Kolumba
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»Was die Menschen hier mitnehmen, das liegt bei den Menschen selbst

Das Museum Kolumba in Köln gehört zu den ganz besonderen in der deutschen Museumslandschaft. Ein Ort der Ruhe und Besinnung, errichtet auf kirchlichen Grundmauern. Architekt war Peter Zumthor. Wir fragten Stefan Kraus, Direktor des Museums Kolumba, zu seinem Verständnis von Architektur, Kunst und ästhetischer Erfahrung.

Herr Dr. Kraus, als Direktor des Museums Kolumba sind Sie auch Repräsentant für das Selbstverständnis dieses Gebäudes, das die Menschen offenbar bewegt. Was ist es genau, was die Menschenhier spüren?
Da müssen Sie die Besucher unseres Museumsselbst fragen, da ich in sie nicht hineindenkenmöchte. Es war eines der wichtigsten Ziele, dassdas Kunstmuseum des Erzbistums Köln den Begriffdes Museums noch einmal in eine andere Richtung denkt: Das Museum als Ort der ästhetischen Erfahrung und Bildung, die über die Wahrnehmung funktioniert. Was die Menschen hiermitnehmen, das liegt bei den Menschen selbst. Unser Anliegen – als Bauherr, Nutzer und Museumskuratoren– war es, dieses Angebot möglichst präzise zu fassen, damit es desto eher verstanden werden kann. Sie erleben hier eine Art Raumverführung: Man betritt ein Museum, zahlt Eintritt und erwartet, dass man einen Audioguideerhält und durch die Sammlung geführt wird. Hier aber stellt man fest: das gibt es nicht. Man bekommt ein Heftchen, betritt ein Foyer – und soll verführt werden zu überlegen: gehe ich jetzt in die Ausstellungsräume oder nutze ich das Angebot,in den Innenhof zu gehen, einen Stuhl zu nehmen und mich dorthin zu setzen, wo ich sitzen möchte. Also: die Andersartigkeit des Konzeptes Kolumba. Die Präzisierung dessen, was Kolumba beim Menschen erreichen will, fängt im Grundegenommen hier unten im Foyer an und nimmt konkret Bezug auf die Örtlichkeit.

Diese Präzisierung begann, als Sie als Bauherr die Aufgabe formulierten. Die Hinterfragungen: Warum so, weshalb nicht anders …
Das Projekt hatte eine Laufzeit von 18 Jahren, bis es im letzten Jahr eingeweiht wurde. Die ersten Überlegungen zum neuen Museum hatten verschiedene Wurzeln. Eine der wichtigsten war, zu reflektieren, in welchem Museum wir uns eigentlich befinden. Diözesanmuseum Köln hieß es seit 1853. Als wir das Museum unter der Leitung von Joachim M. Plotzek als Team übernommen haben, war es ein – in positivem Sinne– Sammelsurium: hohe Kultur, Volkskunst und Dinge, die durch Zufälle in diese Sammlung gekommenwaren. Es gab also nicht die Voraussetzung eines Museums, das in bestimmter Weise kunstgeschichtlich geführt wird und Schwerpunktehat. Die Idee des Sammelsuriums erschien uns als eine sehr schöne: Um das Sammelsurium als eine Qualität des Sammelns und Musealen überhauptwieder ins Bewusstsein zu bringen. Wir hatten den Eindruck, es könnte spannend werden, ein Museum auf Grund des vorhandenen Bestandes noch einmal weiterzudenken – und natürlich die zeitgenössische Kunst hinzuzulegen. Der zweite Strang ist dieser Ort, die Entscheidung genau hier zu bauen. Wir waren uns bewusst: wenn wir hier bauen, dann stehen wir in der Verantwortung, diesem wichtigen Ort der Vergangenheit gerecht werden zu müssen und der Qualität, die es hier gehabt hat bis zum Zweiten Weltkrieg, entsprechen zu müssen.

Ist es nicht ein „Luxus“, sich so viel Zeit zu nehmen,so viele Gedanken machen zu können?
Der Träger spielt hier die entscheidende Rolle überhaupt. Er hat eine große Tradition im Bauen und ist lange Prozesse gewöhnt. Als Museumsleute haben wir empfohlen, sich diese Souveränität wieder zu Eigen zu machen: nämlich mit der größten Gelassenheit Kultur wirklich zu fördern und zu tragen. Das ist das, was Kolumba im Ergebnis beweist: dass die Gelassenheit, mit der man Dinge in einen Kontext bringt, mit der man sich Zeit lässt, bestimmte Dinge zu entwickeln, mit der man an Hürden herangeht – dass die sich am Ende auch auszahlen kann. Der einzige „Luxus“ bestand darin, diesen Prozess auszuhalten und z.B. zu sagen: Ja, wir nehmen uns wirklich fünfeinhalb Jahre Planungszeit.

Für die Kölner war Kolumba immer ein wichtiger Ort – der jetzt neu interpretiert wurde.
Das war in der gesamten Entwicklungsphase die größte Schwierigkeit. Dieses dialektische Vorgehen ist im Grunde genommen nicht zu vermitteln: man baut um zu erhalten. Man verändert um zu bewahren. Das ist kaum jemandem – trotz der vielen Vorträge, die wir gehalten haben – wirklich zu vermitteln gewesen.

War das ein bewusster Prozess?
Ein ganz bewusster Prozess. Für die Kölner war dieser Ort nach dem Krieg reduziert auf die auch uns wichtige Kapelle „Madonna in den Trümmern“, während das Gelände hinter der Kapelle ein verwunschener und vergessener Ort war. Uns war bewusst, wenn wir hier bauen, dann gilt die Komplexität des Ganzen. Ähnlich wie im Sammelsurium der Sammlung. Wir möchten die Komplexität erhalten. Dazu gehört, dass wir vom Neubauprojekt erwartet haben, dass es die Zusammengehörigkeit der Kapelle mit der Ruine wieder thematisiert. Dass Sie beim Betreten der Kapelle spüren, Sie betreten den Turmsockel einer romanischen Kirche, der durch den Neubau von Gottfried Böhm 1950 zur Kapelle der „Madonna in den Trümmern“ bzw. 1956 durch die zugehörige „Sakramentskapelle“ erweitert wurde. Peter Zumthors Denken und das des Bauherrn war es, die Geschichte dieses Ortes wieder aufzuwerten. Das ist die große Radikalität seines Entwurfes: zu sagen, wir gehen auf den alten Kirchengrundriss, wir entwickeln das Ganze – so wie das Museumskonzept entwickelt wird auf der Grundlage der alten Kunst – vom vorhandenen Bestand aus, mit aller Konsequenz.

Kolumba ist als Gebäude zum Erwandern, zum„Sich-selbst-entdecken“ geplant. Funktioniert dieses Konzept?
Die Freiheit des Besuchers ist das Entscheidende. Das heißt aber auch, dem Besucher Verantwortung zu übergeben. Er muss Entscheidungen für sich selbst treffen. Dies ist kein Konzept, das aus dem Nichts heraus entstanden ist. Vom Museologischen wie vom Architektonischen herkommend haben wir alles radikal auf den Prüfstand gestellt. Unser gedanklicher Ausgangspunkt war: Was braucht Kunst eigentlich? Kunst braucht eine Bedingung: wahrgenommen zu werden. Und: Was möchte ich vermitteln? 1320 fränkisch? Oder möchte ich ein ästhetisches Erlebnis, eine ästhetische Erfahrung vermitteln? Von dieser Perspektive aus ein Haus zu denken, das war die Aufgabe. Mit dem Ziel, dass der Besucher diese Angebote aufgreifen kann. Und so ist es schon eine Freude, wenn man in vielen Situationen hört: „Das Schöne an diesem Haus ist, man hat den Eindruck, es richtet einen auf!“ Wenn uns das gelingt, dann glaube ich, hat dieses Kunstmuseum viel erreicht.

Was Vorbild gebend ist, ist aber die Haltung – das Auseinandersetzen mit der eigenen Aufgabe…
Am Ende steht das im Mittelpunkt, nach dem Sie ganz am Anfang gefragt haben. „Was will man bei den Menschen erreichen?“ Das ist ein Museum, das sich wirklich nach den Menschen richtet. Das war unser Ziel. Dass Menschen hier spüren: „Ich betrete Kolumba und merke, das ist ein anderer Ort. Da geht eine andere Zeit. Man will mir jetzt nichts verkaufen, man will eigentlich gar nicht groß an mich ran, sondern ich kann hier wirklich erst einmal ich selber sein.“

Ist es ein Phänomen unserer Zeit, dass wir solche Orte brauchen?
Als Kölner gestehe ich gerne, dass ich mit Leidenschaft die romanischen Kirchen besuche. Ich finde vieles von dem wieder, was ich auch in unserem Gebäude wieder finde. Ich würde mir wünschen, dass Kolumba, in dem es zeigt, was ein Raum den Menschen geben kann, noch einmal Rückschlüsse zulässt auf das, wie wir mit Kirchenräumen umgehen sollten: In vielen Kirchenräumen findet sich genau das, was wir hier auf den Prüfstand gestellt haben. Wenn ich heute Kirchen betrete, werde ich in vielen Fällen überfallen von Infoständen, die dort einfach nicht hingehören. Ich werde überfallen von Beliebigkeiten im Altarraum, die jede Vorstellung sprengen. Das wäre die Hoffnung: dass Kolumba ein Beispiel bringt. Obwohl Kolumba ganz klar keine Kirche ist. Andererseits, wenn man auf dem Grundriss einer Kirche baut, dann macht es schon Sinn, dass dieses Haus zeigt, dass es Stimmungen bringen kann, die man vielleicht auch von einem Kirchenraum erwarten würde. Zumal es ja eine Vielzah lvon Exponaten hat, die ursprünglich aus Kirchenkommen. Das war unsere Hoffnung, dass wir zu Räumen kommen werden, wo sich solche Stücke ihrer Herkunft erinnern.

Denken Sie, es ist zulässig, das Sakrale auch zu übertragen auf einen Bahnhof, auf ein Einkaufszentrum, oder profanisiert man damit den traditionellen Kirchenraum?
Das Reizvolle an Architektur ist ja, dass jede Bauaufgabe im Grunde genommenn och ein eigenes Anliegen mitbringt. Ich glaube, dass jeder Raum im Stande sein kann, dem Menschen mehr zu geben als die reine Funktionserfüllung. Da decken sich dann auch wieder der Anspruch der Architektur und der Anspruch der Kunst. Das ist das, was zu Stimmungen führen wird beim Menschen. Dass er sieht oder spürt, intuitiv, bewusst reflektierend oder auch nicht: es gibt dieses „Mehr“. Und das „Mehr“ berührt.

Vielen Dank für das Gespräch.

(betonprisma online / betonprisma 87, 2008)
 

 
www.kolumba.de

KOLUMBA :: Kritiken :: Betonprisma

»Was die Menschen hier mitnehmen, das liegt bei den Menschen selbst

Das Museum Kolumba in Köln gehört zu den ganz besonderen in der deutschen Museumslandschaft. Ein Ort der Ruhe und Besinnung, errichtet auf kirchlichen Grundmauern. Architekt war Peter Zumthor. Wir fragten Stefan Kraus, Direktor des Museums Kolumba, zu seinem Verständnis von Architektur, Kunst und ästhetischer Erfahrung.

Herr Dr. Kraus, als Direktor des Museums Kolumba sind Sie auch Repräsentant für das Selbstverständnis dieses Gebäudes, das die Menschen offenbar bewegt. Was ist es genau, was die Menschenhier spüren?
Da müssen Sie die Besucher unseres Museumsselbst fragen, da ich in sie nicht hineindenkenmöchte. Es war eines der wichtigsten Ziele, dassdas Kunstmuseum des Erzbistums Köln den Begriffdes Museums noch einmal in eine andere Richtung denkt: Das Museum als Ort der ästhetischen Erfahrung und Bildung, die über die Wahrnehmung funktioniert. Was die Menschen hiermitnehmen, das liegt bei den Menschen selbst. Unser Anliegen – als Bauherr, Nutzer und Museumskuratoren– war es, dieses Angebot möglichst präzise zu fassen, damit es desto eher verstanden werden kann. Sie erleben hier eine Art Raumverführung: Man betritt ein Museum, zahlt Eintritt und erwartet, dass man einen Audioguideerhält und durch die Sammlung geführt wird. Hier aber stellt man fest: das gibt es nicht. Man bekommt ein Heftchen, betritt ein Foyer – und soll verführt werden zu überlegen: gehe ich jetzt in die Ausstellungsräume oder nutze ich das Angebot,in den Innenhof zu gehen, einen Stuhl zu nehmen und mich dorthin zu setzen, wo ich sitzen möchte. Also: die Andersartigkeit des Konzeptes Kolumba. Die Präzisierung dessen, was Kolumba beim Menschen erreichen will, fängt im Grundegenommen hier unten im Foyer an und nimmt konkret Bezug auf die Örtlichkeit.

Diese Präzisierung begann, als Sie als Bauherr die Aufgabe formulierten. Die Hinterfragungen: Warum so, weshalb nicht anders …
Das Projekt hatte eine Laufzeit von 18 Jahren, bis es im letzten Jahr eingeweiht wurde. Die ersten Überlegungen zum neuen Museum hatten verschiedene Wurzeln. Eine der wichtigsten war, zu reflektieren, in welchem Museum wir uns eigentlich befinden. Diözesanmuseum Köln hieß es seit 1853. Als wir das Museum unter der Leitung von Joachim M. Plotzek als Team übernommen haben, war es ein – in positivem Sinne– Sammelsurium: hohe Kultur, Volkskunst und Dinge, die durch Zufälle in diese Sammlung gekommenwaren. Es gab also nicht die Voraussetzung eines Museums, das in bestimmter Weise kunstgeschichtlich geführt wird und Schwerpunktehat. Die Idee des Sammelsuriums erschien uns als eine sehr schöne: Um das Sammelsurium als eine Qualität des Sammelns und Musealen überhauptwieder ins Bewusstsein zu bringen. Wir hatten den Eindruck, es könnte spannend werden, ein Museum auf Grund des vorhandenen Bestandes noch einmal weiterzudenken – und natürlich die zeitgenössische Kunst hinzuzulegen. Der zweite Strang ist dieser Ort, die Entscheidung genau hier zu bauen. Wir waren uns bewusst: wenn wir hier bauen, dann stehen wir in der Verantwortung, diesem wichtigen Ort der Vergangenheit gerecht werden zu müssen und der Qualität, die es hier gehabt hat bis zum Zweiten Weltkrieg, entsprechen zu müssen.

Ist es nicht ein „Luxus“, sich so viel Zeit zu nehmen,so viele Gedanken machen zu können?
Der Träger spielt hier die entscheidende Rolle überhaupt. Er hat eine große Tradition im Bauen und ist lange Prozesse gewöhnt. Als Museumsleute haben wir empfohlen, sich diese Souveränität wieder zu Eigen zu machen: nämlich mit der größten Gelassenheit Kultur wirklich zu fördern und zu tragen. Das ist das, was Kolumba im Ergebnis beweist: dass die Gelassenheit, mit der man Dinge in einen Kontext bringt, mit der man sich Zeit lässt, bestimmte Dinge zu entwickeln, mit der man an Hürden herangeht – dass die sich am Ende auch auszahlen kann. Der einzige „Luxus“ bestand darin, diesen Prozess auszuhalten und z.B. zu sagen: Ja, wir nehmen uns wirklich fünfeinhalb Jahre Planungszeit.

Für die Kölner war Kolumba immer ein wichtiger Ort – der jetzt neu interpretiert wurde.
Das war in der gesamten Entwicklungsphase die größte Schwierigkeit. Dieses dialektische Vorgehen ist im Grunde genommen nicht zu vermitteln: man baut um zu erhalten. Man verändert um zu bewahren. Das ist kaum jemandem – trotz der vielen Vorträge, die wir gehalten haben – wirklich zu vermitteln gewesen.

War das ein bewusster Prozess?
Ein ganz bewusster Prozess. Für die Kölner war dieser Ort nach dem Krieg reduziert auf die auch uns wichtige Kapelle „Madonna in den Trümmern“, während das Gelände hinter der Kapelle ein verwunschener und vergessener Ort war. Uns war bewusst, wenn wir hier bauen, dann gilt die Komplexität des Ganzen. Ähnlich wie im Sammelsurium der Sammlung. Wir möchten die Komplexität erhalten. Dazu gehört, dass wir vom Neubauprojekt erwartet haben, dass es die Zusammengehörigkeit der Kapelle mit der Ruine wieder thematisiert. Dass Sie beim Betreten der Kapelle spüren, Sie betreten den Turmsockel einer romanischen Kirche, der durch den Neubau von Gottfried Böhm 1950 zur Kapelle der „Madonna in den Trümmern“ bzw. 1956 durch die zugehörige „Sakramentskapelle“ erweitert wurde. Peter Zumthors Denken und das des Bauherrn war es, die Geschichte dieses Ortes wieder aufzuwerten. Das ist die große Radikalität seines Entwurfes: zu sagen, wir gehen auf den alten Kirchengrundriss, wir entwickeln das Ganze – so wie das Museumskonzept entwickelt wird auf der Grundlage der alten Kunst – vom vorhandenen Bestand aus, mit aller Konsequenz.

Kolumba ist als Gebäude zum Erwandern, zum„Sich-selbst-entdecken“ geplant. Funktioniert dieses Konzept?
Die Freiheit des Besuchers ist das Entscheidende. Das heißt aber auch, dem Besucher Verantwortung zu übergeben. Er muss Entscheidungen für sich selbst treffen. Dies ist kein Konzept, das aus dem Nichts heraus entstanden ist. Vom Museologischen wie vom Architektonischen herkommend haben wir alles radikal auf den Prüfstand gestellt. Unser gedanklicher Ausgangspunkt war: Was braucht Kunst eigentlich? Kunst braucht eine Bedingung: wahrgenommen zu werden. Und: Was möchte ich vermitteln? 1320 fränkisch? Oder möchte ich ein ästhetisches Erlebnis, eine ästhetische Erfahrung vermitteln? Von dieser Perspektive aus ein Haus zu denken, das war die Aufgabe. Mit dem Ziel, dass der Besucher diese Angebote aufgreifen kann. Und so ist es schon eine Freude, wenn man in vielen Situationen hört: „Das Schöne an diesem Haus ist, man hat den Eindruck, es richtet einen auf!“ Wenn uns das gelingt, dann glaube ich, hat dieses Kunstmuseum viel erreicht.

Was Vorbild gebend ist, ist aber die Haltung – das Auseinandersetzen mit der eigenen Aufgabe…
Am Ende steht das im Mittelpunkt, nach dem Sie ganz am Anfang gefragt haben. „Was will man bei den Menschen erreichen?“ Das ist ein Museum, das sich wirklich nach den Menschen richtet. Das war unser Ziel. Dass Menschen hier spüren: „Ich betrete Kolumba und merke, das ist ein anderer Ort. Da geht eine andere Zeit. Man will mir jetzt nichts verkaufen, man will eigentlich gar nicht groß an mich ran, sondern ich kann hier wirklich erst einmal ich selber sein.“

Ist es ein Phänomen unserer Zeit, dass wir solche Orte brauchen?
Als Kölner gestehe ich gerne, dass ich mit Leidenschaft die romanischen Kirchen besuche. Ich finde vieles von dem wieder, was ich auch in unserem Gebäude wieder finde. Ich würde mir wünschen, dass Kolumba, in dem es zeigt, was ein Raum den Menschen geben kann, noch einmal Rückschlüsse zulässt auf das, wie wir mit Kirchenräumen umgehen sollten: In vielen Kirchenräumen findet sich genau das, was wir hier auf den Prüfstand gestellt haben. Wenn ich heute Kirchen betrete, werde ich in vielen Fällen überfallen von Infoständen, die dort einfach nicht hingehören. Ich werde überfallen von Beliebigkeiten im Altarraum, die jede Vorstellung sprengen. Das wäre die Hoffnung: dass Kolumba ein Beispiel bringt. Obwohl Kolumba ganz klar keine Kirche ist. Andererseits, wenn man auf dem Grundriss einer Kirche baut, dann macht es schon Sinn, dass dieses Haus zeigt, dass es Stimmungen bringen kann, die man vielleicht auch von einem Kirchenraum erwarten würde. Zumal es ja eine Vielzah lvon Exponaten hat, die ursprünglich aus Kirchenkommen. Das war unsere Hoffnung, dass wir zu Räumen kommen werden, wo sich solche Stücke ihrer Herkunft erinnern.

Denken Sie, es ist zulässig, das Sakrale auch zu übertragen auf einen Bahnhof, auf ein Einkaufszentrum, oder profanisiert man damit den traditionellen Kirchenraum?
Das Reizvolle an Architektur ist ja, dass jede Bauaufgabe im Grunde genommenn och ein eigenes Anliegen mitbringt. Ich glaube, dass jeder Raum im Stande sein kann, dem Menschen mehr zu geben als die reine Funktionserfüllung. Da decken sich dann auch wieder der Anspruch der Architektur und der Anspruch der Kunst. Das ist das, was zu Stimmungen führen wird beim Menschen. Dass er sieht oder spürt, intuitiv, bewusst reflektierend oder auch nicht: es gibt dieses „Mehr“. Und das „Mehr“ berührt.

Vielen Dank für das Gespräch.

(betonprisma online / betonprisma 87, 2008)