Bauherrn war es jedoch unbedingtes Ziel, die finanziellen Aufwendungen des Erzbistums bei Wahrung der baulichen Ausführungsqualität im Rahmen der abgesicherten Finanzierung zu halten. Bereits mit Beginn der Planungsphase bemühte sich der Bauhherr um den Erhalt öffentlicher Zuschüsse für die Investitionen in die >Archäologie (Bodendenkmalpflege) und >Geothermie. Mit Unterstützung der Stadt Köln konnte ein Zuschuss des Landes über 5 Mio € erreicht werden. Die Baukosten erreichen nun ein Gesamtvolumen von 43,4 Mio € , wovon 5 Mio € über den genannten Zuschuss und die verbleibenden 38,4 Mio € aus Mitteln des Bauherrn finanziert wurden.

Kritik
Während der vergangengen 15 Jahre gab es nicht nur Zustimmung für den Neubau. Lange Zeit stand die Überbauung der >Kapelle in der Diskussion. Namhafte Kölner Architekten warfen dem Museum Ignoranz und Peter Zumthor Brutalismus vor. Die interessierte Bevölkerung befürchtete vor allem, der Eingriff an dieser sensiblen Stelle könnte die Spuren der Geschichte zerstören. Eine Bürgerinitiative warnte sogar vor einer Luftverschlechterung im Kolumba-Viertel infolge des Neubaus. Gottfried Böhm, der Erbauer der >Kapelle, hat Ende 2001 dem Grundkonzept des Neubaus und der damit verbundenen Einhausung der Kapelle auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Zumthor zugestimmt. Eine Überbauung der Kapelle war von ihm bereits mit deren Planung 1949 erstmals vorgeschlagen und in Entwürfen von 1957, 1973 und 1997 aktualisiert worden. Ungeklärt blieb die Frage der Eckausbildung des Gebäudes an der Brücken- und Kolumbastraße. Hier konnte kein Konsens erreicht werden, da Böhm diese Ecke mit Blick auf die Südfassade der Kapelle offen halten wollte, während sich der Bauherr auch im Hinblick auf die ehemalige Situation der Kolumbakirche für die nun realisierte Lösung eines Vorraums entschieden hat. Auch nach Fertigstellung des Neubaus richtet sich Kritik gegen die veränderte Lichtsituation in der Kapelle, die von einigen als zu dunkel empfunden wird. Dem stehen diejenigen gegenüber, die den dunkleren Sakralraum mit seiner umgebenden Lichtmembrane als intimen Andachtsraum annehmen. Der Bauherr hat die Fertigstellung der Details abgewartet, um über die Notwendigkeit einer unterstützenden Beleuchtung abschließend urteilen zu können.

Licht
Nicht das »lichtdurchflutete« Museum war Ziel des Neubaus, vielmehr ist Kolumba ein Licht- und Schattenmuseum, das sich im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten entfaltet und auch das Zwielicht kennt. Das gilt für den Raum der >Archäologie ebenso wie für die Ausstellungsräume. Auf die klassische Museumsdecke, die zu allen Zeiten gleichbleibendes Licht garantiert, wurde zugunsten einer lebendigen Lichtsituation verzichtet. Stattdessen prägt Seiten- und Seitenoberlicht von den verschiedenen Himmelsrichtungen den Charakter der meisten Ausstellungsräume. Bei den für ein Museum ebenso sinnvollen wie notwendigen Kunstlichträumen wurde nicht versucht, Tageslicht zu imitieren, sondern mit Glaskalotten für Allgemeinbeleuchtung und Spots für Akzentbeleuchtung eine eigene Lichtqualität zu realisieren.

Material
Bereits im Auslobungstext zum Architekturwettbewerb war die Frage der verwendeten Materialien ausführliches Thema. Im Kontext des vorhandenen Baubestandes wurde versucht, die Grenze der Architektur und der von ihr verwendeten Baumaterialien zum Kunstwerk präzise zu fassen. Auch die physikalischen Eigenschaften, vor allem die für die >Klimatisierung günstige Speicherfähigkeit, wurden beachtet. Die Arbeit am Projekt erbrachte folgende Reduktion: lichtgraue Wände aus Backstein und Lehmputz, Böden aus Jurakalk, Terrazzo und Mörtel, Decken aus auf eine Schalung gegossenem Mörtel, Fensterrahmen, Türen, Zargen und Beschläge aus Stahl, Wandvertäfelungen und Möbel in Holz, Textil und Leder, Vorhänge aus Leder und Seide.

Mauerwerk
Eine der wesentlichen Herausforderungen zur Umsetzung des architektonischen Plans, unmittelbar auf den Fragmenten weiterzumauern, bestand in der Entwicklung eines geeigneten Steins, den Peter >Zumthor bereits im Wettbewerbsentwurf vorgeschlagen hatte. Der warmgraue Backstein wurde in mehrjähriger Arbeit entwickelt; von einem dänischen Hersteller z.T. handgefertigt, trägt er den Namen »Kolumba-Stein«. Er changiert in Nuancen von Gelb, Rot, Grün und Blau. Damit korrespondiert er mit dem mittelalterlichen Bestand aus Ziegelsteinen, Tuffen und Basalten. Sein flaches Format im Grundmaß 54x21,5x4cm ermöglicht zum einen die Verwendung im >Filtermauerwerk, zum anderen das Aufmauern auf den vorgefundenen Abbruchkanten der Ruine. Die sorgfältige Ausführung des Mauerwerkes mit handbearbeiteten breiten Lagerfugen erfolgte durch polnische Maurer, im Auftrag der Fima Heitkamp.

Modelle
Nicht nur die stadt- oder innenräumlichen Proportionen der Architektur wurden an großformatigen Arbeitsmodellen gefunden, sondern beinahe sämtliche Konstruktionsdetails. Während erstgenannte Modelle in den Maßstäben 1:10, 1:50 bis 1:100 aus Holz, Beton, Ton und einfacheren >Materialien gefertigt wurden, erfolgte die Detailbemusterung im 1:1 Original. Für Mauer-werk, Mörteldecke, Putz und Fensteranschlüsse wurde im Hof des Ursulinengymnasiums ein Mustergebäude errichtet, an welchem Ausführungsvarianten erprobt wurden. Die Entwicklung der Lehmputzwand und der Kunstlichtleuchten erfolgte öffentlich über drei Jahre hinweg in einem zu Ausstellungszwecken genutzten originalgroßen Raumteil im alten Museum am Roncalliplatz.

Museumskonzept
Die Idee von Kolumba als »Museum der Nachdenklichkeit« wurde ab 1991 vom Kuratotenteam unter der Leitung von Joachim M. Plotzek entwickelt und bis zur Einweihung des Neubaus im September 2007 in zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen erprobt (Joachim M. Plotzek, Katharina Winnekes, Stefan Kraus, Ulrike Surmann, Marc Steinmann). Alle Überlegungen zur Architektur wurden mit diesem Konzept in ein Verhältnis gesetzt. Ausgehend von der heterogenen Sammlungsstruktur des 1853 gegründeten Diözesanmuseums, versteht sich Kolumba als Kunstmuseum in kirchlicher Trägerschaft, das jenseits aller Sparten und Spezialisierungen Fragen künstlerischer Gestaltung umfassend darstellen möchte. Als Museum der Nachdenklichkeit stellt Kolumba ein offenes Angebot zur Auseinandersetzung mit dem zur Kunst gewordenen Leben.

Öffnungszeiten
Kolumba ist ganzjährig täglich außer dienstags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Außerhalb dieser Öffnungszeiten finden >Führungen und weitere >Veranstaltungen statt (von Weiberfastnacht bis einschließlich Aschermittwoch, an Heiligabend und am 1.Weihnachtstag sowie an Silvester und Neujahr ist das Museum geschlossen). Außerdem bleibt Kolumba für den Aufbau des jährlichen Ausstellungsechsel vom 1. bis zum 13. September geschlossen.

Ort
Im Zeitalter der Globalisierung möchte Kolumba einen spezifischen Ort markieren, mit einer Sammlung und einer Architektur, die, einander ergänzend, zweitausend Jahre abendländischer Kultur auf unverwechselbare Weise repräsentieren. Ein Ort, der zur Identität der Stadt, der Kirche und eines jeden Einzelnen beitragen möchte.

Präsentation
Das »lebende Museum« unterscheidet nicht zwischen ständiger Sammlung und Wechselausstellung. Vielmehr nutzt es die fließende Qualität der Architektur und arbeitet mit den Möglichkeiten der Gleichzeitigkeit und des Nebeneinanders, die den Bau von Peter Zumthor charakterisieren. Kolumba zeigt in jährlich mehrfachem Wechsel Werke vorwiegend der eigenen Sammlung in sich verändernden Kontexten. Von wenigen Kunstwerken abgesehen, die spezifisch für den Ort realisiert oder als identifizierende Arbeiten immer zu sehen sind, wird jeweils zum 15. September eine neue Auswahl von Werken vorgestellt. Sonderausstellungen und künstlerische Interventionen ergänzen und verändern den Kontext dieser Sammlungspräsentation. Charakteristisch für das fast private Ambiente sind das Fehlen von Objektbeschriftungen sowie das Miteinander der Werke unabhängig von chronologischen, stilgeschichtlichen oder medialen Zusammenhängen. Stets versucht die Präsentation die Präsenz der künstlerischen Arbeiten zu realisieren.

Publikationen
»Kolumba – Ein Architekturwettbewerb in Köln«, Köln 1997; »Auswahl eins«, Kolumba Bd.28, Köln 2007 (alle Titel der hauseigenen Schriftenreihe sind auf der >Homepage zu blättern).

Quadratmeter
Die erreichte Quadratmeterzahl entspricht in etwa den Vorgaben des >Architekturwettbewerbes von 1997: 1750m2 Ausstellungsfläche (inklusive Foyer und Treppen) verteilen sich auf 17 Ausstellungsräume; hinzu kommen 900m2 Grabungsfeld sowie ca. 600m2 Depot- und 200m2 Lagerfläche, die in zwei Untergeschossen realisiert sind. Auf Restaurierung und Verwaltung entfallen ca. 300m2. Die gesamte Kubatur des Gebäudes beträgt rund 4500m3.

Sakristei
In der zerstörten Sakristei der Kolumbakirche, einem ehemals eingeschossigen Bau außerhalb des Kirchengrundrisses, fand am 24.Februar 1997 die symbolische Grundsteinlegung statt, mit der Installation der Skulptur »Die Untergegangenen und die Geretteten« des amerikanischen Bildhauers Richard Serra. Die Stahlskulptur steht oberhalb einer Gruft, die alle Gebeine beherbergt, die bei der Ausgrabung in den siebziger Jahren in den zahlreichen Grüften des Geländes geborgen wurden.

Sammlung
Ausgehend vom heterogenen Bestand des 1853 gegründeten Museums ist die Vielseitigkeit der Sammlung eines ihrer Anliegen. Sie reicht nunmehr von der Spätantike bis in die Gegenwart, von romanischer Skulptur bis zur Rauminstallation, von mittelalterlicher Tafelmalerei bis zum »Radical Painting«, vom gotischen Ziborium bis zum Gebrauchsgegenstand des 20.Jahrhunderts. Die Suche nach einer übergreifenden Ordnung, nach Maß, Pro-portion und Schönheit ist als verbindendes Element aller künstlerischen Gestaltung der Leitfaden der Sammlung. Schwerpunkte bilden das frühe Christentum (koptische Gewebe), Malerei, Plastik und Goldschmiedekunst des 11. bis 16.Jahrhunderts, Zeugnisse der Volksfrömmigkeit und eine der vollständigsten Sammlungen von Rosenkränzen. Dieser Bestand erfuhr 1996 eine herausragende Bereicherung durch die Schenkung Härle, in der zwei Drittel einer der ehemals bedeutendsten deutschen Privatsammlungen mittelalterlicher Skulptur enthalten sind. Das 19.Jahrhundert ist mit Malerei, Handzeichnung und religiöser Druckgraphik vertreten. In Bereich der Klassischen Moderne konnte eine kleine Sammlung aufgebaut werden, die als Brückenkopf zwischen 19. Jahrhundert und zeitgenössischer Kunst eine wesentliche Rolle spielt. Die Schenkung des Teilnachlasses von Andor Weininger, der am Bauhaus in Weimar und Dessau prominent wirkte, setzte hier 1999 einen Meilenstein. In der zeitgenössischen Kunst richtet sich die Sammlungstätigkeit auf künstlerische Diskurse, die auf dem Höhepunkt ihrer Zeit Fragestellungen der menschlichen Existenz verfolgt haben, die gerade auch für die Kirche von Bedeutung sind. Mit dieser Offenheit einer Annäherung ergibt sich die Möglichkeit, im Kunstwerk – für seine Zeit und darüber hinaus – relevante religiöse Dimensionen aufzufinden. Nach Möglichkeit verfolgt die Sammlung hier den Aufbau umfangreicher Werkgruppen einzelner Künstler, die in den verschiedensten Ausstellungen vielfältig eingebunden werden können. Durch die Schenkung der Werk- und Formensammlung Schriefers erfuhr die Sammlung 2002 eine konsequente Erweiterung im Bereich der angewandten Kunst des 20.Jahrhunderts.

Statik
Die Konstruktion des gesamten Gebäudes beruht auf einem Stahltragwerk in Verbindung mit massivem Mauerwerk. Die Sicherung der Ruine, die sensible Gründung im archäologischen Bestand und das Aufmauern auf diesen stellten besondere Herausforderungen. Sie zu bewältigen war die Aufgabe des Schweizers Jürg Buchli und des Kölner Büros Schwab-Lemke. Die dreizehn schlanken Pfeiler im Gelände der Ausgrabung wurden in Zusammenarbeit mit den Archäologen um Zentimeter verschoben und ohne den Bestand zu schädigen dort platziert. Gleichzeitig gibt ihre Anordnung die Raumaufteilung des darüberliegenden Ausstellungsgeschosses vor und führt den neuen Grundriss mit dem alten zusammen. Die Stützen korrespondieren mit weiteren in den Außenwänden, die durch die ehemaligen Pfeiler der gotischen Kirche hindurchgebohrt und im Erdreich verankert wurden. Sie tragen auch das aufgehende >Filtermauerwerk, das die Ruinenwände nicht belasten durfte.

Umgebung
Der große Baukörper, Ergebnis der überbauten >Archäologie, >Kapelle und früheren Kolumbakirche, beansprucht, Mittelpunkt des Viertels zu sein. Die Planung wurde begleitet von einem detaillierten >Modell der gesamten umgebenden Bebauung, in das die Entwürfe des Neubaus in allen Entwicklungsstadien zur Überprüfung der stadträumlichen Wirkung hineingestellt wurden. Da sich der Neubau konsequent auf dem Grundriss der spätgotischen Kirche erhebt, geht eine Wiederherstellung des Stadtraums, anknüpfend an die Situation vor dem Zweiten Weltkrieg, mit seiner Errichtung einher. Die Einführung des >Hofes erbrachte die Klärung der Parzellenstruktur. An der von heterogenem Baubestand geprägten Ostseite wurde die uralte Passage wiederhergestellt und mit einer durchgehenden Pflasterung und durch die Pflanzung von >Bäumen stadträumlich aufgewertet.

Vermittlung
Was macht es für einen Sinn, Fragen zu beantworten, die nicht gestellt wurden, Informationen zu geben, die in ihrer Fülle nicht zu bewältigen sind? Kolumba versteht sich als Ort eigener Entdeckungen. >Führungen finden im Museum als Werkgespräche vor ausgesuchten Originalen statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die individuellen Beobachtungen der Teilnehmer. Ziel dieser Dialoge ist es, die immanente Fremdheit des Kunstwerks nicht aufzuheben, ihre Komplexität und Ambivalenz zu vermitteln, Kunst mit Kunst zu erklären.

Zumthor
Peter Zumthor, 1943 geboren in Basel. Ausbildung als Möbelschreiner, Gestalter und Architekt an der Kunstgewerbeschule Basel und am Pratt Institute, New York. Seit 1979 eigenes Architekurbüro in Haldenstein, Schweiz.

© Kolumbateam/ Kolumba 2007
www.kolumba.de