Kolumba
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»Vielleicht« ist eines der wichtigsten Wörter für jeden, der sich auf das Kolumba einlässt. Bisweilen teilen sich nur wenige Künstler einen großen Raum, es sind die Gedanken des Betrachters, nicht allein die Werke, die die Wände füllen müssen. Weil der Zusammenhang zwischen Sehen und Glauben nicht so einfach ist, inszeniert das Museum eher das »Ecce homo« als das triumphale »Halleluja«, eher die Zweifel als die Dogmen. … Weil ein kirchliches Armarium kein Waffenschrank ist, kommt das »Noli me tangere!« sanft daher: ein Diptychon aus dem 14. Jahrhundert zeigt die Bibelszene. So fragil wirkt die Elfenbeinarbeit, dass man sie gar nicht erst berühren möchte. Andere Werke wollen angefasst, begriffen, gefühlt werden. Im Foyer empfängt ein Bild des Kölner Künstlers Michael Toenges den Gast. … Zwei Stockwerke höher verlangt ein anderes Zentralobjekt nach Handgreiflichkeiten: »Pulsierende Stille« von Bernhard Leitner. Zwei schwarze Platten hängen von der Decke, an jeder ist ein Lautsprecher befestigt. Das Metall vibriert, die Boxen verströmen eine Brise. Zwischen den Platten summt, brummt, pocht es. Vielleicht ist »es« das Ich oder das Über-Ich. Gegenüber greift ein Bild von Joseph Marioni das Schwarz der Platten auf, so wie in einem anderen Raum ein monochromes Marioni-Bild den Farbton der versehrten Madonna von Jeremias Geißelbrunn aufnimmt. Das jedoch wäre ein plattes, rein dekoratives Farbenwandern. Bei längerem Hinschauen spielt das Schwarze ins Bläuliche, das Beige ins Rötliche. »Einmal im Jahr ist Kolumba ein neues Museum«, sagt Direktor Stefan Kraus. Diesmal ist es besonders neu, viele Stücke aus der Sammlung dürfen zum ersten Mal Boden, Decken und Wände des spektakulären Baus berühren. … Für Ausrufezeichen und Kniefälle sind die prächtigen Monstranzen zuständig, die immer wieder aufscheinen. Doch auch sie müssen auf Tuchfühlung gehen mit dem Fragilen, Aufgerauten, Rätselhaften. Im Nordturm hält ein Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert Abstand zu Krimhild Beckers Rauminstallation. Die Kölner Künstlerin hat eine morbide Wunderkammer arrangiert: Totenköpfe, Skelette, ausgestopfte Tiere, Geweihe. … Architekt Peter Zumthor hat keine triumphalen Treppen eingebaut, eher Stiegen. Am Ende eines langen Aufstiegs erwartet den Besucher ein kleines Bild, Kugelschreiber auf Papier, wie während einer langweiligen Konferenz gekritzelt. Ein Mensch sitzt zusammengekauert in einer Art Kokon. »Selbstbewusstsein«, hat Thomas Lehnerer sein Werk genannt. Ein Bild, das die Seelenlage vieler Katholiken mit wenigen Strichen umreißt. Bevor Journalisten den Bogen vom »Noli me tangere« zur Missbrauchsdebatte schlagen, spricht Stefan Kraus das Naheliegende an. Um eine Auseinandersetzung mit Liebe, Begehren und Respekt solle es gehen, um das Gegenteil von sexueller Gewalt. Man kann die Bildergeschichte vom kleinen Paul als Debattenbeitrag lesen.« (Christiane Florin, Einfach nicht zu fassen, Rheinischer Merkur, 16.9.2010).

»Peter Zumthors nagelneues Kunstmuseum des Erzbistums Köln hat die Kapelle verschluckt, „eingehaust“, wie es in der Baumeistersprache heißt. Die Ummantelung hat Ärger gemacht, trotz eines separaten Zugangs. Verständlicherweise konnte sich der Architekt Böhm mit dem Appetit des Schweizer Kollegen nicht abfinden, während sich die Kirchengemeinde vor der Verdunkelung des lichtdurchfluteten Andachtsraums fürchtete. Keinen Grund zur Klage hat dagegen die schöne Muttergottes: Sie steht nun in einem der Zentren, die dem vielgestaltigen Neubau Kolumba einen Spitzenplatz unter den aufregenden Museumseröffnungen der letzten Jahrzehnte bescheren.… Die Symbiose von religiöser und profaner, von alter und neuer Kunst durchzieht die gesamte Ausstellung als Programm, für das Museumsleiter Joachim M. Plotzek mit ansteckender Begeisterung verantwortlich zeichnet. Andy Warhols provozierend trivialisierte Kreuze treffen auf den 500 Jahre alten Schmerzensmann. Der Heilige Georg August Mackes hat Blickkontakt mit Joseph Maroni, dessen „Yellow Painting“ nichts als die Farbe Gelb zeigt. Unter dem einzigartigen Elfenbeinkruzifix aus romanischer Zeit ducken sich Wolfgang Laibs mit Reiskörnern bestreute Marmorhäuser. Begleitet von einem abstrakten Meditationsbild des Bauhausmeisters Josef Albers genießt Stefan Lochners festlich gekleidete „Madonna mit dem Veilchen“, die bereits in der ersten Ausstellung des Museums im Jahre 1854 den Mittelpunkt des Interesses eroberte, einen imposanten Auftritt mit Aussicht auf den Dom.« (Wolf Schön, Das Kunsthaus der Kirche, Rheinischer Merkur Nr. 38, 19.09.2007)
 

 
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KOLUMBA :: Kritiken :: Rheinischer Merkur

»Vielleicht« ist eines der wichtigsten Wörter für jeden, der sich auf das Kolumba einlässt. Bisweilen teilen sich nur wenige Künstler einen großen Raum, es sind die Gedanken des Betrachters, nicht allein die Werke, die die Wände füllen müssen. Weil der Zusammenhang zwischen Sehen und Glauben nicht so einfach ist, inszeniert das Museum eher das »Ecce homo« als das triumphale »Halleluja«, eher die Zweifel als die Dogmen. … Weil ein kirchliches Armarium kein Waffenschrank ist, kommt das »Noli me tangere!« sanft daher: ein Diptychon aus dem 14. Jahrhundert zeigt die Bibelszene. So fragil wirkt die Elfenbeinarbeit, dass man sie gar nicht erst berühren möchte. Andere Werke wollen angefasst, begriffen, gefühlt werden. Im Foyer empfängt ein Bild des Kölner Künstlers Michael Toenges den Gast. … Zwei Stockwerke höher verlangt ein anderes Zentralobjekt nach Handgreiflichkeiten: »Pulsierende Stille« von Bernhard Leitner. Zwei schwarze Platten hängen von der Decke, an jeder ist ein Lautsprecher befestigt. Das Metall vibriert, die Boxen verströmen eine Brise. Zwischen den Platten summt, brummt, pocht es. Vielleicht ist »es« das Ich oder das Über-Ich. Gegenüber greift ein Bild von Joseph Marioni das Schwarz der Platten auf, so wie in einem anderen Raum ein monochromes Marioni-Bild den Farbton der versehrten Madonna von Jeremias Geißelbrunn aufnimmt. Das jedoch wäre ein plattes, rein dekoratives Farbenwandern. Bei längerem Hinschauen spielt das Schwarze ins Bläuliche, das Beige ins Rötliche. »Einmal im Jahr ist Kolumba ein neues Museum«, sagt Direktor Stefan Kraus. Diesmal ist es besonders neu, viele Stücke aus der Sammlung dürfen zum ersten Mal Boden, Decken und Wände des spektakulären Baus berühren. … Für Ausrufezeichen und Kniefälle sind die prächtigen Monstranzen zuständig, die immer wieder aufscheinen. Doch auch sie müssen auf Tuchfühlung gehen mit dem Fragilen, Aufgerauten, Rätselhaften. Im Nordturm hält ein Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert Abstand zu Krimhild Beckers Rauminstallation. Die Kölner Künstlerin hat eine morbide Wunderkammer arrangiert: Totenköpfe, Skelette, ausgestopfte Tiere, Geweihe. … Architekt Peter Zumthor hat keine triumphalen Treppen eingebaut, eher Stiegen. Am Ende eines langen Aufstiegs erwartet den Besucher ein kleines Bild, Kugelschreiber auf Papier, wie während einer langweiligen Konferenz gekritzelt. Ein Mensch sitzt zusammengekauert in einer Art Kokon. »Selbstbewusstsein«, hat Thomas Lehnerer sein Werk genannt. Ein Bild, das die Seelenlage vieler Katholiken mit wenigen Strichen umreißt. Bevor Journalisten den Bogen vom »Noli me tangere« zur Missbrauchsdebatte schlagen, spricht Stefan Kraus das Naheliegende an. Um eine Auseinandersetzung mit Liebe, Begehren und Respekt solle es gehen, um das Gegenteil von sexueller Gewalt. Man kann die Bildergeschichte vom kleinen Paul als Debattenbeitrag lesen.« (Christiane Florin, Einfach nicht zu fassen, Rheinischer Merkur, 16.9.2010).

»Peter Zumthors nagelneues Kunstmuseum des Erzbistums Köln hat die Kapelle verschluckt, „eingehaust“, wie es in der Baumeistersprache heißt. Die Ummantelung hat Ärger gemacht, trotz eines separaten Zugangs. Verständlicherweise konnte sich der Architekt Böhm mit dem Appetit des Schweizer Kollegen nicht abfinden, während sich die Kirchengemeinde vor der Verdunkelung des lichtdurchfluteten Andachtsraums fürchtete. Keinen Grund zur Klage hat dagegen die schöne Muttergottes: Sie steht nun in einem der Zentren, die dem vielgestaltigen Neubau Kolumba einen Spitzenplatz unter den aufregenden Museumseröffnungen der letzten Jahrzehnte bescheren.… Die Symbiose von religiöser und profaner, von alter und neuer Kunst durchzieht die gesamte Ausstellung als Programm, für das Museumsleiter Joachim M. Plotzek mit ansteckender Begeisterung verantwortlich zeichnet. Andy Warhols provozierend trivialisierte Kreuze treffen auf den 500 Jahre alten Schmerzensmann. Der Heilige Georg August Mackes hat Blickkontakt mit Joseph Maroni, dessen „Yellow Painting“ nichts als die Farbe Gelb zeigt. Unter dem einzigartigen Elfenbeinkruzifix aus romanischer Zeit ducken sich Wolfgang Laibs mit Reiskörnern bestreute Marmorhäuser. Begleitet von einem abstrakten Meditationsbild des Bauhausmeisters Josef Albers genießt Stefan Lochners festlich gekleidete „Madonna mit dem Veilchen“, die bereits in der ersten Ausstellung des Museums im Jahre 1854 den Mittelpunkt des Interesses eroberte, einen imposanten Auftritt mit Aussicht auf den Dom.« (Wolf Schön, Das Kunsthaus der Kirche, Rheinischer Merkur Nr. 38, 19.09.2007)