Kolumba
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»Die erste Warnung liegt auf dem Foyerboden: Zwei ölverschmierte Seevögel reisen in einer Glaskiste per Floß ins Totenreich, wobei ein Hanfseil wie eine Nabelschnur zu einem Glaskolben voll reinen Wassers führt. "Keine Kunst aber Tatsachen", nannte Felix Droese sein ökologisches Memento mori. So komplex und beklemmend ist (fast) die ganze Kolumba-Jahresschau, die unter dem Titel "Der rote Faden" Strategien des Erzählens in der bildenden Kunst erforscht. Als Keimzelle des Konzepts nennt Direktor Stefan Kraus die Chance, einen 20-teiligen Bildzyklus mit der Legende des heiligen Severin während der Sanierung der gleichnamigen Kölner Kirche als Leihgabe zu bekommen. Die Bilder des Meisters der Ursulalegende (um 1500) mäandern nun durchs lichte zweite Obergeschoss, zeigen Severin als Heiler der Verkrüppelten oder gar beim Erwecken eines Toten in auftrumpfender Erlöserrolle. Sieht man hier episch-ausschmückendes Erzählen, so verdichtet ein neu erworbenes Hauptwerk des Hauses ein vielschichtiges Drama in einem Motiv: Die oberrheinische Holzskulptur "Christus in der Rast" (um 1480) zeigt einen traurig-versonnenen Schmerzensmann und wirkt wie ein Requiem vor dem Tod. In der Passionsgeschichte Jesu (mit kostbarsten Stücken im "Armarium" erzählt) liegt der motivische Kern der Ausstellung - von hier aus wird mit blutigem Erzählfaden das weite Feld kreatürlichen Leidens vermessen. So beschwört Marcel Odenbachs lange nicht gezeigte Videoinstallation "In stillen Teichen lauern Krokodile" den Völkermord in Ruanda. Mit Szenen von Amok und Leichen, aber vor allem mit der Pogromhetze der Hutu gegen die Tutsi. Gleich um die Ecke scheint ein titelloses Keith-Haring-Bild genau diese Art von Keulenschlag-Propaganda zu zeigen. Solche blitzgescheit ausgelösten Assoziationen sieht man hier oft. Zwar lehnt Michael Buthes "Wanderer" inmitten des Severins-Zyklus ermattet an der Wand, doch längst begnügt sich Kolumba nicht mehr damit, alte und neue Kunst zu konfrontieren. Dafür sieht man Otto Dix' selten komplett gezeigten Grafik-Zyklus "Der Krieg", der in 50 Momentaufnahmen zerfetzte Soldatenkörper, Pferdekadaver oder Luftkriegspanik zeigt. Meditativer, aber ebenso eindringlich: Rebecca Horns "Berlin Earthbound", jene Installation mit "vogelfreiem" Koffer, in dem der rote Faden zum Davidstern wird. Daneben Kurt Bennings letztes Foto seines 1945 gefallenen Vaters, als Negativ im Leuchtkasten zum gespenstischen Zeitzeugnis vergrößert. Erst ganz oben, im Südturm, löst sich die Klammer der düsteren Themen. Hier inszeniert Anna Blume jene Fotoarbeiten, die sie mit ihrem 2011 gestorbenen Ehemann Bernhard Johannes schuf, fast wie einen Flügelaltar. In diesen ver-rückten Szenen laufen Dinge Amok: Vasen geraten in Ekstase, geometrische Formen krachen, von Geisterhand beschleunigt, in verdutzte Gesichter. Die Welt ist aus den Fugen. Mit diesen um Frühwerke ergänzten und von einer Bodenarbeit abgerundeten Schau setzt Kolumba den monografischen Schwerpunkt. Kraus räumt ein, dass man damit auch einer Kritik der anwesenden Anna Blume Rechnung trug, die einmal über die kümmerliche Präsenz des Künstlerpaars in einer Schau des Hauses klagte. Nun darf sie ihren luftigen Seiltanz zwischen Transzendenz und Nonsens, Heidegger und Dadaismus still genießen. Denn Vorträge lehnt sie ab: "Ich bin keine Theoretikerin oder Intellektuelle, sondern eine einfache Künstlerin." Von wegen! Eigentlich müsste man noch über die angedockten "Shopmovies" von Olaf Eggers und jene Lesenachmittage sprechen, die Ensemblemitglieder von Schauspiel Köln ab 26. 9. jeweils Samstags um 15 Uhr veranstalten. Doch halten wir lieber fest, dass Ausstellungen von Kolumba nicht nur Kunst zeigen, sondern selbst Kunstwerke sind.« (Hartmut Wilmes, Komplexe Kolumba-Jahresausstellung zum Thema Erzählen, in: Kölnische Rundschau, 15.9.2015)

»Überall wo Gebäude zerstört wurden, wird man wohl auch nach Verschütteten gesucht haben. Insofern ist die Trümmerlandschaft der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Kölner Kirche St. Kolumba schon ein sehr gut gewählter metaphorischer Ort, um Leos Janáceks Liederzyklus „Tagebuch eines Verschollenen“ szenisch aufzuführen, wie es die Kölner Oper jetzt im nur einen Steinwurf von der Oper am Offenbachplatz entfernten Diözesanmuseum Kolumba gewagt hat. Die von dem Architekten Peter Zumthor auf geniale Weise umbaute Ruinenlandschaft der Kirche wird zum Schauplatz einer Liebesgeschichte. Mit der Zeit vergisst man auf den Stehplätzen des langen Steges, der durch die Ausgrabungsstätte führt, sogar die zugige und kühle Umgebung. Im Anschluss wurde das Publikum von einem Geiger die Treppen hinauf zum Raum 13 geführt, einem großen Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst, wo Bernhard Leitners klingende Ton-Raum-Komposition „Serpentinata“ sich um eine kleine Bühne in der Raummitte schlängelt, die zum Spielort des zweiten Teils dieses Doppelabends wird, der für Gustav Holsts Kammeroper „Savitri“ reserviert ist. Großer Applaus für den Doppelabend, der dem Kolumba-Konzept vom „lebenden Museum“ eine spannende Facette hinzufügt.« (Bernhard Hartmann, Verloren in Trümmern, in: Kölnische Rundschau, 01.06.15)

»Der „hoffentlich) letzte neue Spielort dieses außerhäusigen Daseins bringt sie und ihr Team nicht nur wieder in Sichtweite der Oper, sondern ist ihr auch sehr vertraut: Kolumba, wo ihr „viele Kunstwerke ans Herz gewachsen sind und sie oft vor dem einen oder anderen steht und sich „ihre Gedanken macht“. Am Samstag feiert im Kunstmuseum des Erzbistums nun ein Doppelabend Premiere: Janáceks Liederzyklus „Tagesbuch eines Verschollenen“ und „Savitri“ von Gustav Holst. Von Anfang an war klar, dass der Liederzyklus in der Ausgrabungsstätte aufgeführt wird: „Es ist ein Ort, der zerstört wurde und wir haben die Ehre, ihn wieder mit Musiktheater zu beleben“. Während sich die 120 Zuschauer in der Ausgrabungsstätte über den Steg verteilen müssen, ist im Raum im zweiten Stock des Museums Platz für Bestuhlung. Und die raumgreifende Klang-Installation „Serpentinata“ von Bernhard Leitner, bestehend aus PVC-Schläuchen und Lautsprechern, ist nicht nur großartige Kulisse. „Die Komposition wird vor Beginn von Holsts Musik zu hören sein“, erklärt Kolumba-Direktor Stefan Kraus, der sich aber bei der Auswahl von Werk und Raum bewusst herausgehalten hat. Auch wenn ihr „manchmal der Atem stockt, dass jemand an eines der Kunstwerke stößt“, ist für Birgit Meyer schon jetzt sicher, dass es wieder Operninszenierungen in Kolumba geben wird. Eine Idee, die bei Direktor Stefan Kraus auf Gegenliebe stößt.« (Axel Hill, Endlich wieder in Sichtweite, in: Kölnische Rundschau, 28.05.15)

»Der zentrale Satz dieser neuen Jahresausstellung von Kolumba, dem wunderbaren Kunstmuseum des Erzbistums Köln von Peter Zumthor, steht auf einem unscheinbaren Buchdeckel: "Findet mich das Glück?" Eine federleichte Frage sei das, meint Museumschef Stefan Kraus, "die uns aber an einen philosophischen Abgrund führt." Das Künstlerduo Fischli/ Weiss hat 2002 diese Anthologie naiver und essentieller Fragen herausgebracht. Für Kolumba, wo das Büchlein in einer Vitrine mit Werken weiterer künstlerischer Querdenker liegt, bietet es Steilvorlagen für das Jahresprogramm. Die Reihe "Philosophisches Gespräch" wird sich durch den Fragendschungel des Künstlerduos hangeln und die aktuelle Schau beleuchtet den Begriff der Freude in der weltlich-bildenden und sakralen Kunst, sucht nach den Momenten des Spielerischen, der Fantasie und Kreativität. | Kolumba leistet sich den seltenen Luxus, mit einem großen Thema ins Ausstellungsjahr zu gehen und zwölf Monate lang gemeinsam mit dem Besucher die exzellente eigene Sammlung zu befragen. "Denken", "Noli me tangiere", "Kunst und Liturgie", Zeigen, verhüllen, verbergen. Schrein" waren die Titel der letzten Jahre. Die neue Schau folgt dem Motto "Playing by heart", was übersetzt auswendig spielen bedeutet, im Sinne des Wortes aber etwas mit Herz zu tun hat und mit leidenschaftlicher Aneignung. | Es geht um die Schönheit der Natur und die Freude an Farbe und Klang, um die Welt der Märchen und Träume, der Fabelwesen und Wanderer zwischen den Welten. Der in diesen Wänden – der sakralen Kunst geschuldet – sonst dominante Passionsgedanke bleibt aussen vor, was nicht bedeutet, dass hier nur die heile Augenlust regiert. Erstmals klingt sich Kolumba spürbar in ein kirchenpolitisches Thema ein. Das Kölner Museum eröffnet den bundesweiten Veranstaltungsreigen, den die Deutsche Bischofskonferenz dem vor 50 Jahren beendeten Zweiten Vatikanischen Konzil widmet, dessen Abschlussdokument mit "Gaudium et Spes", Freude und Hoffnung überschrieben ist. Beides begegnet dem Betrachter der Ausstellung. Naive Andachtsbildchen von Anton Wierix aus der Zeit der Gegenreformation zeigen Jesus als emsigen Gärtner, der sich Zugang zu unseren Herzen verschafft. Teufel und Frau Welt belagern das Herz bis das göttliche Kind anklopfte und Licht hineinbrachte. Eine herzige Geschichte in Bildern. Ganz unsakral eine Wand, die sich der Natur von ihrer umspektakulären Seite nähert: Blätter von Joseph Beuys und Leiko Ikemura bis Andor Weininger und Paul Thek widmen sich Sträuchern und Unkraut, Insekten und kleinen Tieren. Es lohnt sich, diesen Zeichnungsdschungel zu durchstreifen. Auch Richard Tuttles gezeichnetes Reisetagebuch nebenan überzeugt. Die pure Lust an der Inszenierung beflügelte Manos Tsangaris zu seiner "Licht- und Luftmaschine", einer kleinen Bühne, die im abgedunkelten Armarium pfeift, jault und Lichtspiele veranstaltet. Hat nicht auch der gegenüber stehende mittelrheinische Hausaltar (um 1440) mit einer Verkündigungsszene etwas Bühnenhaftes, Theatralisches? Kolumba ist bekannt für raffinierte Gegenüberstellungen. Diese ist besonders geglückt. Woanders in der Ausstellung trifft Lochers "Madonna mit dem Veilchen" auf eine Kette mit gefalteten Metallelementen von Annamaria Zanella – die das Drama afrikanischer Schiffsflüchtlinge thematisiert. Der Siegburger Annoschrein (um 1183) wetteifert in seinem Goldglanz mit der strahlenden Wand von Jannis Kounellis. Michael Buthes düstere documenta-Installation "Die heilige Nacht Der Jungfräulichkeit" findet in einer Sammlung südamerikanischer Gnadenbilder ihre Dialogpartie. | Dem vor 20 Jahren gestorbenen Buthe, dem großen Märchenerzähler und für seine Farbexplosionen geliebten Maler ist ein Schwerpunkt mit exzellenten Arbeiten gewidmet. Sein "Wanderer", das dicke, vollgemalte Tagebuch 1979 bis 81 und sein fast sechs Meter breites expressives gelb-blau-rot-grünes Materialbild lohnen allein schon den Besuch der Schau. Aber es gibt weitere Entdeckungen. Der Kölner Bildhauer Heinz Breloh ist mit seinen organischen Terrakotta-Figuren sehr gut vertreten, der Maler Peter Tollens zeigt, wie sich in 20 Jahren seine Einstellung zur Farbe rot und zur Malerei gewandelt hat, und Bernhard Leitner schickt mit seiner akustischen Schlauch-Skulptur "Serpentinata" einen Klang auf Reisen. Freude und Hoffnung, das beflügelt hier Künstler wie Besucher.« (Thomas Kliemann, Findet mich das Glück? Das Kölner Museum Kolumba stellt in seiner Jahresausstellung die entscheidenden Fragen, in: Kölnische Rundschau, 13.9.2014, S.12)

»Das Kolumba Museum des Erzbistums Köln ist von Kunstkritikern zum "Museum des Jahres 2013" gekürt worden. Eine echte Überraschung ist die Kür des Kolumba nicht. Längst war die Ehrung des Museums durch die Kunstkritiker überfällig. Wer sich für einen breiten Kunst- und Kulturbegriff, aufregende Konzepte und attraktive Architektur interessiert, hatte Kolumba schon bald nach der Eröffnung im September 2007 auf der imaginären Bestenliste der Museen. Dass die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes sich nun Kolumba aus der riesigen deutschen Museumslandschaft herausgepickt hat, bestätigt die Kenner und Liebhaber großartiger Ideen, Entwürfe und Realisierungen. Um dem Glanz von Kolumba gerecht zu werden, könnte man bei der Architektur des genialen Schweizer Architekten und Pritzker-Preisträgers des Jahres 2009, Peter Zumthor, beginnen. Der hatte für seinen Bau nicht nur einen komplizierten innerstädtischen Baugrundriss in der Kölner City zu bewältigen, sondern als Hypothek quasi im Keller auch noch die Überreste der spätgotischen Kirche St. Kolumba und Gottfried Böhms Kapelle "Madonna in den Trümmern". Zumthor hat diese historischen Bauten und Reste meisterhaft und mit einer ungeheuren Sensibilität für Materialien und Räume integriert. Diese Museumsarchitektur verknüpft Erlebnisqualität - bei der das Licht und die Proportionen entscheidende Rollen übernehmen - mit einer heute eher seltenen anzutreffenden architektonischen Demut, die das gebaute Museum als Hülle für die bildende Kunst versteht. Hier sind wir bei der Sammlung angelangt, die, was Qualität und Breite angeht, ihresgleichen sucht: Von der sakralen Skulptur bis zu Malerei der Gotik und zum 19. Jahrhundert, von mutig gesammelten Zeitgenossen bis zum Design reicht das Spektrum. Ein Fundus, aus dem heraus das Kolumba- Team erstaunliche Ausstellungen konzipiert hat, die Brücken zwischen sakraler und profaner, alter und neuer, erhabener und angewandter Kunst bauen. Belohnt wird mit dem Titel "Museum des Jahres" nicht zuletzt der Mut zu Themen wie das der aktuellen Jahresschau: Schrein. Da geht es um den Reiz des Verborgenen, die Ästhetik des Unsichtbaren, schließlich um eine auch jenseits des Religiösen liegende Spiritualität. Mitten im Kölner City-Trubel bietet sich Kolumba als Oase dafür an.« (Thomas Kliemann, Ehrung des Kolumba war längst überfällig, Kölnische Rundschau, 19.11.2013)

»Peter Zumthors noble Hülle für das Kunstmuseum des Erzbistums Köln wurde schon mit der "Großen Nike" des BDA oder dem Architekturpreis NRW belohnt. Gestern kürte die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikerverbands nun Kolumba zum "Museum des Jahres". Gerühmt wird der Dreiklang aus "hervorragender Architektur", "qualitätvoller Sammlung" und einer Ausstellungspolitik zugunsten von Künstlern, "die gemeinhin nur wenig Medieninteresse gewinnen". Museumsdirektor Stefan Kraus sieht die Auszeichnung "als unglaublich schöne Anerkennung für das gesamte Team, die wir sehr gern entgegennehmen - zumal wir damit überhaupt nicht gerechnet hatten". Kraus findet so auch sein Credo bestätigt, "dass die Museen viel stärker als bisher ihre Chance im Spezifischen suchen müssen". Da Kolumba mit Jahresausstellungen arbeitet, liegt die Messlatte hoch. "Das lag sie aber auch schon in den 90er Jahren, als wir zunächst die Notwendigkeit nachweisen wollten, über einen Neubau nachzudenken". Aus dem Ärmel wird hier nichts geschüttelt. "Wir lassen uns Zeit mit dem Entwickeln der Inhalte, und irgendwann merken wir schon, dass wir so ganz falsch nicht liegen. Aber entscheidend für das Gelingen einer Ausstellung sind jene zwei Wochen, wenn wir hier das Ganze mit vorbereiteten Werken inszenieren. Dann zeigt sich, ob wir eine ästhetische Dichten hinbekommen." Für die aktuelle Schau habe man mit dem Modell des Annoschreins geprobt, "ob dieser zentrale Raum überhaupt funktioniert". Aber Kraus nimmt das "Labor Kolumba" ernst: "Wenn wir nach einem Vierteljahr sähen, dass bestimmte Räume nicht tragen, würden wir das ändern." Was man übrigens in einem Fall schon getan hat... Zumthors Hülle sei für dieses Konzept wichtig, "andererseits stellt uns diese starke Architektur immer auch die Aufgabe, mit diesen Räumen richtig zu arbeiten." Kraus empfindet es gegenüber anderen Museen durchaus als Privileg, "dass wir die Chance hatten, intensiv mit dem Architekten zusammenzuarbeiten. Und die haben wir bis hin zu den Vitrinen genutzt". Von der Akzeptanz des Museums sei man überrascht, "da wir ja bewusst Beschriftungen und Kopfhörerführungen verweigern". Anfangs glaubte man, so "vielleicht 60 Prozent der Besucher erreichen zu können". Heute nimmt Stefan Kraus an, "dass von 100 Besuchern 95 beim Verlassen des Hauses sagen: Ich komme bald wieder vorbei". Was auch daran liegt, dass der kirchliche Träger "uns die nötige Freiheit für unser Konzept lässt". (Hartmut Wilmes, Kolumba in Köln ist Museum des Jahres, Kölnische Rundschau, 19.11.2013)

»Stefan Lochners "Madonna mit dem Veilchen" hat einen seltsamen Nachbarn bekommen: Schräg gegenüber hängt in ebenso markantem Hochformat ein Epitaph mit Jesus als Schmerzensmann, durch dessen Wundmale an den Füßen Weinrebe und Weizentrieb wachsen. Dieses bizarre Bild sollte die im Spätmittelalter zunehmend bezweifelte Transsubstantiationslehre beglaubigen. Danach behalten Brot und Wein im Moment der Wandlung zwar ihre äußere Form, werden tatsächlich aber zu Leib und Blut Christi. Diese Glaubensgewissheit besteht "trotz Natur und Augenschein", wie Thomas von Aquin konstatierte - ein Satz, den die aktuelle Schau im Diözesanmuseum als Titel nutzt. Sie begleitet den Eucharistischen Kongress, wobei Kunsthistorikerin Ulrike Surmann zwei Jahre lang "das theologisch verminte Gebiet" erforschte. Ihre mit rund 60 Exponaten (davon 38 hochkarätige Leihgaben) bestückte Ausstellung misst das komplexe Thema aus und fügt sich nahtlos ins intelligente Kolumba-Konzept. Das Zeitraster der Eucharistie-Schau endet im frühen 16. Jahrhundert. Ein Bild wie "Christus in der Kelter" (1510), in der sich Blut und Wein mischen, drückt keineswegs zimperlich die physische Realität der Wandlung aus. Auf anderen Tafeln ergießt sich das Blut der Lanzenwunde direkt in den Kelch. Die ältesten Exponate stammen aus dem 9. Jahrhundert, als das Bildverbot langsam bröckelte. Wobei Illustrationen anfangs oft Gebrauchsweisungen waren. Etwa im Raganaldus-Sakramentar aus Tours (844/45), das die Texte des Priesters für die Messe auflistet und die kirchliche Hierarchie visualisiert. "Ein solches Stück bekommen Sie nicht per E-Mail", erklärt Surmann. Empfehlungsbriefe des Kardinals sowie Sicherheitszusagen (klimatisierte, schadstofffreie und alarmgesicherte Panzerglasvitrine) waren auch nötig, um vom British Museum - "einer der härtesten Leihgeber der Welt" - eine Elfenbeintafel mit Szenen aus der Jugend Jesu zu erhalten. Das Entree gleicht mit den unter Glas aufgeschlagenen Schriften einer kostbaren Bibliothek. Spektakulär: Die Mettener Armenbibel, die den Moment der Wandlung opulent inszeniert. Der Himmel öffnet sich und offenbart den Auferstandenen, dessen Fußwunden den Weinkelch füllen und die Hostien benetzen. Prachtvoll vertreten sind auch die liturgischen Instrumente: goldene Monstranzen, Kelche und Vortragekreuze in filigraner Handwerkskunst. Vor allem aber glückt die Einbettung dieser Sonderschau in die Paul Thek gewidmete Jahresausstellung "Art is Liturgy". Etwa in Raum 13: Die prachtvolle Monstranz der Pfarrei St. Kolumba behauptet das Zentrum, zwei halbrund gebogene Epitaphe aus dem Erfurter Dom schmücken die Wände, und wie ein moderner Kommentar wirkt Theks drastisch-poetisches "Meatpiece with Butterflys". Auch wenn Kounellis' goldene Wand den Ablasstafeln des Mittelalters begegnet, funktioniert diese Verzahnung frappierend. Man sieht: Kunst ist Liturgie, kann aber mit gleichem Recht sagen: Liturgie ist Kunst. Wobei das Katalogbuch über seine erstklassigen Fotos und die kunsthistorischen Essays kühn hinausgreift. Johannes Schröer (Domradio) animierte Lyriker und Prosa-Autoren, ohne jede Vorgabe zum Thema Eucharistie zu schreiben. Das Ergebnis: höchst anregende, originelle Texte von Ulla Hahn, Norbert Scheuer, Arnold Stadler, Navid Kermani, Norbert Hummelt und Anna Katharina Hahn.« (Hartmut Wilmes, Wenn sich Blut und Wein mischen. Exquisite Kolumba-Ausstellung zum Thema Eucharistie, Kölnische Rundschau, 30. Mai 2013, S.9)

»Der Kampf des Mannes gegen den kleinen weißen Quader scheint aussichtslos zu sein: Er wendet ihn, dreht ihn, versucht ihn schließlich zu verschlingen. Hektisch verwackelte Fotos dokumentieren das verzweifelte Ringen von Bernhard Johannes Blume mit dem Artefakt. Was der unlängst verstorbene Querdenker damit sagen wollte? Präzise formuliert er es in der Bilderstrecke. Damit's auch jeder begreift steht daneben: "Die reine Vernunft ist als reine Vernunft ungenießbar." Das Kölner Museum Kolumba hat Blumes kleine Arbeit gleich an den Anfang der neuen Ausstellung ins Treppenhaus gehängt: Sie soll zeigen, dass "denken", so der Titel der Schau, nicht bierernst sein muss. Einer schönen Tradition folgend schließt das Museum Anfang September zwei Wochen, um sich anschließen neu sortiert, verwandelt zu präsentieren. Das Motto der inzwischen 5. Verwandlung heißt also "denken". Das Thema wird in allen erdenklichen Facetten durchdekliniert, wobei gleich zu Beginn Monika Bartholomé im Video eine für Künstler fundamentale Frage stellt. Da zeichnet eine Hand. Folgt sie dem Denken oder befördert sie das Denken? Oder verarbeitet sie Wahrgenommenes parallel mit dem Denken? In einem grandiosen Parcours wühlt sich Kolumba ins Thema hinein, geht mit einem Zyklus von Rune Mields unter dem Oberbegriff "Steinzeitgeometrie" zu den Ursprüngen der Zeichen zurück, um sich dann dem weiten Feld christlicher Symbolik zu nähern und schließlich zu Zeichen-Systemen zu gelangen, die die Welt erklären. Eindrucksvolles Beispiel ist der aus Fragmenten bestehende Schmuckfußboden aus St. Pankratius in Oberpleis (13. Jahrhundert), der dem Menschen seinen Platz im christlich-antiken Kosmos zuweist. Nicht weit davon erzählt ein Blockbuch aus dem 15. Jahrhundert, das durch die Sammlung Renate König ins Haus kam, von der Kunst des Erinnerns. Hoch komplizierte Piktogramme erläutern in diesem Buch über die Kunst des Erinnerns, von dem nur noch zwei Exemplare auf der Welt existieren, Zusammenhänge der Evangelien. Ein hundert Jahre später gemaltes Werk führt die "Arma Christi", die Leidenswerkzeuge der Passion, in authentischer Größe vor. Kolumba bietet faszinierende Denkräume wie den Südturm, der das Personal aus einem prächtigen Heilig-Geist-Altar aus der Mitte des 15. Jahrhunderts mit Bernhard Leitners "RaumReflexion" (2010) konfrontiert, die mittels Parabolschüsseln Klänge in den Raum schießt und gleichsam in der Luft zerplatzen lässt. Es gibt auch Denktische: Der Komponist Manos Tsangaris wird seinen "Implodierenden Schreibtisch" während der gesamten Ausstellungsdauer mit Material bespielen, Kolumba-Architekt Peter Zumthor zeigt auf einem anderen Tisch Skizzen zur Raumabfolge des in diesem Jahr mit den NRW-Architekturpreis ausgezeichneten Hauses. Er behandelt Räume wie Skulpturen, spielt mit ihnen, lädt sie durch Farbe emotional auf. Nichts anderes tut das Team von Kolumba mit seinen Ausstellungen. Brillant gelungen ist die Platzierung von Dieter Kriegs sechsteiligem Zyklus mit Riesenformaten, die mit großer Geste leere Weingläser zeigen und "In der Leere ist ist nichts" Wort für Wort aufscheinen lassen. Wird hier - stotternd - die Leere hinterfragt, arbeitet ein anderer Raum mit der Fülle der Eindrücke. Jannis Kounellis' "Bürgerliche Tragödie" mit Blattgoldwand, Öllampe und Garderobenständer bietet den Hintergrund für ein Feld von Altärchen und Devotionalien, die die private Frömmigkeit beleuchten. Von Konrad Klaphecks "Kleinem Liebesglück" über John Cages wunderbare Werkgruppe "Über die Oberfläche" bis zur "Bibliothek im Eis" von Lutz Fritsch und Farbspielen von Peter Tollens reicht das Spektrum. Was das mit "denken" zu tun hat? Darüber kann man in Kolumba schön nachdenken.« (Thomas Klieman, Reine Vernunft ist ungenießbar, Kölnische-Rundschau, 15.9.2011)

»Wer immer mit dem kleinen Heftchen in der Hand durch die unbeschrifteten Ausstellungen in Kolumba geht, verlässt sich – und das ist gewollt – zunächst ganz auf sein Auge. Ohne die Informationen auf den Etiketten kanalisiert zu sein, muss er selbst überlegen, welche Kunstrichtung, welche Zeit, welcher Künstler oder Stil das einzelne Kunstwerk bestimmt. Dann kann er freilich nachschlagen in den kleinen Begleitheft. Mit den Buntstiftzeichnungen von Philipp Wewerka wird das Spiel mit dem Sich-Entziehenden noch einen Schritt weiter getrieben, obwohl diesmal sogar ein schönes, buntes Begleitheft vorliegt. ... Es ist eine kindliche Welt, di in ihrer Starre geheimnisvoll verschlossen bleibt ... Als ob es in Tiefenschichten eine geheimnisvolle Verbindung gäbe. Und so passen die rund 20 Zeichnungen sicht in besonderer Weise in den großen Rahmen der gegenwärtigen Ausstellung 'Noli me tangere'.« (Heidrun Wirth, Verschlossene Buntstift-Welt. Kolumba zeigt die Studioausstellung 'Taurus' von Philipp Wewerka, Kölnische Rundschau, 9.6.2011, S.19)

»Manches bleibt (die rote Lochner-Madonna), manches ist radikal verändert (eine Wunderkammer, mit Vitrinen gefüllte Räume), manches gewinnt nur eben neue Bedeutung (Eisenplastik von Richard Serra). Die helle Zumthor-Architektur in Kolumba umfasst diese Kunst so ganzheitlich wie der Kölner Dom den Reliquienschrein der Heiligen Drei Könige. "Noli me tangere", das "Rühr-mich-nicht-an" aus dem Johannes-Evangelium, trägt weit durch die Kunst, die zwei Jahrtausende durchstreift, wenn wir das kleine römische Frauenköpfchen aus blauem Lapislazuli hinzunehmen, das in ein romanisches goldenes Kruzifix (Herimann- und Idakreuz) eingearbeitet wurde.
Berührung und Berührungsängste gab es damals nicht und scheint es auch heute nicht in Kolumba zu geben, wenn die verschiedensten Epochen der Kunst- und Religionsgeschichte lustvoll und mit hoher sinnlicher Präsenz gegeneinander antreten. Ob es eingangs die römisch-christlichen Ausgrabungen sind, die begleitet werden von einer Klanginstallation der "Tauben von Kolumba" (Bill Fontana), oder ob ganz oben als Endpunkt ein majestätisch einsames romanisches Holzkruzifix hängt in Kontrast zu einem bizarr-kitschig manierierten Sammelsurium von Toten-und anderen Köpfen, gesammelt von der kürzlich verstorbenen Krimhild Becker (1940-2010), die sich auch durch ihre fotografischen Arbeiten einen Namen gemacht hat. "Wie begegnen wir Krankheit und Tod? Auch das ist ja ein Noli me tangere", meint Stefan Kraus, der die Berührungen des Menschlichen und allzu Menschlichen (Jürgen Klauke oder Paul Thek mit seinem wund liegenden "Fishman" aus Latex) mit den sich entziehenden Berührungen durch eine spirituelle, mystische Kunst (die Goldwand von Kounellis, die Monochromien von Joseph Marioni) immer weiter treibt. Der Besucher aber geht mit einem Heftchen an den etikettenlosen Exponaten vorbei, und manchmal wird er schmunzeln, wenn er Reliquienmonstranzen neben gläsernen Ziervasen und Zierpokalen aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts antrifft oder wenn Kleinstskulpturen aus spitzen Binsenhalmen (Bethan Huws) mit Bergkristall und Perlen in sakralen Gold-und Silberschmiedearbeiten konkurrieren. Das Wunderbare: die simplen Materialien, ins rechte Licht gesetzt im Armarium, der eigentlichen "Schatzkammer" in Kolumba, können sich durchaus behaupten, und wer an Franziskus von Assisi denkt, liegt sicher auch nicht falsch. Wunderbar aber ist etwa der zwischen zwei hohe schlichte Eisenplatten eingespannte Schall und Klang mit dem Titel "pulsierende Stille", 2007, vom documenta- und biennaleerfahrenen Tanz- und Bewegungskünstler Bernard Leitner geschaffen. Sind es die einzelnen, extrem sparsam gehängten Exponate oder ist es eben diese kontrastreich provokative Präsentation, wo die Gegensätze doch immer wieder in einer unerwarteten Synthese aufgehoben werden? Sicher ist es auch das Gebäude, das immer wieder neu erscheint, sobald man den asketisch anmutenden "Pilgerweg" über die hellen Treppen zurückgelegt hat. Und wenn man von dem Panoramafenster aus zum Dom blickt, wird der ohne weiteres als weiteres Kunstwerk einbezogen, als hätten ihn die Kolumba-Macher extra auch noch dorthin gestellt.« (Heidrun Wirth, Bloß keine Berührungsängste, Kölnische Rundschau, 15.9.2010)

»Zum drittenmal haben Kraus und sein Kuratorenteam in Peter Zumthors asketisch-noblem Bau thematische Wechselspiele zwischen alter und zeitgenössischer Kunst inszeniert, die diesmal um Erinnerung und den Umgang mit dem historischen Erbe kreisen. „Kolumba will eine Reibungsfläche sein“, versichert Kraus, dem gleichwohl eine schlüssige Präsentation von hoher sinnlicher Qualität gelungen ist.… Die Pracht liturgischer Gewänder aus dem Besitz von Kardinal Frings, die frei im Raum platziert sind, kommt in raffinierter Ausleuchtung zur Geltung. Den Kontrast bieten Duane Michals Fotosequenz „Ein Versprechen an Gott“, nie gezeigte Modezeichnungen des jungen Paul Thek aus den 50er Jahren und zwei großformatige Fotos, die einen verzweifelt agierenden Jürgen Klauke in der Serie „Desaströses Ich“ zeigen. Beziehungsspielen vielfältiger Art begegnet man auch in den Sälen und Kabinetten der zweiten Etage. Dabei wird darauf geachtet, dass es in dem Parcours auch sparsam bestückte „Denkräume“ gibt, in denen Besucher Kraft schöpfen können. Schier überbordend ist nämlich die Fülle der Eindrücke, die Felix Droese mit "Der Grafenberg" auslöst; mehrere hundert Arbeiten, die er während seiner Zivildienstzeit im Landeskrankenhaus Düsseldorf-Grafenberg zusammengetragen hat. Kolumba präsentiert die Zeichnungen und Malereien, Medikamentenpackungen, persönlichen Notizen, Briefe, Fotos und andere Dinge mehr in eigens angefertigten Vitrinen, die auf einem Ensemble gebrauchter Tische ausgelegt sind. Was da an Schicksalen ausgebreitet ist, geht unter die Haut. Ruhe und Kontemplation bietet da der Anblick einer Ecce-Homo-Darstellung von Anfang des 16. Jahrhunderts. Zu den Konstanten gehört Stefan Lochners „Madonna mit dem Veilchen“, diesmal in Gegenüberstellung zu atelierfrischen Arbeiten von Bärbel Messmann. Eine sichere Hand bewiesen die Kuratoren bei der Bespielung des hohen Nordturmes, wo man die Blicke schweifen lassen kann zwischen einem Kruzifix von 1150, Joseph Beuys' Munitionskiste mit Fichtenstamm und Kurt Bennings Fotonegativ im Leuchtkasten, das den Vater zeigt, den er nicht kannte. Am dichtesten bestückt ist das Ostkabinett, wo der Ausstellungstitel so leicht fasslich wird, dass sich Erklärungen erübrigen. Ein Haufen alter Staubsauger und zahlreiche Gegenstände privaten Gebrauchs, Brillen, Schreibzeug, Besteck, Gebetbücher, die in Vitrinen aufgereiht sind, korrespondieren perfekt mit Kurt Bennings titelgebender Video-Arbeit. „Erinnerungsfähige Räume“ wollen die Kolumba-Kuratoren schaffen. Dem Andenken dienen auch Herbert Falkens „Asphaltfotos“, die man wie ein Andachtsbildchen mit nach Hause nehmen darf.« (Hanna Styrie, Schicksal der Staubsauger, Kölnische Rundschau, 13.9.2009)

»An einen Gottesdienst und den Empfang des Erzbischofs schließt sich am Nachmittag die 'Akademie zum Aschermittwoch‘ an, die diesmal unter dem Thema 'Der ästhetische Augenblick – Versuch über die Sprachlosigkeit' stand. Referent Stefan Kraus, der Direktor von Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, widmete sich darin jenem kurzen ersten Moment in der Begegnung mit Kunst, der den Betrachter ganz unmittelbar bewegen, ergreifen oder erschüttern kann.'Nirgends sind sich Künstler und Betrachter näher als in den Sekunden der reinen Erkenntnis', meint der Leiter von Kolumba, für den Intuition und Emotionalität in der Erfahrung eines Kunstwerks eine weit größere Rolle spielen als die Aneignung durch eine kunstwissenschaftliche Vermittlung.« (Hanna Styrie, Intimer Moment vor dem Werk, Kölnische Rundschau, 26.2.09)

»…Einmal jährlich, mit einem festritualisierten Paukenschlag Mitte September, soll ein neuer Zugriff auf den reichen Fundus die Besucher staunen lassen. Spannung aufzubauen zwischen ästhetischen Formen, die aufs erste völlig disparat erscheinen, auf den zweiten Blick aber seltsam gut miteinander harmonieren, das ist das Kolumba-Prinzip. So schmunzelt man über die Reihen gleichmäßig transluzider Trinkgläser (Malerei von Peter Dreher), die der wilden Kugelbahn gegenüber hängen. … Mystisch taucht aus dem Dunkel eine Maria mit dem Einhorn auf einer Nonnenstickerei aus dem 14. / 15. Jahrhundert auf, die eine Treibjagd darstellt, nicht weit davon naive Tierfiguren von Erich Boedeker, ähnlich den ägyptischen Begleitern ins Totenreich. Warum sollte das Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert damit nicht korrespondieren? Und natürlich glitzert und funkelt dann wie gehabt der Kirchenschatz von St. Kolumba. … Und wenn schon alles mit allem korrespondiert, so sind es diesmal die zittrigen Regenstreifen auf dem Panoramafenster, die im Raum 10 die zart vergehenden Bildgitter des in Köln lebenden Malers Heiner Binding aufnehmen. In diesem Raum, der das ehemalige „Schaufenster“ vom Roncalliplatz weiterführt, wird sogar vierteljährlich gewechselt. … Doch zunächst geht es nun darum, die Augen sehen zu lehren, „dass das Leben wie eine Schale mit Kirschen“ ist auf einer Zeichnung von Paul Thek und dass diese Gefäße wie aus dem Nichts heraus greifbar werden in den edlen Schalen von Phil Sims. Dass Karl Burgeff sein Licht durch (gezeichnete) Blattformen schickt und dass das Licht der Renaissance unmittelbar daneben auf die naturalistische Pflanzenminiatur im Stundenbuch der Dona Isabel (um 1510) fällt. Dem Direktor Stefan Kraus und seinem Team geht es darum, „Räume zu schaffen, an die man sich erinnert“. Glaubwürdig.« (Heidrun Wirth, Kolumba schiebt jetzt eine laute Kugel, KR, 13.9.2008)

»'Für ein Haus zu sprechen, in dem man Schönheit erfahren kann', das versetzt Stefan Kraus in jene gehobene Gemütslage, die der neue Direktor von Kolumba auch an den Besuchern beobachten kann: 'Heiterkeit, Gelassenheit, Nachdenklichkeit' liest der 47jährige aus vielen Gesichtern. Diese seelische Resonanz von Kunst ist ihm wichtiger als die Zahl von 100.000 Gästen, die seit Eröffnung Mitte September 2007 das neue Haus besichtigt haben. Im Diözesanmuseum ticken die Uhren eben anders als in kommunalen Institutionen, wo eine Hausberufung die Ausnahme ist. Für Kolumba dagegen verstand es sich beinahe von selbst, dass am 1. Mai der langjährige Kurator Stefan Kraus die Nachfolge von Joachim M. Plotzek (65) antritt, der gestern in den Ruhestand verabschiedet wurde. Kraus bürge für 'Kontinuität, Qualität und die Identität des Hauses, das auch den christlichen Glauben bezeuge, so erklärte Generalvikar Dominik Schwaderlapp beim Pressegespräch.« (Annette Schröder, Was bleibt ist Heiterkeit. Stefan Kraus stellte sich als Direktor von Kolumba vor, Kölnische Rundschau, 23.4.2008)

»In der Tat bildet diese 'Bürgerliche Tragödie' mit den übrigen Exponaten im Nordkabinett von Kolumba ein Kraftfeld: mit dem Hausaltärchen von 1440, das vom Einbruch des Göttlichen ins bürgerliche Alltagsleben kündet. Mit Konrad Klaphecks Nähmaschinen-Bild, das als melancholische Verteidigung des Humanen in virtuell überdrehten Zeiten verstanden werden kann. Und mit Vasen und Kannen aus der Sammlung Schriefers, die in ihrer Formschönheit über die profane Funktion hinausweisen.« (Annette Schroeder, Kunst zwischen Himmel und Erde gespannt, Kölnische Rundschau, 26.9.2007, S.9)
 

 
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»Die erste Warnung liegt auf dem Foyerboden: Zwei ölverschmierte Seevögel reisen in einer Glaskiste per Floß ins Totenreich, wobei ein Hanfseil wie eine Nabelschnur zu einem Glaskolben voll reinen Wassers führt. "Keine Kunst aber Tatsachen", nannte Felix Droese sein ökologisches Memento mori. So komplex und beklemmend ist (fast) die ganze Kolumba-Jahresschau, die unter dem Titel "Der rote Faden" Strategien des Erzählens in der bildenden Kunst erforscht. Als Keimzelle des Konzepts nennt Direktor Stefan Kraus die Chance, einen 20-teiligen Bildzyklus mit der Legende des heiligen Severin während der Sanierung der gleichnamigen Kölner Kirche als Leihgabe zu bekommen. Die Bilder des Meisters der Ursulalegende (um 1500) mäandern nun durchs lichte zweite Obergeschoss, zeigen Severin als Heiler der Verkrüppelten oder gar beim Erwecken eines Toten in auftrumpfender Erlöserrolle. Sieht man hier episch-ausschmückendes Erzählen, so verdichtet ein neu erworbenes Hauptwerk des Hauses ein vielschichtiges Drama in einem Motiv: Die oberrheinische Holzskulptur "Christus in der Rast" (um 1480) zeigt einen traurig-versonnenen Schmerzensmann und wirkt wie ein Requiem vor dem Tod. In der Passionsgeschichte Jesu (mit kostbarsten Stücken im "Armarium" erzählt) liegt der motivische Kern der Ausstellung - von hier aus wird mit blutigem Erzählfaden das weite Feld kreatürlichen Leidens vermessen. So beschwört Marcel Odenbachs lange nicht gezeigte Videoinstallation "In stillen Teichen lauern Krokodile" den Völkermord in Ruanda. Mit Szenen von Amok und Leichen, aber vor allem mit der Pogromhetze der Hutu gegen die Tutsi. Gleich um die Ecke scheint ein titelloses Keith-Haring-Bild genau diese Art von Keulenschlag-Propaganda zu zeigen. Solche blitzgescheit ausgelösten Assoziationen sieht man hier oft. Zwar lehnt Michael Buthes "Wanderer" inmitten des Severins-Zyklus ermattet an der Wand, doch längst begnügt sich Kolumba nicht mehr damit, alte und neue Kunst zu konfrontieren. Dafür sieht man Otto Dix' selten komplett gezeigten Grafik-Zyklus "Der Krieg", der in 50 Momentaufnahmen zerfetzte Soldatenkörper, Pferdekadaver oder Luftkriegspanik zeigt. Meditativer, aber ebenso eindringlich: Rebecca Horns "Berlin Earthbound", jene Installation mit "vogelfreiem" Koffer, in dem der rote Faden zum Davidstern wird. Daneben Kurt Bennings letztes Foto seines 1945 gefallenen Vaters, als Negativ im Leuchtkasten zum gespenstischen Zeitzeugnis vergrößert. Erst ganz oben, im Südturm, löst sich die Klammer der düsteren Themen. Hier inszeniert Anna Blume jene Fotoarbeiten, die sie mit ihrem 2011 gestorbenen Ehemann Bernhard Johannes schuf, fast wie einen Flügelaltar. In diesen ver-rückten Szenen laufen Dinge Amok: Vasen geraten in Ekstase, geometrische Formen krachen, von Geisterhand beschleunigt, in verdutzte Gesichter. Die Welt ist aus den Fugen. Mit diesen um Frühwerke ergänzten und von einer Bodenarbeit abgerundeten Schau setzt Kolumba den monografischen Schwerpunkt. Kraus räumt ein, dass man damit auch einer Kritik der anwesenden Anna Blume Rechnung trug, die einmal über die kümmerliche Präsenz des Künstlerpaars in einer Schau des Hauses klagte. Nun darf sie ihren luftigen Seiltanz zwischen Transzendenz und Nonsens, Heidegger und Dadaismus still genießen. Denn Vorträge lehnt sie ab: "Ich bin keine Theoretikerin oder Intellektuelle, sondern eine einfache Künstlerin." Von wegen! Eigentlich müsste man noch über die angedockten "Shopmovies" von Olaf Eggers und jene Lesenachmittage sprechen, die Ensemblemitglieder von Schauspiel Köln ab 26. 9. jeweils Samstags um 15 Uhr veranstalten. Doch halten wir lieber fest, dass Ausstellungen von Kolumba nicht nur Kunst zeigen, sondern selbst Kunstwerke sind.« (Hartmut Wilmes, Komplexe Kolumba-Jahresausstellung zum Thema Erzählen, in: Kölnische Rundschau, 15.9.2015)

»Überall wo Gebäude zerstört wurden, wird man wohl auch nach Verschütteten gesucht haben. Insofern ist die Trümmerlandschaft der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Kölner Kirche St. Kolumba schon ein sehr gut gewählter metaphorischer Ort, um Leos Janáceks Liederzyklus „Tagebuch eines Verschollenen“ szenisch aufzuführen, wie es die Kölner Oper jetzt im nur einen Steinwurf von der Oper am Offenbachplatz entfernten Diözesanmuseum Kolumba gewagt hat. Die von dem Architekten Peter Zumthor auf geniale Weise umbaute Ruinenlandschaft der Kirche wird zum Schauplatz einer Liebesgeschichte. Mit der Zeit vergisst man auf den Stehplätzen des langen Steges, der durch die Ausgrabungsstätte führt, sogar die zugige und kühle Umgebung. Im Anschluss wurde das Publikum von einem Geiger die Treppen hinauf zum Raum 13 geführt, einem großen Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst, wo Bernhard Leitners klingende Ton-Raum-Komposition „Serpentinata“ sich um eine kleine Bühne in der Raummitte schlängelt, die zum Spielort des zweiten Teils dieses Doppelabends wird, der für Gustav Holsts Kammeroper „Savitri“ reserviert ist. Großer Applaus für den Doppelabend, der dem Kolumba-Konzept vom „lebenden Museum“ eine spannende Facette hinzufügt.« (Bernhard Hartmann, Verloren in Trümmern, in: Kölnische Rundschau, 01.06.15)

»Der „hoffentlich) letzte neue Spielort dieses außerhäusigen Daseins bringt sie und ihr Team nicht nur wieder in Sichtweite der Oper, sondern ist ihr auch sehr vertraut: Kolumba, wo ihr „viele Kunstwerke ans Herz gewachsen sind und sie oft vor dem einen oder anderen steht und sich „ihre Gedanken macht“. Am Samstag feiert im Kunstmuseum des Erzbistums nun ein Doppelabend Premiere: Janáceks Liederzyklus „Tagesbuch eines Verschollenen“ und „Savitri“ von Gustav Holst. Von Anfang an war klar, dass der Liederzyklus in der Ausgrabungsstätte aufgeführt wird: „Es ist ein Ort, der zerstört wurde und wir haben die Ehre, ihn wieder mit Musiktheater zu beleben“. Während sich die 120 Zuschauer in der Ausgrabungsstätte über den Steg verteilen müssen, ist im Raum im zweiten Stock des Museums Platz für Bestuhlung. Und die raumgreifende Klang-Installation „Serpentinata“ von Bernhard Leitner, bestehend aus PVC-Schläuchen und Lautsprechern, ist nicht nur großartige Kulisse. „Die Komposition wird vor Beginn von Holsts Musik zu hören sein“, erklärt Kolumba-Direktor Stefan Kraus, der sich aber bei der Auswahl von Werk und Raum bewusst herausgehalten hat. Auch wenn ihr „manchmal der Atem stockt, dass jemand an eines der Kunstwerke stößt“, ist für Birgit Meyer schon jetzt sicher, dass es wieder Operninszenierungen in Kolumba geben wird. Eine Idee, die bei Direktor Stefan Kraus auf Gegenliebe stößt.« (Axel Hill, Endlich wieder in Sichtweite, in: Kölnische Rundschau, 28.05.15)

»Der zentrale Satz dieser neuen Jahresausstellung von Kolumba, dem wunderbaren Kunstmuseum des Erzbistums Köln von Peter Zumthor, steht auf einem unscheinbaren Buchdeckel: "Findet mich das Glück?" Eine federleichte Frage sei das, meint Museumschef Stefan Kraus, "die uns aber an einen philosophischen Abgrund führt." Das Künstlerduo Fischli/ Weiss hat 2002 diese Anthologie naiver und essentieller Fragen herausgebracht. Für Kolumba, wo das Büchlein in einer Vitrine mit Werken weiterer künstlerischer Querdenker liegt, bietet es Steilvorlagen für das Jahresprogramm. Die Reihe "Philosophisches Gespräch" wird sich durch den Fragendschungel des Künstlerduos hangeln und die aktuelle Schau beleuchtet den Begriff der Freude in der weltlich-bildenden und sakralen Kunst, sucht nach den Momenten des Spielerischen, der Fantasie und Kreativität. | Kolumba leistet sich den seltenen Luxus, mit einem großen Thema ins Ausstellungsjahr zu gehen und zwölf Monate lang gemeinsam mit dem Besucher die exzellente eigene Sammlung zu befragen. "Denken", "Noli me tangiere", "Kunst und Liturgie", Zeigen, verhüllen, verbergen. Schrein" waren die Titel der letzten Jahre. Die neue Schau folgt dem Motto "Playing by heart", was übersetzt auswendig spielen bedeutet, im Sinne des Wortes aber etwas mit Herz zu tun hat und mit leidenschaftlicher Aneignung. | Es geht um die Schönheit der Natur und die Freude an Farbe und Klang, um die Welt der Märchen und Träume, der Fabelwesen und Wanderer zwischen den Welten. Der in diesen Wänden – der sakralen Kunst geschuldet – sonst dominante Passionsgedanke bleibt aussen vor, was nicht bedeutet, dass hier nur die heile Augenlust regiert. Erstmals klingt sich Kolumba spürbar in ein kirchenpolitisches Thema ein. Das Kölner Museum eröffnet den bundesweiten Veranstaltungsreigen, den die Deutsche Bischofskonferenz dem vor 50 Jahren beendeten Zweiten Vatikanischen Konzil widmet, dessen Abschlussdokument mit "Gaudium et Spes", Freude und Hoffnung überschrieben ist. Beides begegnet dem Betrachter der Ausstellung. Naive Andachtsbildchen von Anton Wierix aus der Zeit der Gegenreformation zeigen Jesus als emsigen Gärtner, der sich Zugang zu unseren Herzen verschafft. Teufel und Frau Welt belagern das Herz bis das göttliche Kind anklopfte und Licht hineinbrachte. Eine herzige Geschichte in Bildern. Ganz unsakral eine Wand, die sich der Natur von ihrer umspektakulären Seite nähert: Blätter von Joseph Beuys und Leiko Ikemura bis Andor Weininger und Paul Thek widmen sich Sträuchern und Unkraut, Insekten und kleinen Tieren. Es lohnt sich, diesen Zeichnungsdschungel zu durchstreifen. Auch Richard Tuttles gezeichnetes Reisetagebuch nebenan überzeugt. Die pure Lust an der Inszenierung beflügelte Manos Tsangaris zu seiner "Licht- und Luftmaschine", einer kleinen Bühne, die im abgedunkelten Armarium pfeift, jault und Lichtspiele veranstaltet. Hat nicht auch der gegenüber stehende mittelrheinische Hausaltar (um 1440) mit einer Verkündigungsszene etwas Bühnenhaftes, Theatralisches? Kolumba ist bekannt für raffinierte Gegenüberstellungen. Diese ist besonders geglückt. Woanders in der Ausstellung trifft Lochers "Madonna mit dem Veilchen" auf eine Kette mit gefalteten Metallelementen von Annamaria Zanella – die das Drama afrikanischer Schiffsflüchtlinge thematisiert. Der Siegburger Annoschrein (um 1183) wetteifert in seinem Goldglanz mit der strahlenden Wand von Jannis Kounellis. Michael Buthes düstere documenta-Installation "Die heilige Nacht Der Jungfräulichkeit" findet in einer Sammlung südamerikanischer Gnadenbilder ihre Dialogpartie. | Dem vor 20 Jahren gestorbenen Buthe, dem großen Märchenerzähler und für seine Farbexplosionen geliebten Maler ist ein Schwerpunkt mit exzellenten Arbeiten gewidmet. Sein "Wanderer", das dicke, vollgemalte Tagebuch 1979 bis 81 und sein fast sechs Meter breites expressives gelb-blau-rot-grünes Materialbild lohnen allein schon den Besuch der Schau. Aber es gibt weitere Entdeckungen. Der Kölner Bildhauer Heinz Breloh ist mit seinen organischen Terrakotta-Figuren sehr gut vertreten, der Maler Peter Tollens zeigt, wie sich in 20 Jahren seine Einstellung zur Farbe rot und zur Malerei gewandelt hat, und Bernhard Leitner schickt mit seiner akustischen Schlauch-Skulptur "Serpentinata" einen Klang auf Reisen. Freude und Hoffnung, das beflügelt hier Künstler wie Besucher.« (Thomas Kliemann, Findet mich das Glück? Das Kölner Museum Kolumba stellt in seiner Jahresausstellung die entscheidenden Fragen, in: Kölnische Rundschau, 13.9.2014, S.12)

»Das Kolumba Museum des Erzbistums Köln ist von Kunstkritikern zum "Museum des Jahres 2013" gekürt worden. Eine echte Überraschung ist die Kür des Kolumba nicht. Längst war die Ehrung des Museums durch die Kunstkritiker überfällig. Wer sich für einen breiten Kunst- und Kulturbegriff, aufregende Konzepte und attraktive Architektur interessiert, hatte Kolumba schon bald nach der Eröffnung im September 2007 auf der imaginären Bestenliste der Museen. Dass die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes sich nun Kolumba aus der riesigen deutschen Museumslandschaft herausgepickt hat, bestätigt die Kenner und Liebhaber großartiger Ideen, Entwürfe und Realisierungen. Um dem Glanz von Kolumba gerecht zu werden, könnte man bei der Architektur des genialen Schweizer Architekten und Pritzker-Preisträgers des Jahres 2009, Peter Zumthor, beginnen. Der hatte für seinen Bau nicht nur einen komplizierten innerstädtischen Baugrundriss in der Kölner City zu bewältigen, sondern als Hypothek quasi im Keller auch noch die Überreste der spätgotischen Kirche St. Kolumba und Gottfried Böhms Kapelle "Madonna in den Trümmern". Zumthor hat diese historischen Bauten und Reste meisterhaft und mit einer ungeheuren Sensibilität für Materialien und Räume integriert. Diese Museumsarchitektur verknüpft Erlebnisqualität - bei der das Licht und die Proportionen entscheidende Rollen übernehmen - mit einer heute eher seltenen anzutreffenden architektonischen Demut, die das gebaute Museum als Hülle für die bildende Kunst versteht. Hier sind wir bei der Sammlung angelangt, die, was Qualität und Breite angeht, ihresgleichen sucht: Von der sakralen Skulptur bis zu Malerei der Gotik und zum 19. Jahrhundert, von mutig gesammelten Zeitgenossen bis zum Design reicht das Spektrum. Ein Fundus, aus dem heraus das Kolumba- Team erstaunliche Ausstellungen konzipiert hat, die Brücken zwischen sakraler und profaner, alter und neuer, erhabener und angewandter Kunst bauen. Belohnt wird mit dem Titel "Museum des Jahres" nicht zuletzt der Mut zu Themen wie das der aktuellen Jahresschau: Schrein. Da geht es um den Reiz des Verborgenen, die Ästhetik des Unsichtbaren, schließlich um eine auch jenseits des Religiösen liegende Spiritualität. Mitten im Kölner City-Trubel bietet sich Kolumba als Oase dafür an.« (Thomas Kliemann, Ehrung des Kolumba war längst überfällig, Kölnische Rundschau, 19.11.2013)

»Peter Zumthors noble Hülle für das Kunstmuseum des Erzbistums Köln wurde schon mit der "Großen Nike" des BDA oder dem Architekturpreis NRW belohnt. Gestern kürte die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritikerverbands nun Kolumba zum "Museum des Jahres". Gerühmt wird der Dreiklang aus "hervorragender Architektur", "qualitätvoller Sammlung" und einer Ausstellungspolitik zugunsten von Künstlern, "die gemeinhin nur wenig Medieninteresse gewinnen". Museumsdirektor Stefan Kraus sieht die Auszeichnung "als unglaublich schöne Anerkennung für das gesamte Team, die wir sehr gern entgegennehmen - zumal wir damit überhaupt nicht gerechnet hatten". Kraus findet so auch sein Credo bestätigt, "dass die Museen viel stärker als bisher ihre Chance im Spezifischen suchen müssen". Da Kolumba mit Jahresausstellungen arbeitet, liegt die Messlatte hoch. "Das lag sie aber auch schon in den 90er Jahren, als wir zunächst die Notwendigkeit nachweisen wollten, über einen Neubau nachzudenken". Aus dem Ärmel wird hier nichts geschüttelt. "Wir lassen uns Zeit mit dem Entwickeln der Inhalte, und irgendwann merken wir schon, dass wir so ganz falsch nicht liegen. Aber entscheidend für das Gelingen einer Ausstellung sind jene zwei Wochen, wenn wir hier das Ganze mit vorbereiteten Werken inszenieren. Dann zeigt sich, ob wir eine ästhetische Dichten hinbekommen." Für die aktuelle Schau habe man mit dem Modell des Annoschreins geprobt, "ob dieser zentrale Raum überhaupt funktioniert". Aber Kraus nimmt das "Labor Kolumba" ernst: "Wenn wir nach einem Vierteljahr sähen, dass bestimmte Räume nicht tragen, würden wir das ändern." Was man übrigens in einem Fall schon getan hat... Zumthors Hülle sei für dieses Konzept wichtig, "andererseits stellt uns diese starke Architektur immer auch die Aufgabe, mit diesen Räumen richtig zu arbeiten." Kraus empfindet es gegenüber anderen Museen durchaus als Privileg, "dass wir die Chance hatten, intensiv mit dem Architekten zusammenzuarbeiten. Und die haben wir bis hin zu den Vitrinen genutzt". Von der Akzeptanz des Museums sei man überrascht, "da wir ja bewusst Beschriftungen und Kopfhörerführungen verweigern". Anfangs glaubte man, so "vielleicht 60 Prozent der Besucher erreichen zu können". Heute nimmt Stefan Kraus an, "dass von 100 Besuchern 95 beim Verlassen des Hauses sagen: Ich komme bald wieder vorbei". Was auch daran liegt, dass der kirchliche Träger "uns die nötige Freiheit für unser Konzept lässt". (Hartmut Wilmes, Kolumba in Köln ist Museum des Jahres, Kölnische Rundschau, 19.11.2013)

»Stefan Lochners "Madonna mit dem Veilchen" hat einen seltsamen Nachbarn bekommen: Schräg gegenüber hängt in ebenso markantem Hochformat ein Epitaph mit Jesus als Schmerzensmann, durch dessen Wundmale an den Füßen Weinrebe und Weizentrieb wachsen. Dieses bizarre Bild sollte die im Spätmittelalter zunehmend bezweifelte Transsubstantiationslehre beglaubigen. Danach behalten Brot und Wein im Moment der Wandlung zwar ihre äußere Form, werden tatsächlich aber zu Leib und Blut Christi. Diese Glaubensgewissheit besteht "trotz Natur und Augenschein", wie Thomas von Aquin konstatierte - ein Satz, den die aktuelle Schau im Diözesanmuseum als Titel nutzt. Sie begleitet den Eucharistischen Kongress, wobei Kunsthistorikerin Ulrike Surmann zwei Jahre lang "das theologisch verminte Gebiet" erforschte. Ihre mit rund 60 Exponaten (davon 38 hochkarätige Leihgaben) bestückte Ausstellung misst das komplexe Thema aus und fügt sich nahtlos ins intelligente Kolumba-Konzept. Das Zeitraster der Eucharistie-Schau endet im frühen 16. Jahrhundert. Ein Bild wie "Christus in der Kelter" (1510), in der sich Blut und Wein mischen, drückt keineswegs zimperlich die physische Realität der Wandlung aus. Auf anderen Tafeln ergießt sich das Blut der Lanzenwunde direkt in den Kelch. Die ältesten Exponate stammen aus dem 9. Jahrhundert, als das Bildverbot langsam bröckelte. Wobei Illustrationen anfangs oft Gebrauchsweisungen waren. Etwa im Raganaldus-Sakramentar aus Tours (844/45), das die Texte des Priesters für die Messe auflistet und die kirchliche Hierarchie visualisiert. "Ein solches Stück bekommen Sie nicht per E-Mail", erklärt Surmann. Empfehlungsbriefe des Kardinals sowie Sicherheitszusagen (klimatisierte, schadstofffreie und alarmgesicherte Panzerglasvitrine) waren auch nötig, um vom British Museum - "einer der härtesten Leihgeber der Welt" - eine Elfenbeintafel mit Szenen aus der Jugend Jesu zu erhalten. Das Entree gleicht mit den unter Glas aufgeschlagenen Schriften einer kostbaren Bibliothek. Spektakulär: Die Mettener Armenbibel, die den Moment der Wandlung opulent inszeniert. Der Himmel öffnet sich und offenbart den Auferstandenen, dessen Fußwunden den Weinkelch füllen und die Hostien benetzen. Prachtvoll vertreten sind auch die liturgischen Instrumente: goldene Monstranzen, Kelche und Vortragekreuze in filigraner Handwerkskunst. Vor allem aber glückt die Einbettung dieser Sonderschau in die Paul Thek gewidmete Jahresausstellung "Art is Liturgy". Etwa in Raum 13: Die prachtvolle Monstranz der Pfarrei St. Kolumba behauptet das Zentrum, zwei halbrund gebogene Epitaphe aus dem Erfurter Dom schmücken die Wände, und wie ein moderner Kommentar wirkt Theks drastisch-poetisches "Meatpiece with Butterflys". Auch wenn Kounellis' goldene Wand den Ablasstafeln des Mittelalters begegnet, funktioniert diese Verzahnung frappierend. Man sieht: Kunst ist Liturgie, kann aber mit gleichem Recht sagen: Liturgie ist Kunst. Wobei das Katalogbuch über seine erstklassigen Fotos und die kunsthistorischen Essays kühn hinausgreift. Johannes Schröer (Domradio) animierte Lyriker und Prosa-Autoren, ohne jede Vorgabe zum Thema Eucharistie zu schreiben. Das Ergebnis: höchst anregende, originelle Texte von Ulla Hahn, Norbert Scheuer, Arnold Stadler, Navid Kermani, Norbert Hummelt und Anna Katharina Hahn.« (Hartmut Wilmes, Wenn sich Blut und Wein mischen. Exquisite Kolumba-Ausstellung zum Thema Eucharistie, Kölnische Rundschau, 30. Mai 2013, S.9)

»Der Kampf des Mannes gegen den kleinen weißen Quader scheint aussichtslos zu sein: Er wendet ihn, dreht ihn, versucht ihn schließlich zu verschlingen. Hektisch verwackelte Fotos dokumentieren das verzweifelte Ringen von Bernhard Johannes Blume mit dem Artefakt. Was der unlängst verstorbene Querdenker damit sagen wollte? Präzise formuliert er es in der Bilderstrecke. Damit's auch jeder begreift steht daneben: "Die reine Vernunft ist als reine Vernunft ungenießbar." Das Kölner Museum Kolumba hat Blumes kleine Arbeit gleich an den Anfang der neuen Ausstellung ins Treppenhaus gehängt: Sie soll zeigen, dass "denken", so der Titel der Schau, nicht bierernst sein muss. Einer schönen Tradition folgend schließt das Museum Anfang September zwei Wochen, um sich anschließen neu sortiert, verwandelt zu präsentieren. Das Motto der inzwischen 5. Verwandlung heißt also "denken". Das Thema wird in allen erdenklichen Facetten durchdekliniert, wobei gleich zu Beginn Monika Bartholomé im Video eine für Künstler fundamentale Frage stellt. Da zeichnet eine Hand. Folgt sie dem Denken oder befördert sie das Denken? Oder verarbeitet sie Wahrgenommenes parallel mit dem Denken? In einem grandiosen Parcours wühlt sich Kolumba ins Thema hinein, geht mit einem Zyklus von Rune Mields unter dem Oberbegriff "Steinzeitgeometrie" zu den Ursprüngen der Zeichen zurück, um sich dann dem weiten Feld christlicher Symbolik zu nähern und schließlich zu Zeichen-Systemen zu gelangen, die die Welt erklären. Eindrucksvolles Beispiel ist der aus Fragmenten bestehende Schmuckfußboden aus St. Pankratius in Oberpleis (13. Jahrhundert), der dem Menschen seinen Platz im christlich-antiken Kosmos zuweist. Nicht weit davon erzählt ein Blockbuch aus dem 15. Jahrhundert, das durch die Sammlung Renate König ins Haus kam, von der Kunst des Erinnerns. Hoch komplizierte Piktogramme erläutern in diesem Buch über die Kunst des Erinnerns, von dem nur noch zwei Exemplare auf der Welt existieren, Zusammenhänge der Evangelien. Ein hundert Jahre später gemaltes Werk führt die "Arma Christi", die Leidenswerkzeuge der Passion, in authentischer Größe vor. Kolumba bietet faszinierende Denkräume wie den Südturm, der das Personal aus einem prächtigen Heilig-Geist-Altar aus der Mitte des 15. Jahrhunderts mit Bernhard Leitners "RaumReflexion" (2010) konfrontiert, die mittels Parabolschüsseln Klänge in den Raum schießt und gleichsam in der Luft zerplatzen lässt. Es gibt auch Denktische: Der Komponist Manos Tsangaris wird seinen "Implodierenden Schreibtisch" während der gesamten Ausstellungsdauer mit Material bespielen, Kolumba-Architekt Peter Zumthor zeigt auf einem anderen Tisch Skizzen zur Raumabfolge des in diesem Jahr mit den NRW-Architekturpreis ausgezeichneten Hauses. Er behandelt Räume wie Skulpturen, spielt mit ihnen, lädt sie durch Farbe emotional auf. Nichts anderes tut das Team von Kolumba mit seinen Ausstellungen. Brillant gelungen ist die Platzierung von Dieter Kriegs sechsteiligem Zyklus mit Riesenformaten, die mit großer Geste leere Weingläser zeigen und "In der Leere ist ist nichts" Wort für Wort aufscheinen lassen. Wird hier - stotternd - die Leere hinterfragt, arbeitet ein anderer Raum mit der Fülle der Eindrücke. Jannis Kounellis' "Bürgerliche Tragödie" mit Blattgoldwand, Öllampe und Garderobenständer bietet den Hintergrund für ein Feld von Altärchen und Devotionalien, die die private Frömmigkeit beleuchten. Von Konrad Klaphecks "Kleinem Liebesglück" über John Cages wunderbare Werkgruppe "Über die Oberfläche" bis zur "Bibliothek im Eis" von Lutz Fritsch und Farbspielen von Peter Tollens reicht das Spektrum. Was das mit "denken" zu tun hat? Darüber kann man in Kolumba schön nachdenken.« (Thomas Klieman, Reine Vernunft ist ungenießbar, Kölnische-Rundschau, 15.9.2011)

»Wer immer mit dem kleinen Heftchen in der Hand durch die unbeschrifteten Ausstellungen in Kolumba geht, verlässt sich – und das ist gewollt – zunächst ganz auf sein Auge. Ohne die Informationen auf den Etiketten kanalisiert zu sein, muss er selbst überlegen, welche Kunstrichtung, welche Zeit, welcher Künstler oder Stil das einzelne Kunstwerk bestimmt. Dann kann er freilich nachschlagen in den kleinen Begleitheft. Mit den Buntstiftzeichnungen von Philipp Wewerka wird das Spiel mit dem Sich-Entziehenden noch einen Schritt weiter getrieben, obwohl diesmal sogar ein schönes, buntes Begleitheft vorliegt. ... Es ist eine kindliche Welt, di in ihrer Starre geheimnisvoll verschlossen bleibt ... Als ob es in Tiefenschichten eine geheimnisvolle Verbindung gäbe. Und so passen die rund 20 Zeichnungen sicht in besonderer Weise in den großen Rahmen der gegenwärtigen Ausstellung 'Noli me tangere'.« (Heidrun Wirth, Verschlossene Buntstift-Welt. Kolumba zeigt die Studioausstellung 'Taurus' von Philipp Wewerka, Kölnische Rundschau, 9.6.2011, S.19)

»Manches bleibt (die rote Lochner-Madonna), manches ist radikal verändert (eine Wunderkammer, mit Vitrinen gefüllte Räume), manches gewinnt nur eben neue Bedeutung (Eisenplastik von Richard Serra). Die helle Zumthor-Architektur in Kolumba umfasst diese Kunst so ganzheitlich wie der Kölner Dom den Reliquienschrein der Heiligen Drei Könige. "Noli me tangere", das "Rühr-mich-nicht-an" aus dem Johannes-Evangelium, trägt weit durch die Kunst, die zwei Jahrtausende durchstreift, wenn wir das kleine römische Frauenköpfchen aus blauem Lapislazuli hinzunehmen, das in ein romanisches goldenes Kruzifix (Herimann- und Idakreuz) eingearbeitet wurde.
Berührung und Berührungsängste gab es damals nicht und scheint es auch heute nicht in Kolumba zu geben, wenn die verschiedensten Epochen der Kunst- und Religionsgeschichte lustvoll und mit hoher sinnlicher Präsenz gegeneinander antreten. Ob es eingangs die römisch-christlichen Ausgrabungen sind, die begleitet werden von einer Klanginstallation der "Tauben von Kolumba" (Bill Fontana), oder ob ganz oben als Endpunkt ein majestätisch einsames romanisches Holzkruzifix hängt in Kontrast zu einem bizarr-kitschig manierierten Sammelsurium von Toten-und anderen Köpfen, gesammelt von der kürzlich verstorbenen Krimhild Becker (1940-2010), die sich auch durch ihre fotografischen Arbeiten einen Namen gemacht hat. "Wie begegnen wir Krankheit und Tod? Auch das ist ja ein Noli me tangere", meint Stefan Kraus, der die Berührungen des Menschlichen und allzu Menschlichen (Jürgen Klauke oder Paul Thek mit seinem wund liegenden "Fishman" aus Latex) mit den sich entziehenden Berührungen durch eine spirituelle, mystische Kunst (die Goldwand von Kounellis, die Monochromien von Joseph Marioni) immer weiter treibt. Der Besucher aber geht mit einem Heftchen an den etikettenlosen Exponaten vorbei, und manchmal wird er schmunzeln, wenn er Reliquienmonstranzen neben gläsernen Ziervasen und Zierpokalen aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts antrifft oder wenn Kleinstskulpturen aus spitzen Binsenhalmen (Bethan Huws) mit Bergkristall und Perlen in sakralen Gold-und Silberschmiedearbeiten konkurrieren. Das Wunderbare: die simplen Materialien, ins rechte Licht gesetzt im Armarium, der eigentlichen "Schatzkammer" in Kolumba, können sich durchaus behaupten, und wer an Franziskus von Assisi denkt, liegt sicher auch nicht falsch. Wunderbar aber ist etwa der zwischen zwei hohe schlichte Eisenplatten eingespannte Schall und Klang mit dem Titel "pulsierende Stille", 2007, vom documenta- und biennaleerfahrenen Tanz- und Bewegungskünstler Bernard Leitner geschaffen. Sind es die einzelnen, extrem sparsam gehängten Exponate oder ist es eben diese kontrastreich provokative Präsentation, wo die Gegensätze doch immer wieder in einer unerwarteten Synthese aufgehoben werden? Sicher ist es auch das Gebäude, das immer wieder neu erscheint, sobald man den asketisch anmutenden "Pilgerweg" über die hellen Treppen zurückgelegt hat. Und wenn man von dem Panoramafenster aus zum Dom blickt, wird der ohne weiteres als weiteres Kunstwerk einbezogen, als hätten ihn die Kolumba-Macher extra auch noch dorthin gestellt.« (Heidrun Wirth, Bloß keine Berührungsängste, Kölnische Rundschau, 15.9.2010)

»Zum drittenmal haben Kraus und sein Kuratorenteam in Peter Zumthors asketisch-noblem Bau thematische Wechselspiele zwischen alter und zeitgenössischer Kunst inszeniert, die diesmal um Erinnerung und den Umgang mit dem historischen Erbe kreisen. „Kolumba will eine Reibungsfläche sein“, versichert Kraus, dem gleichwohl eine schlüssige Präsentation von hoher sinnlicher Qualität gelungen ist.… Die Pracht liturgischer Gewänder aus dem Besitz von Kardinal Frings, die frei im Raum platziert sind, kommt in raffinierter Ausleuchtung zur Geltung. Den Kontrast bieten Duane Michals Fotosequenz „Ein Versprechen an Gott“, nie gezeigte Modezeichnungen des jungen Paul Thek aus den 50er Jahren und zwei großformatige Fotos, die einen verzweifelt agierenden Jürgen Klauke in der Serie „Desaströses Ich“ zeigen. Beziehungsspielen vielfältiger Art begegnet man auch in den Sälen und Kabinetten der zweiten Etage. Dabei wird darauf geachtet, dass es in dem Parcours auch sparsam bestückte „Denkräume“ gibt, in denen Besucher Kraft schöpfen können. Schier überbordend ist nämlich die Fülle der Eindrücke, die Felix Droese mit "Der Grafenberg" auslöst; mehrere hundert Arbeiten, die er während seiner Zivildienstzeit im Landeskrankenhaus Düsseldorf-Grafenberg zusammengetragen hat. Kolumba präsentiert die Zeichnungen und Malereien, Medikamentenpackungen, persönlichen Notizen, Briefe, Fotos und andere Dinge mehr in eigens angefertigten Vitrinen, die auf einem Ensemble gebrauchter Tische ausgelegt sind. Was da an Schicksalen ausgebreitet ist, geht unter die Haut. Ruhe und Kontemplation bietet da der Anblick einer Ecce-Homo-Darstellung von Anfang des 16. Jahrhunderts. Zu den Konstanten gehört Stefan Lochners „Madonna mit dem Veilchen“, diesmal in Gegenüberstellung zu atelierfrischen Arbeiten von Bärbel Messmann. Eine sichere Hand bewiesen die Kuratoren bei der Bespielung des hohen Nordturmes, wo man die Blicke schweifen lassen kann zwischen einem Kruzifix von 1150, Joseph Beuys' Munitionskiste mit Fichtenstamm und Kurt Bennings Fotonegativ im Leuchtkasten, das den Vater zeigt, den er nicht kannte. Am dichtesten bestückt ist das Ostkabinett, wo der Ausstellungstitel so leicht fasslich wird, dass sich Erklärungen erübrigen. Ein Haufen alter Staubsauger und zahlreiche Gegenstände privaten Gebrauchs, Brillen, Schreibzeug, Besteck, Gebetbücher, die in Vitrinen aufgereiht sind, korrespondieren perfekt mit Kurt Bennings titelgebender Video-Arbeit. „Erinnerungsfähige Räume“ wollen die Kolumba-Kuratoren schaffen. Dem Andenken dienen auch Herbert Falkens „Asphaltfotos“, die man wie ein Andachtsbildchen mit nach Hause nehmen darf.« (Hanna Styrie, Schicksal der Staubsauger, Kölnische Rundschau, 13.9.2009)

»An einen Gottesdienst und den Empfang des Erzbischofs schließt sich am Nachmittag die 'Akademie zum Aschermittwoch‘ an, die diesmal unter dem Thema 'Der ästhetische Augenblick – Versuch über die Sprachlosigkeit' stand. Referent Stefan Kraus, der Direktor von Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, widmete sich darin jenem kurzen ersten Moment in der Begegnung mit Kunst, der den Betrachter ganz unmittelbar bewegen, ergreifen oder erschüttern kann.'Nirgends sind sich Künstler und Betrachter näher als in den Sekunden der reinen Erkenntnis', meint der Leiter von Kolumba, für den Intuition und Emotionalität in der Erfahrung eines Kunstwerks eine weit größere Rolle spielen als die Aneignung durch eine kunstwissenschaftliche Vermittlung.« (Hanna Styrie, Intimer Moment vor dem Werk, Kölnische Rundschau, 26.2.09)

»…Einmal jährlich, mit einem festritualisierten Paukenschlag Mitte September, soll ein neuer Zugriff auf den reichen Fundus die Besucher staunen lassen. Spannung aufzubauen zwischen ästhetischen Formen, die aufs erste völlig disparat erscheinen, auf den zweiten Blick aber seltsam gut miteinander harmonieren, das ist das Kolumba-Prinzip. So schmunzelt man über die Reihen gleichmäßig transluzider Trinkgläser (Malerei von Peter Dreher), die der wilden Kugelbahn gegenüber hängen. … Mystisch taucht aus dem Dunkel eine Maria mit dem Einhorn auf einer Nonnenstickerei aus dem 14. / 15. Jahrhundert auf, die eine Treibjagd darstellt, nicht weit davon naive Tierfiguren von Erich Boedeker, ähnlich den ägyptischen Begleitern ins Totenreich. Warum sollte das Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert damit nicht korrespondieren? Und natürlich glitzert und funkelt dann wie gehabt der Kirchenschatz von St. Kolumba. … Und wenn schon alles mit allem korrespondiert, so sind es diesmal die zittrigen Regenstreifen auf dem Panoramafenster, die im Raum 10 die zart vergehenden Bildgitter des in Köln lebenden Malers Heiner Binding aufnehmen. In diesem Raum, der das ehemalige „Schaufenster“ vom Roncalliplatz weiterführt, wird sogar vierteljährlich gewechselt. … Doch zunächst geht es nun darum, die Augen sehen zu lehren, „dass das Leben wie eine Schale mit Kirschen“ ist auf einer Zeichnung von Paul Thek und dass diese Gefäße wie aus dem Nichts heraus greifbar werden in den edlen Schalen von Phil Sims. Dass Karl Burgeff sein Licht durch (gezeichnete) Blattformen schickt und dass das Licht der Renaissance unmittelbar daneben auf die naturalistische Pflanzenminiatur im Stundenbuch der Dona Isabel (um 1510) fällt. Dem Direktor Stefan Kraus und seinem Team geht es darum, „Räume zu schaffen, an die man sich erinnert“. Glaubwürdig.« (Heidrun Wirth, Kolumba schiebt jetzt eine laute Kugel, KR, 13.9.2008)

»'Für ein Haus zu sprechen, in dem man Schönheit erfahren kann', das versetzt Stefan Kraus in jene gehobene Gemütslage, die der neue Direktor von Kolumba auch an den Besuchern beobachten kann: 'Heiterkeit, Gelassenheit, Nachdenklichkeit' liest der 47jährige aus vielen Gesichtern. Diese seelische Resonanz von Kunst ist ihm wichtiger als die Zahl von 100.000 Gästen, die seit Eröffnung Mitte September 2007 das neue Haus besichtigt haben. Im Diözesanmuseum ticken die Uhren eben anders als in kommunalen Institutionen, wo eine Hausberufung die Ausnahme ist. Für Kolumba dagegen verstand es sich beinahe von selbst, dass am 1. Mai der langjährige Kurator Stefan Kraus die Nachfolge von Joachim M. Plotzek (65) antritt, der gestern in den Ruhestand verabschiedet wurde. Kraus bürge für 'Kontinuität, Qualität und die Identität des Hauses, das auch den christlichen Glauben bezeuge, so erklärte Generalvikar Dominik Schwaderlapp beim Pressegespräch.« (Annette Schröder, Was bleibt ist Heiterkeit. Stefan Kraus stellte sich als Direktor von Kolumba vor, Kölnische Rundschau, 23.4.2008)

»In der Tat bildet diese 'Bürgerliche Tragödie' mit den übrigen Exponaten im Nordkabinett von Kolumba ein Kraftfeld: mit dem Hausaltärchen von 1440, das vom Einbruch des Göttlichen ins bürgerliche Alltagsleben kündet. Mit Konrad Klaphecks Nähmaschinen-Bild, das als melancholische Verteidigung des Humanen in virtuell überdrehten Zeiten verstanden werden kann. Und mit Vasen und Kannen aus der Sammlung Schriefers, die in ihrer Formschönheit über die profane Funktion hinausweisen.« (Annette Schroeder, Kunst zwischen Himmel und Erde gespannt, Kölnische Rundschau, 26.9.2007, S.9)