Kolumba
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»Das Nomadendasein, zu dem die Oper Köln in den vergangenen drei Spielzeiten gezwungen war, geht bald zu Ende. Im November wird sie in das umfassend renovierte Haus am Offenbachplatz zurückkehren. Für die letzte Premiere dieser Spielzeit entschied sich die Intendantin Birgit Meyer für das nur einen Steinwurf von der Opernhausbaustelle entfernt gelegene Kolumba-Museum. Diese wunderbare Kunstinstitution verfügt zwar über keinen Saal, der auch nur annähernd Assoziationen zu einem Operntheater zuließe. Und doch erwies sich die Wahl als Glücksgriff: Symbolkräftiger könnte der Abschied von der Zeit der Wanderschaft nicht ausfallen. Das liegt nicht nur an dem ungewöhnlichen, über den Ruinen der im Krieg zerstörten Kolumbakirche errichteten Bau und dem Museumskonzept, das einen nach allen Seiten offenen Dialog zwischen den Kunstschätzen sämtlicher Epochen sucht. Vielmehr noch machte die originelle Auswahl der beiden Kompositionen den Abend zu einem eindrucksvollen, wenn auch ziemlich exklusiven Ereignis: Wegen beschränkter Platzverhältnisse werden jeweils nur etwa hundertzwanzig Karten ausgegeben, sämtliche Aufführungen des Doppelabends mit Leos Janáceks Liederzyklus „Tagebuch eines Verschollenen“ und Gustav Holsts Kammeroper „Savitri“ sind bereits ausverkauft. Zuerst werden die Zuschauer in die Ausgrabungsstätte gebeten, sie müssen sich auf dem Laufsteg über der Ruinenlandschaft aufstellen. Dort beendet Bauer Janek gerade seine Pause, er fängt damit an, Backsteine zu sortieren. Er ist der Protagonist in Janáceks „Tagebuch“. Die einundzwanzig Lieder mit einem Klaviersolo im Zentrum beschreiben eindrucksvoll, wie die Liebe zu der Zigeunerin Zefka von dem jungen Landwirt Besitz ergreift. Hin und her gerissen zwischen religiös-moralischen Bedenken und übermächtigem Drang, zwischen der geordneten Welt von Haus und Hof der Eltern und einem ungewissen Wanderleben, entschließt er sich, mit Zefka und dem gemeinsamen Kind in die Welt hinauszuziehen. Die Naturidylle, in der die Liebe zwischen den beiden gedeiht, scheint in der verkehrsumtosten Ruinenszenerie von Sankt Kolumba weit entfernt. Umso stärker blüht sie im Klavierpart auf, in dem Janácek mit nur wenigen Tönen Wald und Feld so präzis zeichnet wie in immer neuen dramatischen Aufwallungen die zerklüftete Seelenlandschaft des Bauern. Der spannt zwar nicht die Öchslein vor den Pflug, baut aber dafür aus Ruinen sein Leben auf. Und formt am Ende aus den Backsteinen das Wort „Adieu“. Die junge französische Regisseurin Béatrice Lachaussée, die in Köln bereits mit ihrer Inszenierung von Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ aufgefallen war (F.A.Z. vom 1. April 2014) lässt Zefka hinter einem Paravent erscheinen und entrückt auch die Liebesbegegnung mit Janek in diese Schattenspielwelt. Der australische Tenor John Heuzenroeder als Bauer bewegt sich nicht nur behende in dem Ruinenlabyrinth, er gibt auch (in der deutschen Fassung von Max Brod) zur verlässlichen Klavierbegleitung von Rainer Mühlbach, mit klangschöner, nur gelegentlich angestrengter Stimme, mit Herzblut und lyrischer Empfindsamkeit den Blick auf sein Innenleben frei. Die kolumbianische Mezzosopranistin Adriana Bastidas Gamboa, wie Heuzenroeder als Ensemblemitglied an der Kölner Oper engagiert, demonstriert in der vergleichsweise bescheidenen Zefka-Rolle souverän, noch eindrucksvoller aber in der Titelpartie von Holsts Kurzoper „Savitri“, über welch weites Spektrum an Stimmfarben sie in allen Lagen verfügt. Die Episode aus dem indischen Mahabharata-Epos wurde von Holst zu einem Dreipersonenstück verdichtet, in dem die reine Liebe alles Irdische hinter sich lässt und schließlich den Tod besiegt. Aus der Ruinenunterwelt von Sankt Kolumba wird das Publikum nun folglich in die höheren Sphären des Museums hinaufgeführt. Und dort beginnt in „Raum 13“ mit einem Male, wie von Zauberhand, das gesamte Haus mitzuspielen. Die Stimmen von Savitris Geliebtem und dem Tod (markant und sonor: Taejun Sun und Luke Stoker) tauchen wie aus dem Nichts auf, und Savitris Gesang verliert sich in der Unendlichkeit: Der scheinbare Nachteil eines mächtigen Nachhalls wurde geschickt in eine akustische Tugend umgemünzt. In „Savitri“ ist nichts zu spüren von der Monumentalität der wohl populärsten Komposition Holsts, der „Planeten“-Suite. Das hauptsächlich aus Streichern bestehende Kammerensemble des Gürzenich-Orchesters vermag dennoch einen betörenden Farbenrausch zu entfesseln. Das Labyrinth, in dem sich die Akteure bewegen, ist die aus Plastikschläuchen und Lautsprechern gebaute Raum-Klang-Installation „Serpentinata“ des österreichischen Künstlers Bernhard Leitner. Hier finden die Liebenden auf ihrer reizvollen Gratwanderung zwischen Orient und Okzident schließlich aus dem Labyrinth des Todes heraus. Hoffentlich wird nun, mit dieser letzten Produktion im Provisorium, auch der Weg aus dem Irrgarten frei, in den die Kölner Oper durch die kulturpolitischen Querelen um Finanzierung, Sanierung und Leitung des Hauses geraten war. (Josef Oehrlein, Adieu mit Backstein. Janácek trifft Holst: Kölns Oper beendet ihr Provisorium mit zwei besonderen Stücken an ungewöhnlichem Ort, Frankfurter Allgemeine Zeitung,2.6.2015)

»Auch Kolumba das spektakuläre Kunstmuseum des Erzbistums, ist ein Symbol der Ära Meisner - und auf seine Art auch das Richter-Fenster im Südquerhaus des Kölner Doms.« (Daniel Deckers, Unbeirrbar. Joachim Kardinal Meisner zum 80. Geburtstag, In: FAZ 24.12.2013, S. 4)

»Das von Peter Zumthor entworfene Gebäude hat schon mehrere Auszeichnungen erhalten. Doch jetzt ist das 2007 eröffnete Kolumba, Kunstmuseum des Erzbischofs Köln [!], auch für seine Ausstellungen geehrt worden; die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands (AICA) hat es zum "Museum des Jahres 2013" gekürt. Gerühmt wird der Dreiklang aus "hervorragender Architektur", einer "qualitätvollen Sammlung, die den Bogen zwischen alter und zeitgenössischer Kunst spannt", sowie einem Programm, das auch Künstlern eine Öffentlichkeit gebe, "die gemeinhin wenig Medieninteresse gewinnen". Zur Ausstellung des Jahres wählten die Kritiker die Fotoschau "Kairo – Offene Stadt." (aro, Krone für Kolumba. Köln hat das Museum des Jahres, in: FAZ 23.11.2013)

»Der Bau sollte ein architektonisches Schmuckstück werden, wie es in der Bischofsstadt kein zweites gibt. Schon die Baustelle zog Neugierige von nah und fern an. All zu viel zu sehen gab es freilich nicht. Denn lange Zeit verdeckten Planen und Mauern den Blick auf das Bauwerk, das als Komposition von Vergangenheit und Gegenwart Kunstgeschichte schreiben sollte. Als „Kolumba“ nach Jahren fertiggestellt wurde, war die Begeisterung einhellig. Lob ergoss sich nicht nur über den Architekten Peter Zumthor, der bald darauf mit den bedeutendsten Architekturpreisen der Welt ausgezeichnet wurde. Gerühmt wurde auch der Bauherr, das Generalvikariat des Erzbistums Köln. Es hatte sich das neue Kunstmuseum des Erzbistums stattliche 43,1 Millionen Euro kosten lassen. Sich? Fünf Millionen hatte das Land Nordrhein-Westfalen beigesteuert. Den Löwenanteil von annähernd 40 Millionen Euro brachte das von Joachim Kardinal Meisner und seinem Generalvikar Norbert Feldhoff geleitete Erzbistum auf – und das vollkommen geräuschlos. Denn der Kölner Kardinal war gut beraten. Noch ehe der Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde, hatte der Generalvikar das Projekt allen wichtigen Gremien zur Abstimmung vorgelegt, auch wenn diese in Haushaltsdingen nichts mitzureden hatten. Kirchensteuerrat, Priesterrat, Pastoralrat, nochmals Kirchensteuerrat – die Abstimmungen fielen stets mit überwältigender Mehrheit zugunsten des Vorhabens aus. Wieder einmal zeigte sich die Kirche von Köln in bester Tradition als Mäzen von Kunst und Kultur. Auch das neue Bischofshaus auf dem Limburger Domberg sollte ein architektonisches Schmuckstück werden, wie es in der Bischofsstadt kein zweites gibt. Schon die Baustelle zog Neugierige von nah und fern an. Allzu viel zu sehen gab es auch in Limburg nicht, denn lange Zeit verdeckten Planen und Mauern den Blick. Doch statt Kunstgeschichte schreibt das Bauwerk nun Kirchengeschichte. Denn als das sogenannte Diözesane Zentrum St. Nikolaus nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde, der Bauherr seinen Namen selbst in der „New York Times“ lesen konnte und in einer französischen Zeitung als „évêque bling-bling“ tituliert wurde, nahm dieser kurzerhand reißaus. In der Sonntagsfrühe flog er nach Rom. (...) Im Ordinariat im Limburg wiederum verfolgen die Mitarbeiter seit Tagen mit wachsendem Entsetzen, wie sich Bischof Tebartz von aller Verantwortung für die Kostenexplosion freisprechen will. In Limburg wie in Rom lässt er verbreiten, er sei nur der geistliche Leiter und in wirtschaftlichen Dingen vollkommen unerfahren. Diese Unerfahrenheit hielt ihn nicht davon ab, regelmäßig in Begleitung seines Generalvikars die Baustelle aufzusuchen und Änderungs- und Umplanungswünsche auf gelben Zetteln zu hinterlassen. Dass die zum Teil extravaganten Wünsche so gut wie möglich ausgeführt wurden, garantierten höchst professionell der Architekt Frielinghaus und der Diözesanbaumeister Staudt. Dass die am Bau beteiligten Unternehmen ihr Geld erhielten, wurde der Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG aufgegeben. Diese beglich die von der Bauleitung geprüften und abgezeichneten Rechnungen unter Inanspruchnahme eines Kontos, das bei einer Bank in Berlin geführt wurde, umgehend. Die Finanz- und Bauabteilung des Bischöflichen Ordinariates sollte von den Vorgängen rund um den Bau des Bischofshauses bestenfalls dem Augenschein nach Kenntnis nehmen können. Bischof Franz-Peter Tebartz-zu Elst und sein Generalvikar waren hingegen jederzeit über die Baufortschritte und die damit einhergehenden Aufwendungen informiert. Gleichwohl veröffentlichte die Pressestelle des Bistums auf deren Geheiß am 28. Juni die Mitteilung, dass der Bau exakt 9,85 Millionen Euro gekostet habe. Mittlerweile hat sich das Bistum mehrfach korrigiert. Derzeit ist von 31 Millionen Euro Baukosten die Rede, und selbst Domdekan Günter Geis hat dem Bischof öffentlich das Vertrauen entzogen. Nicht auszuschließen ist aber, dass das Haus des Bischofs von Limburg so viel Geld verschlungen haben könnte wie „Kolumba“. Doch Kardinal Meisner und Generalvikar Feldhoff standen wegen der Kosten des Kölner Diözesanmuseums nie in der Kritik. Sie hielten sich stets an das Recht.« (Daniel Deckers, In Limburg geht die Angst um, FAZ, 17.10.2013)

»Das Diözesanmuseum Kolumba in Köln hat es wiederum auf einzigartige Weise geschafft, seine von der Spätantike bis zur Gegenwart reichende Sammlung in wechselnden spannenden Präsentationen offenzulegen. Die thematischen Schauen laden zum Miterleben ein und zeigen exemplarisch, wie sich ein Museum mit Profil im 21. Jahrhundert positionieren kann.« (Swantje Karich, Holt die Bilder ans Licht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Beilage Bilder und Zeiten, 2.4.2011)

»Glücklicherweise sind die Wände in Kolumba nicht nur steil, sondern senkrecht und dienen damit optimal der Anbringung von Kunstwerken und geben andererseits dem einen großen Raum und den zahlreichen kleineren Räumen einen verblüffenden Reichtum an Maß und Proportion. Und: Nicht eine einzige Betonwand ist in diesem Museum zu finden. Vielmehr antworten dem glänzenden Teerrazzo oder dem stumpfen Mörtel des Bodens ausschließlich warmtonige, naturfarbene, lehmgeputzte Wände mit winzigen glitzernden Partikel, deren weiche, haptische Lebendigkeit die Besucher immer wieder zum Befühlen werleiten. Es stellt sich die Frage, ob das Auge als Bildlogo der Beaucamp'schen Kolumne "Kunststücke" blind ist für eine solche ästhetische Qualität, die mit anhaltender Nachdenklichkeit daherkommt, weshalb der Ort Kolumba inzwischen so beliebt geworden ist und viele Menschen zum wiederholten Besuch verleitet. Die latent vorgetragene Forderung nach einer größeren Präsenz sogenannter DDR-Künstler in der gesamten deutschen Museumslandschaft unterliegt mit jedem Werk einzig den für alle Kunst heranzuziehenden Qualitätkriterien. [...] Andernfalls entgleitet die kritische Fürsprache für benachteiligt geglaubte Künstler im erstickenden Sog einer Obsession, die im Sammelsurium von provozierenden, aber schalen Reizworten selbst zum engagiertesten Stammtischgespräch alter Herren nicht mehr taugt.« (Joachim M. Plotzek, Köln, Im Sog einer Obsession, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Briefe an die Herausgeber, 19.4.2011)

»Besucht man danach in Köln Peter Zumthors Museumsannex der Kriegsruine von St. Kolumba, ist es fast so, als hätte es einen vom freudigen Barock in eine kahle, ausgeräumte Calvinistenkirche verschlagen, wie sie der Holländer Pieter Sarenredam im siebzehnten Jahrhundert mit Vorliebe malte. Die Kölner Museumsleute setzen auf frostige Leere, auf Dunkel oder Halbdunkel, auf allersparsamste, bilderfeindliche Bespielung und eine aufdringliche Unterdrückung des Pathos. Man fühlt sich hier in jene freudlose Gruftästhetik zurückversetzt, wie man sie in den bußfertigen fünfziger Jahren pflegte. Köln zeigt jetzt den vierten Szenenwechsel im Neubau, der wieder mit den üppigen Beständen geizt und den begierigen Besucher mit minimalen Kostproben unter dem körperverleugnenden Motto 'Noli me tangere' (das 'Berühre mich nicht', das der auferstandene Christus Maria Magdalena entgegenhält) abspeist. Wieder verlieren sich einige wenige, oft winzige Objekte in Riesensälen oder vor steilen Betonwänden. Wieder wird jede Information verweigert und auf ein Begleitheftchen verwiesen, das in der künstlichen Düsternis nicht lesbar ist. In Köln herrscht eine unangenehme Verkrampfung, eine metaphysische Präsentation, die ästhetische Lust verbietet und den historischen Reichtum durch zeitgenössische Kargheiten verdirbt. Das ausdrucksstärkste Mittelalter, die Schönheiten der Gotik, der jubelnde Barock oder die akademische Frömmigkeit der rheinischen Spätnazarener werden permanent konterkariert durch schwache zeitgenössische Monochromien oder formale Exaltationen, die zu falschen Glaubensbezeugungen aufgerufen werden. Was soll es bedeuten, wenn im Vitrinenraum Ziervasen und Designgeschirr mit Reliquiaren, Monstranzen, archaischen Madonnen und Evangeliaren gemischt werden? Die Mysterien christlicher Kunst werden durch manirierte Mystifikationen entzaubert. Stefan Lochners göttliche 'Veilchenmadonna' fristet in der grauen Betonsteppe ein Exildasein, man möchte sie befreien und in den Dom oder ins Wallraf-Richartz-Museum entführen, wo sie wieder anbetungswürdig würde. Zum Glück haben die Brüder Boisserée Rogier van der Weydens 'Kolumba-Altar' schon 1836 nach München in Sicherheit gebracht, wo er unbehelligt in der Alten Pinakothek bewundert werden kann." (Eduard Beaucamp, Barock oder calvinistisch? Die Kirchen und die Gegen–wartskunst, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Freitag, 1.4.2011, Nr. 77, S.34)

»Zur Ausstellungseröffnung feierte das Architekturmuseum Peter Zumthor als Sieger der Sieger. Hauptbeweis war sein Kölner Diözesanmuseum. Niemand bezweifelt, dass die Art, wie er zeitgenössische monumentale Kuben (die ihrerseits an die römische Antike erinnern) und die schütteren gotischen Reste der einstigen Columbakirche verband vorbildlich ist. Aber zum Trimphator wird er in Frankfurt durch ein winziges Bauwerk – die Feldkapelle 'Bruder Klaus' bei Wachendorf.« (Dieter Bartezko, So viele Meister der neuen Bescheidenheit, FAZ, 23.1.2009, S.33)

»Architekturpreise gibt es mehrere in Deutschland, wenn auch längst nicht so viele wie Literaturpreise. Was es aber kaum gibt, sind Preise für Bauherren, obwohl jeder Architekt weiß, dass ein Haus nur so gut werden kann, wie der Auftraggeber es zulässt. Es ist deshalb ein Signal, dass der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein von 1888 den Hanns-Schaefer-Preis in diesem Jahr an einen Bauherrn vergeben hat, und zwar an Joachim Kardinal Meisner für das Kunstmuseum Kolumba des Schweizer Architekten Peter Zumthor (F.A.Z. vom 15.September). Die Laudatio auf den Preisträger hielt Andreas Rossmann, Feuilletonkorrespondent dieser Zeitung in Nordrhein-Westfalen, der das Publikum ins Jahr 2088 entführte, in dem der Verein seinen zweihundertsten Geburtstag feiert, und einen spekulativen Rückblick auf eine Stadtentwicklung in Köln gab, die, angeregt und ausgehend von Kolumba, zu einer folgenreichen Allianz von Baumeistern und Bauherren und zu einer neuen Aufmerksamkeit für städtebauliche Belange geführt haben wird: 'Wenn der Umgang mit Architektur und die Haltung zur Stadt, wie sie Kolumba vorbildlich vorführt, auf das Bauen hier abfärben und Schule machen, dann muss einem bald um das Stadtbild von Köln nicht mehr bange sein.« (Kardinal Meisner als Bauherr geehrt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2008)

»Wo sich heute Zumthors mächtiger Bau erhebt, war für Kölner von 1945 bis zum Baubeginn tabuisiertes Gelände. [...] In die Umfassungsmauern der zerstörten Emporenbasilika hatte Gottfried Böhm nach dem Krieg eine kleine Kapelle genestelt, die eine spätgotische Madonna birgt. [...] In Köln gab es kaum einen anderen Ort, an dem das Leid des Krieges und die tapfere Improvisation der Nachkriegszeit noch nachvollziehbar waren. Wenn das Wort von der Wundpflege zutraf, dann hier: Es war eine Wunde im Fleisch der Stadt, wenn auch eine gepflegte. Davon zeugt nichts mehr. Zumthors Überbau hat sich Böhms Miniaturkapelle einverleibt wie der Walfisch den Jonas, übrigens ohne sie materiell anzutasten. Von der früheren Bebauung blieben in der Außenansicht nur als grafische Einträge an den Längsseiten die vermauerten spitzbogigen Fenster der Pfarrkirche und der Westseite ein Teil des alten Turmportals. Innen ist die Kapelle vom gleichfalls ummantelten und überdeckelten Grabungsterrain umgeben, darüber liegt das Hauptgeschoss des Museums. Wie das Preisgericht 1997 nach seiner Wahl Zumthors mit der Wettbewerbsforderung zu Rande kam, Böhms Bau dürfe »in seiner äußeren Schlichtheit und in der reizvollen inneren Lichtwirkung« nicht beeinträchtigt werden, bleibt sein Geheimnis. Beeindruckt von den auratischen Qualitäten des Zumthor-Projekts, sprachen die Juroren von einer »selbstbewussten Besetzung des Ortes«. Zumthor verkündete das Ende der Wundpflege. Die Wunde soll zuheilen, endlich. Keine Risse mehr, keine Fehlstellen. Allem Fragmentarischen, das den Bauplatz und seine Umgebung bestimmte, hält er ein harmonisierendes Bild der Einheit und des Zusammenhalts entgegen, fast triumphal. Der Kieg ging vor mehr als sechzig Jahren zu Ende, vergessen wir ihn. Die Nähe zu suchen, statt auf Distanz zu gehen, Homogenität und Kohärenz zu wollen statt Differenz und Alterität [...] Könnte es aber auch sein, dass Unlust an der analytischen Anstrengung, am dialektischen Spiel, an der permanten Reflexion beteiligt ist? Könnte es sein, dass ein größeres Maß an Normalität gewünscht ist, weil das Leben Selbstverständlichkeit und nicht einen Ausnahmezustand nach dem anderen benötigt? [...] Könnte dieser Wunsch nach Beiläufigkeit auch mit Geschichtsmüdigkeit zu tun haben? Mit dem Wunsch, nicht von Gedanken an überstandene Katastrophen, an Krieg, an Verluste belästigt zu werden? [...] Kohärenz und Kontinuität nehmen derzeit einen höheren Stellenwert ein als Differenz und Diskontinuität.[...] Wo in einer pluralistischen Gesellschaft kein Leitmodell für Lebensentwürfe existiert, wird es auch bei den Umgangsformen in Sachen Historie mehr als ein Modell geben dürfen.« (Wolfgang Pehnt, Die große Geschichtsvergessenheit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2008, Nr. 271, S. 35)

»Auf Kontinuität setzt Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln: Nachfolger von Joachim Plotzek, der das Haus seit achtzehn Jahren leitet und nun in den Ruhestand tritt, wird Stefan Kraus, der schon ein Jahr spätere sein Mitarbeiter wurde.« (Andreas Rossmann, Kronprinz. Stefan Kraus wird Kolumba-Leiter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.4.2008)

»Es ist ein unkonventionelles Denkmal, das sich das Erzbistum Köln mit seinem Kunstmuseum Kolumba gesetzt hat, gerade auch, weil dieses, bei aller Einladung zur Einkehr, so weltzugewandt und zeitgemäß auftritt. Fast elf Jahre hat es von der Auslobung des Wettbewerbs bis zur Fertigstellung gedauert.…Doch nun hat ein einziges unbedachtes Wort, das so unbedacht, wie auf Nachfrage bestätigt wurde, gar nicht war, genügt, um aus der feierlichen Eröffnung am Freitag einen kulturpolitischen Eklat zu machen, und dafür gesorgt, dass nicht (so sehr) über das neue Haus, die Architektur und die Kunst gesprochen wird, sondern über den Erzbischof und seine verbale Entgleisung.« (Andreas Rossmann, Meisner in der Abseitsfalle, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.9.2007).

»Die klare Poesie, die Kolumba auszeichnet, ihre durchdachte Einfachheit und puristische Sinnlichkeit, hat erst einmal hiermit zu tun. Der Eingang versucht so nicht, sich lockvogelhaft zu plustern – kantig und unscheinbar ist er in die graue Ziegelfassade geschnitten, ohne schon irgendetwas von dem, was einen erwartet, preiszugeben. Der Besucher wird sich bewußt, in eine andere Sphäre hinüberzugleiten, keine, mit der er Schwellenangst, wohl aber eine, mit der er Lärm und Hektik, auch Schall und Rauch der Stadt, den Rücken kehrt.… Die Ausgrabung ist der größte Raum des Museums und von staunenswerter Erhabenheit, die Bill Fontanas Klanginstallation ‘Tauben von Kolumba‘ (1994) alltagspoetisch unterläuft. Zwölf Meter hoch, haust er die Kapelle 'Madonna in den Trümmern' ein, die Gottfried Böhm 1949/50 für eine vom Krieg nicht versehrte Marienfigur errichtet hat, und verändert ihre Lichtverhältnisse.… Die Ausstellungsräume bestätigen ihre Kraft in der sehr sparsamen, geradezu dramaturgisch inszenierten Bespielung, die keine Trennungen zwischen alter und zeitgenössischer, sakraler und profaner, autonomer und angewandter Kunst vornimmt… Aber zunächst einmal ist das Museum selbst, in dem klösterlich karge, schluchttiefe Treppen nach oben führen, das faszinierendste Exponat. Ein Ort der Einkehr von exklusiver Einfachheit, dessen Verbindung aus Detailsorgfalt, Materialaskese, Textur und handwerklicher Gediegenheit ihresgleichen sucht.« (Andreas Rossmann, Die Kunst der Fugenlosigkeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.9.2007, S.42)

»Was auf den ersten Eindruck als Suche nach Warhols schlichtem Katholizismus erscheint…, das erweist sich bei näherer Betrachtung als weitreichendere Kontextualisierung« (H. Beck, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.3.1999)

»Zum größten Ausstellungsgegenstand, dem man in diesem Museum begegnet, wird das Kapellengehäuse. In ihm sitzen Menschen, die Augenblicke der Stille oder des Gebets suchen. Getrennt durch Mauersbreite, aber um sie und über ihnen wandeln die Kunstfreunde. Wird diese Kirche dann noch Kirche sein? Im Kölner Jubel sollte nicht übersehen werden, was verlorengeht.« (Wolfgang Pehnt, Das Ende der Wundpflege, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.9.1998)

»Das ist das Ergebnis eines der schwierigsten und am sorgfältigsten vorbereiteten Architekturwettbewerbe der jüngsten Zeit« (Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.6.1997)
 

 
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KOLUMBA :: Kritiken :: FAZ

»Das Nomadendasein, zu dem die Oper Köln in den vergangenen drei Spielzeiten gezwungen war, geht bald zu Ende. Im November wird sie in das umfassend renovierte Haus am Offenbachplatz zurückkehren. Für die letzte Premiere dieser Spielzeit entschied sich die Intendantin Birgit Meyer für das nur einen Steinwurf von der Opernhausbaustelle entfernt gelegene Kolumba-Museum. Diese wunderbare Kunstinstitution verfügt zwar über keinen Saal, der auch nur annähernd Assoziationen zu einem Operntheater zuließe. Und doch erwies sich die Wahl als Glücksgriff: Symbolkräftiger könnte der Abschied von der Zeit der Wanderschaft nicht ausfallen. Das liegt nicht nur an dem ungewöhnlichen, über den Ruinen der im Krieg zerstörten Kolumbakirche errichteten Bau und dem Museumskonzept, das einen nach allen Seiten offenen Dialog zwischen den Kunstschätzen sämtlicher Epochen sucht. Vielmehr noch machte die originelle Auswahl der beiden Kompositionen den Abend zu einem eindrucksvollen, wenn auch ziemlich exklusiven Ereignis: Wegen beschränkter Platzverhältnisse werden jeweils nur etwa hundertzwanzig Karten ausgegeben, sämtliche Aufführungen des Doppelabends mit Leos Janáceks Liederzyklus „Tagebuch eines Verschollenen“ und Gustav Holsts Kammeroper „Savitri“ sind bereits ausverkauft. Zuerst werden die Zuschauer in die Ausgrabungsstätte gebeten, sie müssen sich auf dem Laufsteg über der Ruinenlandschaft aufstellen. Dort beendet Bauer Janek gerade seine Pause, er fängt damit an, Backsteine zu sortieren. Er ist der Protagonist in Janáceks „Tagebuch“. Die einundzwanzig Lieder mit einem Klaviersolo im Zentrum beschreiben eindrucksvoll, wie die Liebe zu der Zigeunerin Zefka von dem jungen Landwirt Besitz ergreift. Hin und her gerissen zwischen religiös-moralischen Bedenken und übermächtigem Drang, zwischen der geordneten Welt von Haus und Hof der Eltern und einem ungewissen Wanderleben, entschließt er sich, mit Zefka und dem gemeinsamen Kind in die Welt hinauszuziehen. Die Naturidylle, in der die Liebe zwischen den beiden gedeiht, scheint in der verkehrsumtosten Ruinenszenerie von Sankt Kolumba weit entfernt. Umso stärker blüht sie im Klavierpart auf, in dem Janácek mit nur wenigen Tönen Wald und Feld so präzis zeichnet wie in immer neuen dramatischen Aufwallungen die zerklüftete Seelenlandschaft des Bauern. Der spannt zwar nicht die Öchslein vor den Pflug, baut aber dafür aus Ruinen sein Leben auf. Und formt am Ende aus den Backsteinen das Wort „Adieu“. Die junge französische Regisseurin Béatrice Lachaussée, die in Köln bereits mit ihrer Inszenierung von Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ aufgefallen war (F.A.Z. vom 1. April 2014) lässt Zefka hinter einem Paravent erscheinen und entrückt auch die Liebesbegegnung mit Janek in diese Schattenspielwelt. Der australische Tenor John Heuzenroeder als Bauer bewegt sich nicht nur behende in dem Ruinenlabyrinth, er gibt auch (in der deutschen Fassung von Max Brod) zur verlässlichen Klavierbegleitung von Rainer Mühlbach, mit klangschöner, nur gelegentlich angestrengter Stimme, mit Herzblut und lyrischer Empfindsamkeit den Blick auf sein Innenleben frei. Die kolumbianische Mezzosopranistin Adriana Bastidas Gamboa, wie Heuzenroeder als Ensemblemitglied an der Kölner Oper engagiert, demonstriert in der vergleichsweise bescheidenen Zefka-Rolle souverän, noch eindrucksvoller aber in der Titelpartie von Holsts Kurzoper „Savitri“, über welch weites Spektrum an Stimmfarben sie in allen Lagen verfügt. Die Episode aus dem indischen Mahabharata-Epos wurde von Holst zu einem Dreipersonenstück verdichtet, in dem die reine Liebe alles Irdische hinter sich lässt und schließlich den Tod besiegt. Aus der Ruinenunterwelt von Sankt Kolumba wird das Publikum nun folglich in die höheren Sphären des Museums hinaufgeführt. Und dort beginnt in „Raum 13“ mit einem Male, wie von Zauberhand, das gesamte Haus mitzuspielen. Die Stimmen von Savitris Geliebtem und dem Tod (markant und sonor: Taejun Sun und Luke Stoker) tauchen wie aus dem Nichts auf, und Savitris Gesang verliert sich in der Unendlichkeit: Der scheinbare Nachteil eines mächtigen Nachhalls wurde geschickt in eine akustische Tugend umgemünzt. In „Savitri“ ist nichts zu spüren von der Monumentalität der wohl populärsten Komposition Holsts, der „Planeten“-Suite. Das hauptsächlich aus Streichern bestehende Kammerensemble des Gürzenich-Orchesters vermag dennoch einen betörenden Farbenrausch zu entfesseln. Das Labyrinth, in dem sich die Akteure bewegen, ist die aus Plastikschläuchen und Lautsprechern gebaute Raum-Klang-Installation „Serpentinata“ des österreichischen Künstlers Bernhard Leitner. Hier finden die Liebenden auf ihrer reizvollen Gratwanderung zwischen Orient und Okzident schließlich aus dem Labyrinth des Todes heraus. Hoffentlich wird nun, mit dieser letzten Produktion im Provisorium, auch der Weg aus dem Irrgarten frei, in den die Kölner Oper durch die kulturpolitischen Querelen um Finanzierung, Sanierung und Leitung des Hauses geraten war. (Josef Oehrlein, Adieu mit Backstein. Janácek trifft Holst: Kölns Oper beendet ihr Provisorium mit zwei besonderen Stücken an ungewöhnlichem Ort, Frankfurter Allgemeine Zeitung,2.6.2015)

»Auch Kolumba das spektakuläre Kunstmuseum des Erzbistums, ist ein Symbol der Ära Meisner - und auf seine Art auch das Richter-Fenster im Südquerhaus des Kölner Doms.« (Daniel Deckers, Unbeirrbar. Joachim Kardinal Meisner zum 80. Geburtstag, In: FAZ 24.12.2013, S. 4)

»Das von Peter Zumthor entworfene Gebäude hat schon mehrere Auszeichnungen erhalten. Doch jetzt ist das 2007 eröffnete Kolumba, Kunstmuseum des Erzbischofs Köln [!], auch für seine Ausstellungen geehrt worden; die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands (AICA) hat es zum "Museum des Jahres 2013" gekürt. Gerühmt wird der Dreiklang aus "hervorragender Architektur", einer "qualitätvollen Sammlung, die den Bogen zwischen alter und zeitgenössischer Kunst spannt", sowie einem Programm, das auch Künstlern eine Öffentlichkeit gebe, "die gemeinhin wenig Medieninteresse gewinnen". Zur Ausstellung des Jahres wählten die Kritiker die Fotoschau "Kairo – Offene Stadt." (aro, Krone für Kolumba. Köln hat das Museum des Jahres, in: FAZ 23.11.2013)

»Der Bau sollte ein architektonisches Schmuckstück werden, wie es in der Bischofsstadt kein zweites gibt. Schon die Baustelle zog Neugierige von nah und fern an. All zu viel zu sehen gab es freilich nicht. Denn lange Zeit verdeckten Planen und Mauern den Blick auf das Bauwerk, das als Komposition von Vergangenheit und Gegenwart Kunstgeschichte schreiben sollte. Als „Kolumba“ nach Jahren fertiggestellt wurde, war die Begeisterung einhellig. Lob ergoss sich nicht nur über den Architekten Peter Zumthor, der bald darauf mit den bedeutendsten Architekturpreisen der Welt ausgezeichnet wurde. Gerühmt wurde auch der Bauherr, das Generalvikariat des Erzbistums Köln. Es hatte sich das neue Kunstmuseum des Erzbistums stattliche 43,1 Millionen Euro kosten lassen. Sich? Fünf Millionen hatte das Land Nordrhein-Westfalen beigesteuert. Den Löwenanteil von annähernd 40 Millionen Euro brachte das von Joachim Kardinal Meisner und seinem Generalvikar Norbert Feldhoff geleitete Erzbistum auf – und das vollkommen geräuschlos. Denn der Kölner Kardinal war gut beraten. Noch ehe der Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde, hatte der Generalvikar das Projekt allen wichtigen Gremien zur Abstimmung vorgelegt, auch wenn diese in Haushaltsdingen nichts mitzureden hatten. Kirchensteuerrat, Priesterrat, Pastoralrat, nochmals Kirchensteuerrat – die Abstimmungen fielen stets mit überwältigender Mehrheit zugunsten des Vorhabens aus. Wieder einmal zeigte sich die Kirche von Köln in bester Tradition als Mäzen von Kunst und Kultur. Auch das neue Bischofshaus auf dem Limburger Domberg sollte ein architektonisches Schmuckstück werden, wie es in der Bischofsstadt kein zweites gibt. Schon die Baustelle zog Neugierige von nah und fern an. Allzu viel zu sehen gab es auch in Limburg nicht, denn lange Zeit verdeckten Planen und Mauern den Blick. Doch statt Kunstgeschichte schreibt das Bauwerk nun Kirchengeschichte. Denn als das sogenannte Diözesane Zentrum St. Nikolaus nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde, der Bauherr seinen Namen selbst in der „New York Times“ lesen konnte und in einer französischen Zeitung als „évêque bling-bling“ tituliert wurde, nahm dieser kurzerhand reißaus. In der Sonntagsfrühe flog er nach Rom. (...) Im Ordinariat im Limburg wiederum verfolgen die Mitarbeiter seit Tagen mit wachsendem Entsetzen, wie sich Bischof Tebartz von aller Verantwortung für die Kostenexplosion freisprechen will. In Limburg wie in Rom lässt er verbreiten, er sei nur der geistliche Leiter und in wirtschaftlichen Dingen vollkommen unerfahren. Diese Unerfahrenheit hielt ihn nicht davon ab, regelmäßig in Begleitung seines Generalvikars die Baustelle aufzusuchen und Änderungs- und Umplanungswünsche auf gelben Zetteln zu hinterlassen. Dass die zum Teil extravaganten Wünsche so gut wie möglich ausgeführt wurden, garantierten höchst professionell der Architekt Frielinghaus und der Diözesanbaumeister Staudt. Dass die am Bau beteiligten Unternehmen ihr Geld erhielten, wurde der Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG aufgegeben. Diese beglich die von der Bauleitung geprüften und abgezeichneten Rechnungen unter Inanspruchnahme eines Kontos, das bei einer Bank in Berlin geführt wurde, umgehend. Die Finanz- und Bauabteilung des Bischöflichen Ordinariates sollte von den Vorgängen rund um den Bau des Bischofshauses bestenfalls dem Augenschein nach Kenntnis nehmen können. Bischof Franz-Peter Tebartz-zu Elst und sein Generalvikar waren hingegen jederzeit über die Baufortschritte und die damit einhergehenden Aufwendungen informiert. Gleichwohl veröffentlichte die Pressestelle des Bistums auf deren Geheiß am 28. Juni die Mitteilung, dass der Bau exakt 9,85 Millionen Euro gekostet habe. Mittlerweile hat sich das Bistum mehrfach korrigiert. Derzeit ist von 31 Millionen Euro Baukosten die Rede, und selbst Domdekan Günter Geis hat dem Bischof öffentlich das Vertrauen entzogen. Nicht auszuschließen ist aber, dass das Haus des Bischofs von Limburg so viel Geld verschlungen haben könnte wie „Kolumba“. Doch Kardinal Meisner und Generalvikar Feldhoff standen wegen der Kosten des Kölner Diözesanmuseums nie in der Kritik. Sie hielten sich stets an das Recht.« (Daniel Deckers, In Limburg geht die Angst um, FAZ, 17.10.2013)

»Das Diözesanmuseum Kolumba in Köln hat es wiederum auf einzigartige Weise geschafft, seine von der Spätantike bis zur Gegenwart reichende Sammlung in wechselnden spannenden Präsentationen offenzulegen. Die thematischen Schauen laden zum Miterleben ein und zeigen exemplarisch, wie sich ein Museum mit Profil im 21. Jahrhundert positionieren kann.« (Swantje Karich, Holt die Bilder ans Licht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Beilage Bilder und Zeiten, 2.4.2011)

»Glücklicherweise sind die Wände in Kolumba nicht nur steil, sondern senkrecht und dienen damit optimal der Anbringung von Kunstwerken und geben andererseits dem einen großen Raum und den zahlreichen kleineren Räumen einen verblüffenden Reichtum an Maß und Proportion. Und: Nicht eine einzige Betonwand ist in diesem Museum zu finden. Vielmehr antworten dem glänzenden Teerrazzo oder dem stumpfen Mörtel des Bodens ausschließlich warmtonige, naturfarbene, lehmgeputzte Wände mit winzigen glitzernden Partikel, deren weiche, haptische Lebendigkeit die Besucher immer wieder zum Befühlen werleiten. Es stellt sich die Frage, ob das Auge als Bildlogo der Beaucamp'schen Kolumne "Kunststücke" blind ist für eine solche ästhetische Qualität, die mit anhaltender Nachdenklichkeit daherkommt, weshalb der Ort Kolumba inzwischen so beliebt geworden ist und viele Menschen zum wiederholten Besuch verleitet. Die latent vorgetragene Forderung nach einer größeren Präsenz sogenannter DDR-Künstler in der gesamten deutschen Museumslandschaft unterliegt mit jedem Werk einzig den für alle Kunst heranzuziehenden Qualitätkriterien. [...] Andernfalls entgleitet die kritische Fürsprache für benachteiligt geglaubte Künstler im erstickenden Sog einer Obsession, die im Sammelsurium von provozierenden, aber schalen Reizworten selbst zum engagiertesten Stammtischgespräch alter Herren nicht mehr taugt.« (Joachim M. Plotzek, Köln, Im Sog einer Obsession, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Briefe an die Herausgeber, 19.4.2011)

»Besucht man danach in Köln Peter Zumthors Museumsannex der Kriegsruine von St. Kolumba, ist es fast so, als hätte es einen vom freudigen Barock in eine kahle, ausgeräumte Calvinistenkirche verschlagen, wie sie der Holländer Pieter Sarenredam im siebzehnten Jahrhundert mit Vorliebe malte. Die Kölner Museumsleute setzen auf frostige Leere, auf Dunkel oder Halbdunkel, auf allersparsamste, bilderfeindliche Bespielung und eine aufdringliche Unterdrückung des Pathos. Man fühlt sich hier in jene freudlose Gruftästhetik zurückversetzt, wie man sie in den bußfertigen fünfziger Jahren pflegte. Köln zeigt jetzt den vierten Szenenwechsel im Neubau, der wieder mit den üppigen Beständen geizt und den begierigen Besucher mit minimalen Kostproben unter dem körperverleugnenden Motto 'Noli me tangere' (das 'Berühre mich nicht', das der auferstandene Christus Maria Magdalena entgegenhält) abspeist. Wieder verlieren sich einige wenige, oft winzige Objekte in Riesensälen oder vor steilen Betonwänden. Wieder wird jede Information verweigert und auf ein Begleitheftchen verwiesen, das in der künstlichen Düsternis nicht lesbar ist. In Köln herrscht eine unangenehme Verkrampfung, eine metaphysische Präsentation, die ästhetische Lust verbietet und den historischen Reichtum durch zeitgenössische Kargheiten verdirbt. Das ausdrucksstärkste Mittelalter, die Schönheiten der Gotik, der jubelnde Barock oder die akademische Frömmigkeit der rheinischen Spätnazarener werden permanent konterkariert durch schwache zeitgenössische Monochromien oder formale Exaltationen, die zu falschen Glaubensbezeugungen aufgerufen werden. Was soll es bedeuten, wenn im Vitrinenraum Ziervasen und Designgeschirr mit Reliquiaren, Monstranzen, archaischen Madonnen und Evangeliaren gemischt werden? Die Mysterien christlicher Kunst werden durch manirierte Mystifikationen entzaubert. Stefan Lochners göttliche 'Veilchenmadonna' fristet in der grauen Betonsteppe ein Exildasein, man möchte sie befreien und in den Dom oder ins Wallraf-Richartz-Museum entführen, wo sie wieder anbetungswürdig würde. Zum Glück haben die Brüder Boisserée Rogier van der Weydens 'Kolumba-Altar' schon 1836 nach München in Sicherheit gebracht, wo er unbehelligt in der Alten Pinakothek bewundert werden kann." (Eduard Beaucamp, Barock oder calvinistisch? Die Kirchen und die Gegen–wartskunst, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Freitag, 1.4.2011, Nr. 77, S.34)

»Zur Ausstellungseröffnung feierte das Architekturmuseum Peter Zumthor als Sieger der Sieger. Hauptbeweis war sein Kölner Diözesanmuseum. Niemand bezweifelt, dass die Art, wie er zeitgenössische monumentale Kuben (die ihrerseits an die römische Antike erinnern) und die schütteren gotischen Reste der einstigen Columbakirche verband vorbildlich ist. Aber zum Trimphator wird er in Frankfurt durch ein winziges Bauwerk – die Feldkapelle 'Bruder Klaus' bei Wachendorf.« (Dieter Bartezko, So viele Meister der neuen Bescheidenheit, FAZ, 23.1.2009, S.33)

»Architekturpreise gibt es mehrere in Deutschland, wenn auch längst nicht so viele wie Literaturpreise. Was es aber kaum gibt, sind Preise für Bauherren, obwohl jeder Architekt weiß, dass ein Haus nur so gut werden kann, wie der Auftraggeber es zulässt. Es ist deshalb ein Signal, dass der Kölner Haus- und Grundbesitzerverein von 1888 den Hanns-Schaefer-Preis in diesem Jahr an einen Bauherrn vergeben hat, und zwar an Joachim Kardinal Meisner für das Kunstmuseum Kolumba des Schweizer Architekten Peter Zumthor (F.A.Z. vom 15.September). Die Laudatio auf den Preisträger hielt Andreas Rossmann, Feuilletonkorrespondent dieser Zeitung in Nordrhein-Westfalen, der das Publikum ins Jahr 2088 entführte, in dem der Verein seinen zweihundertsten Geburtstag feiert, und einen spekulativen Rückblick auf eine Stadtentwicklung in Köln gab, die, angeregt und ausgehend von Kolumba, zu einer folgenreichen Allianz von Baumeistern und Bauherren und zu einer neuen Aufmerksamkeit für städtebauliche Belange geführt haben wird: 'Wenn der Umgang mit Architektur und die Haltung zur Stadt, wie sie Kolumba vorbildlich vorführt, auf das Bauen hier abfärben und Schule machen, dann muss einem bald um das Stadtbild von Köln nicht mehr bange sein.« (Kardinal Meisner als Bauherr geehrt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2008)

»Wo sich heute Zumthors mächtiger Bau erhebt, war für Kölner von 1945 bis zum Baubeginn tabuisiertes Gelände. [...] In die Umfassungsmauern der zerstörten Emporenbasilika hatte Gottfried Böhm nach dem Krieg eine kleine Kapelle genestelt, die eine spätgotische Madonna birgt. [...] In Köln gab es kaum einen anderen Ort, an dem das Leid des Krieges und die tapfere Improvisation der Nachkriegszeit noch nachvollziehbar waren. Wenn das Wort von der Wundpflege zutraf, dann hier: Es war eine Wunde im Fleisch der Stadt, wenn auch eine gepflegte. Davon zeugt nichts mehr. Zumthors Überbau hat sich Böhms Miniaturkapelle einverleibt wie der Walfisch den Jonas, übrigens ohne sie materiell anzutasten. Von der früheren Bebauung blieben in der Außenansicht nur als grafische Einträge an den Längsseiten die vermauerten spitzbogigen Fenster der Pfarrkirche und der Westseite ein Teil des alten Turmportals. Innen ist die Kapelle vom gleichfalls ummantelten und überdeckelten Grabungsterrain umgeben, darüber liegt das Hauptgeschoss des Museums. Wie das Preisgericht 1997 nach seiner Wahl Zumthors mit der Wettbewerbsforderung zu Rande kam, Böhms Bau dürfe »in seiner äußeren Schlichtheit und in der reizvollen inneren Lichtwirkung« nicht beeinträchtigt werden, bleibt sein Geheimnis. Beeindruckt von den auratischen Qualitäten des Zumthor-Projekts, sprachen die Juroren von einer »selbstbewussten Besetzung des Ortes«. Zumthor verkündete das Ende der Wundpflege. Die Wunde soll zuheilen, endlich. Keine Risse mehr, keine Fehlstellen. Allem Fragmentarischen, das den Bauplatz und seine Umgebung bestimmte, hält er ein harmonisierendes Bild der Einheit und des Zusammenhalts entgegen, fast triumphal. Der Kieg ging vor mehr als sechzig Jahren zu Ende, vergessen wir ihn. Die Nähe zu suchen, statt auf Distanz zu gehen, Homogenität und Kohärenz zu wollen statt Differenz und Alterität [...] Könnte es aber auch sein, dass Unlust an der analytischen Anstrengung, am dialektischen Spiel, an der permanten Reflexion beteiligt ist? Könnte es sein, dass ein größeres Maß an Normalität gewünscht ist, weil das Leben Selbstverständlichkeit und nicht einen Ausnahmezustand nach dem anderen benötigt? [...] Könnte dieser Wunsch nach Beiläufigkeit auch mit Geschichtsmüdigkeit zu tun haben? Mit dem Wunsch, nicht von Gedanken an überstandene Katastrophen, an Krieg, an Verluste belästigt zu werden? [...] Kohärenz und Kontinuität nehmen derzeit einen höheren Stellenwert ein als Differenz und Diskontinuität.[...] Wo in einer pluralistischen Gesellschaft kein Leitmodell für Lebensentwürfe existiert, wird es auch bei den Umgangsformen in Sachen Historie mehr als ein Modell geben dürfen.« (Wolfgang Pehnt, Die große Geschichtsvergessenheit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2008, Nr. 271, S. 35)

»Auf Kontinuität setzt Kolumba, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln: Nachfolger von Joachim Plotzek, der das Haus seit achtzehn Jahren leitet und nun in den Ruhestand tritt, wird Stefan Kraus, der schon ein Jahr spätere sein Mitarbeiter wurde.« (Andreas Rossmann, Kronprinz. Stefan Kraus wird Kolumba-Leiter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.4.2008)

»Es ist ein unkonventionelles Denkmal, das sich das Erzbistum Köln mit seinem Kunstmuseum Kolumba gesetzt hat, gerade auch, weil dieses, bei aller Einladung zur Einkehr, so weltzugewandt und zeitgemäß auftritt. Fast elf Jahre hat es von der Auslobung des Wettbewerbs bis zur Fertigstellung gedauert.…Doch nun hat ein einziges unbedachtes Wort, das so unbedacht, wie auf Nachfrage bestätigt wurde, gar nicht war, genügt, um aus der feierlichen Eröffnung am Freitag einen kulturpolitischen Eklat zu machen, und dafür gesorgt, dass nicht (so sehr) über das neue Haus, die Architektur und die Kunst gesprochen wird, sondern über den Erzbischof und seine verbale Entgleisung.« (Andreas Rossmann, Meisner in der Abseitsfalle, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.9.2007).

»Die klare Poesie, die Kolumba auszeichnet, ihre durchdachte Einfachheit und puristische Sinnlichkeit, hat erst einmal hiermit zu tun. Der Eingang versucht so nicht, sich lockvogelhaft zu plustern – kantig und unscheinbar ist er in die graue Ziegelfassade geschnitten, ohne schon irgendetwas von dem, was einen erwartet, preiszugeben. Der Besucher wird sich bewußt, in eine andere Sphäre hinüberzugleiten, keine, mit der er Schwellenangst, wohl aber eine, mit der er Lärm und Hektik, auch Schall und Rauch der Stadt, den Rücken kehrt.… Die Ausgrabung ist der größte Raum des Museums und von staunenswerter Erhabenheit, die Bill Fontanas Klanginstallation ‘Tauben von Kolumba‘ (1994) alltagspoetisch unterläuft. Zwölf Meter hoch, haust er die Kapelle 'Madonna in den Trümmern' ein, die Gottfried Böhm 1949/50 für eine vom Krieg nicht versehrte Marienfigur errichtet hat, und verändert ihre Lichtverhältnisse.… Die Ausstellungsräume bestätigen ihre Kraft in der sehr sparsamen, geradezu dramaturgisch inszenierten Bespielung, die keine Trennungen zwischen alter und zeitgenössischer, sakraler und profaner, autonomer und angewandter Kunst vornimmt… Aber zunächst einmal ist das Museum selbst, in dem klösterlich karge, schluchttiefe Treppen nach oben führen, das faszinierendste Exponat. Ein Ort der Einkehr von exklusiver Einfachheit, dessen Verbindung aus Detailsorgfalt, Materialaskese, Textur und handwerklicher Gediegenheit ihresgleichen sucht.« (Andreas Rossmann, Die Kunst der Fugenlosigkeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.9.2007, S.42)

»Was auf den ersten Eindruck als Suche nach Warhols schlichtem Katholizismus erscheint…, das erweist sich bei näherer Betrachtung als weitreichendere Kontextualisierung« (H. Beck, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.3.1999)

»Zum größten Ausstellungsgegenstand, dem man in diesem Museum begegnet, wird das Kapellengehäuse. In ihm sitzen Menschen, die Augenblicke der Stille oder des Gebets suchen. Getrennt durch Mauersbreite, aber um sie und über ihnen wandeln die Kunstfreunde. Wird diese Kirche dann noch Kirche sein? Im Kölner Jubel sollte nicht übersehen werden, was verlorengeht.« (Wolfgang Pehnt, Das Ende der Wundpflege, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.9.1998)

»Das ist das Ergebnis eines der schwierigsten und am sorgfältigsten vorbereiteten Architekturwettbewerbe der jüngsten Zeit« (Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.6.1997)