Kolumba
Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
tel +49 (0)221 9331930
fax +49 (0)221 93319333

     
7. Mai bis 25. August 2014
Achim Lengerer – Scriptings #40: Entretien sonore avec Fernand Deligny (Öffentliche Proben für eine Tonspur)

Achim Lengerer setzt sich in seiner künstlerischen Praxis mit verschiedenen Wirkungs- und Funktionsweisen von Sprache und Text auseinander. Neben Performances, Rauminstallationen und Publikationen gehören Workshops, performative Vorträge und öffentliche Veranstaltungen zu seinen Ausdrucksformen. In Berlin betreibt er den Ausstellungsraum und Verlag Scriptings. | Die Auseinandersetzung mit dem französischen Pädagogen, Schriftsteller und Filmemacher Fernand Deligny (1913–1996) ist Ausgangspunkt des Projektes, das Achim Lengerer in Zusammenarbeit mit Kolumba, dem Musikstudio des Westdeutschen Rundfunks sowie FLACC Workplace for Visual Artists (Genk, Belgien) realisieren wird. Deligny beginnt in den 1940er Jahren, als Sozialarbeiter mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Von Anfang an begleitet er seine Arbeit schreibend: »Le moindre geste a une histoire«/»Die kleinste Geste hat eine Geschichte«, notiert er als ersten Satz für den November 1966 im Journal d’un éducateur/Tagebuch eines Pädagogen. Im Verlauf der 60er Jahre zieht sich Fernand Deligny mehr und mehr aus jedwedem institutionellen Zusammenhang zurück. Er gründet mit jungen Erwachsenen in Südfrankreich eine Siedlung, um mit von der Psychiatrie als »autistisch« bezeichneten Kindern zusammenzuleben. In seiner pädagogischen Arbeit ist es nicht Ziel, die ihnen anvertrauten Kinder zu erziehen oder zu heilen. Vielmehr wird versucht, den Kindern innerhalb (und außerhalb) der Lebensstruktur der Erwachsenen abweichende Wege zu er-möglichen, ihnen ein Um- und Handlungsfeld für ihre wesenseigene Nutzung von Raum und Zeit zu schaffen. Durch die Jahrzehnte entstehen mehrere dokumentarische Filmprojekte mit begleitenden Texten (u.a. Le Moindre Geste, 1962–1971, und Ce gamin, là, 1975, Regie: Renaud Victor) sowie Schriften zum kinematografischen Bild (Camérer, 1983, und Ce qui ne se voit pas, 1990). Delignys Nachdenken über den Film zeigt sich z.B. in der Art und Weise, wie in Ce gamin, là die Tonspur eingesetzt wird: Deligny nutzt das filmische Voix-off/Voice-over als (s)eine literarische Erzählstimme, die dem filmischen Bild vorsichtig parallel gesetzt wird; eine Tonspur, die der Bildspur »angelegt« wird und die sich in fragiler Balance zum NICHT SPRECHEN der Kinder artikuliert. Achim Lengerer nähert sich dem Denken von Fernand Deligny »innerhalb und außerhalb der Sprache«. Ein Archivraum in Kolumba dokumentiert die Arbeit von Fernand Deligny und seinen Mitarbeitenden: Zeichnungen, Karten, Zeitschriften, Bücher, Texte und der Film Ce gamin, là geben Einblick in deren Denken und Handeln. Mit dem sprachlichen Denken von Deligny wird sich Achim Lengerer in einem kollektiven Übersetzungsworkshop auseinandersetzen. Den benachbarten, gänzlich leergeräumten Turmraum nutzt er als Handlungsfeld »hors langage/außerhalb von Sprache«. Mit Öffentlichen Proben für eine Tonspur eröffnet er ein Experimentierfeld für soziale Beziehungen, um anknüpfend an Delignys Unterscheidung der Verben »faire/machen« und »agir/handeln« zielgerichtetes bzw. zielfreies Handeln zu erproben. Wie können Räume der akustischen, sinnlichen Interaktion und sozialen (Ver-)Handlung geschaffen werden, die von Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, aber auch von Abweichung geprägt sind und die sich jenseits hierarchisierender Sprache artikulieren? | Bei FLACC in Belgien wird das Projekt den Museumsraum verlassen: In der Gemeinde Genk sollen die erprobten Strategien der (Ver-)Handlung in eine zeitgenössische sozialtherapeutische Arbeitspraxis mit verschiedenen privat oder städtisch organisierten Gruppen eingebracht werden. Wird sich hier die künstlerische Praxis als naiver Versuch ausweisen? Oder lassen sich vereinzelte gefundene Bewegungen auch im gesellschaftlichen Raum außerhalb des Museums anwenden? Können sie eine soziale Relevanz entwickeln, die einen gesellschaftlichen Anspruch formuliert?

Teilnahme an öffentlichen PROBEN:
14.–18. Mai, 18.–22. Juni, 16.–20 Juli, 13.–17. August , jeweils 12–17 Uhr. Bitte um Anmeldung unter mail@kolumba.de.

Das gesamte Projekt wird dokumentiert in einem Hörstück, das in Zusammenarbeit mit dem WDR in Köln entsteht, sowie in der Publikation Scriptings#40, die bei FLACC realisiert und im Winter 2014 erscheinen wird.

Veranstaltungen (regulärer Eintritt):

15. Mai, 18 Uhr, Bibliothekstisch
Agir et Faire hors language/Handeln und Machen außerhalb der Sprache
Achim Lengerer und Barbara von Flüe im Gespräch mit Sandra Alvarez de Toledo, Verlegerin (engl./frz./dt.) (Das Museum ist bis 18 Uhr geöffnet)

17. Juli, 18 Uhr, Bibliothekstisch
Ce qui ne se voit pas/Das was sich nicht sieht (Was nicht gesehen wird)
Achim Lengerer im Gespräch mit Hartwig Zander über Delignys »kinematografische Schriften«

14. August, 18 Uhr, Kolumba
Le moindre geste a une histoire/Die kleinste Geste hat eine Geschichte
Regina Barunke, Leiterin Temporary Gallery, Köln im Gespräch mit Achim Lengerer

20. August, 20 Uhr, Kino 813
Ce gamin, là, Regie: Renaud Victor, 1975
Filmvorführung und Performance mit Achim Lengerer, Maria Iorio und Raphaël Cuomo, Kino 813 in der BRÜCKE, Hahnenstraße 6, 50667 Köln


_

Kunstmuseum
des Erzbistums Köln

Aktuell
Architektur
Ausstellungen
Filme
Info
Kapelle
Kritiken
Museumsgeschichte
Publikationen
Texte
Veranstaltungen
Vermittlung

2017 Barthel Bruyn
2016 Street Art-Projekt
2016 Kurt Benning
2016 Über das Individuum

2016 Bethan Huws
2015 Shopmovies
2015 Anna & Bernhard Blume
2015 Der rote Faden

2015 Museum für Zeichnung
2015 Birgit Antoni: Kino
2014 Schwindel der Wirklichkeit
2014 playing by heart

2014 Achim Lengerer
2014 Bruno Jakob
2013 zeigen verhüllen verbergen

2013 Eucharistie
2013 Norbert Schwontkowski
2013 Pascal Schwaighofer
2012 Art is Liturgy – Paul Thek

2012 Leiko Ikemura
2012 Volker Saul
2012 Jaromir Novotny
2011 Birgit Antoni
2011 denken

2011 Philipp Wewerka
2011 Kunst-Station St. Peter
2010 Mischa Kuball
2010 Noli me tangere!

2010 Heinrich Küpper
2010 Robert Haiss
2010 Renate Köhler
2010 Georg Baumgarten
2009 Stefan Wewerka
2009 Hinterlassenschaft

2009 Koho Mori-Newton
2009 Hermann Abrell
2008 Heiner Binding
2008 Der Mensch verlässt die Erde

2007 Der unendliche Raum…

2006 Im Garten der Wirklichkeit II
2006 Werner Schriefers
2006 Im Garten der Wirklichkeit I
2005 Schenkung Egner
2005 Leiko Ikemura
2005 Arma Christi
2005 Hans Josephsohn
2005 Die koptischen Textilien
2005 Birgit Antoni
2004 Monika Bartholomé
2004 Max Cole
2003 Reliquienkreuze
2004 Heinrich Küpper
2003 Martin Frommelt
2003 150 Jahre!
2002 Attila Kovács
2002 Herbert Falken
2002 Peter Tollens
2001 ars vivendi
2001 Peter Zumthor
2000 Volumen
2000 walkmen
2000 Die Schenkung Härle
2000 Kinderzeichnungen
2000 Über die Wirklichkeit
1999 Andor Weininger
1999 Joseph Marioni
1999 Andy Warhol
1998 Kunsthalle Baden-Baden
1998 Glaube und Wissen
1998 Stephan Baumkötter
1998 Bernd Ikemann
1998 Kabakov Pane u.a.
1998 Hildegard Domizlaff
1997 Cage Tsangaris u.a.
1997 Richard Serra
1997 Manos Tsangaris
1997 Kunst-Station
1997 Klaus vom Bruch
1997 Über den Ort: Kolumba
1996 Über die Ambivalenz
1996 Chris Newman
1996 Peter Tollens
1996 Wolfgang Laib
1996 Über die Farbe
1995 Frühchristliche Kunst
1995 Mischa Kuball
1995 Palast der Kunst
1995 Horn Falken Michals, u.a.
1995 Monika Bartholomé
1993 Tápies Thek Tuttle u.a.
1992 Vaticana
 

 
www.kolumba.de

KOLUMBA :: Ausstellungen :: 2014 Achim Lengerer

7. Mai bis 25. August 2014
Achim Lengerer – Scriptings #40: Entretien sonore avec Fernand Deligny (Öffentliche Proben für eine Tonspur)

Achim Lengerer setzt sich in seiner künstlerischen Praxis mit verschiedenen Wirkungs- und Funktionsweisen von Sprache und Text auseinander. Neben Performances, Rauminstallationen und Publikationen gehören Workshops, performative Vorträge und öffentliche Veranstaltungen zu seinen Ausdrucksformen. In Berlin betreibt er den Ausstellungsraum und Verlag Scriptings. | Die Auseinandersetzung mit dem französischen Pädagogen, Schriftsteller und Filmemacher Fernand Deligny (1913–1996) ist Ausgangspunkt des Projektes, das Achim Lengerer in Zusammenarbeit mit Kolumba, dem Musikstudio des Westdeutschen Rundfunks sowie FLACC Workplace for Visual Artists (Genk, Belgien) realisieren wird. Deligny beginnt in den 1940er Jahren, als Sozialarbeiter mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Von Anfang an begleitet er seine Arbeit schreibend: »Le moindre geste a une histoire«/»Die kleinste Geste hat eine Geschichte«, notiert er als ersten Satz für den November 1966 im Journal d’un éducateur/Tagebuch eines Pädagogen. Im Verlauf der 60er Jahre zieht sich Fernand Deligny mehr und mehr aus jedwedem institutionellen Zusammenhang zurück. Er gründet mit jungen Erwachsenen in Südfrankreich eine Siedlung, um mit von der Psychiatrie als »autistisch« bezeichneten Kindern zusammenzuleben. In seiner pädagogischen Arbeit ist es nicht Ziel, die ihnen anvertrauten Kinder zu erziehen oder zu heilen. Vielmehr wird versucht, den Kindern innerhalb (und außerhalb) der Lebensstruktur der Erwachsenen abweichende Wege zu er-möglichen, ihnen ein Um- und Handlungsfeld für ihre wesenseigene Nutzung von Raum und Zeit zu schaffen. Durch die Jahrzehnte entstehen mehrere dokumentarische Filmprojekte mit begleitenden Texten (u.a. Le Moindre Geste, 1962–1971, und Ce gamin, là, 1975, Regie: Renaud Victor) sowie Schriften zum kinematografischen Bild (Camérer, 1983, und Ce qui ne se voit pas, 1990). Delignys Nachdenken über den Film zeigt sich z.B. in der Art und Weise, wie in Ce gamin, là die Tonspur eingesetzt wird: Deligny nutzt das filmische Voix-off/Voice-over als (s)eine literarische Erzählstimme, die dem filmischen Bild vorsichtig parallel gesetzt wird; eine Tonspur, die der Bildspur »angelegt« wird und die sich in fragiler Balance zum NICHT SPRECHEN der Kinder artikuliert. Achim Lengerer nähert sich dem Denken von Fernand Deligny »innerhalb und außerhalb der Sprache«. Ein Archivraum in Kolumba dokumentiert die Arbeit von Fernand Deligny und seinen Mitarbeitenden: Zeichnungen, Karten, Zeitschriften, Bücher, Texte und der Film Ce gamin, là geben Einblick in deren Denken und Handeln. Mit dem sprachlichen Denken von Deligny wird sich Achim Lengerer in einem kollektiven Übersetzungsworkshop auseinandersetzen. Den benachbarten, gänzlich leergeräumten Turmraum nutzt er als Handlungsfeld »hors langage/außerhalb von Sprache«. Mit Öffentlichen Proben für eine Tonspur eröffnet er ein Experimentierfeld für soziale Beziehungen, um anknüpfend an Delignys Unterscheidung der Verben »faire/machen« und »agir/handeln« zielgerichtetes bzw. zielfreies Handeln zu erproben. Wie können Räume der akustischen, sinnlichen Interaktion und sozialen (Ver-)Handlung geschaffen werden, die von Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, aber auch von Abweichung geprägt sind und die sich jenseits hierarchisierender Sprache artikulieren? | Bei FLACC in Belgien wird das Projekt den Museumsraum verlassen: In der Gemeinde Genk sollen die erprobten Strategien der (Ver-)Handlung in eine zeitgenössische sozialtherapeutische Arbeitspraxis mit verschiedenen privat oder städtisch organisierten Gruppen eingebracht werden. Wird sich hier die künstlerische Praxis als naiver Versuch ausweisen? Oder lassen sich vereinzelte gefundene Bewegungen auch im gesellschaftlichen Raum außerhalb des Museums anwenden? Können sie eine soziale Relevanz entwickeln, die einen gesellschaftlichen Anspruch formuliert?

Teilnahme an öffentlichen PROBEN:
14.–18. Mai, 18.–22. Juni, 16.–20 Juli, 13.–17. August , jeweils 12–17 Uhr. Bitte um Anmeldung unter mail@kolumba.de.

Das gesamte Projekt wird dokumentiert in einem Hörstück, das in Zusammenarbeit mit dem WDR in Köln entsteht, sowie in der Publikation Scriptings#40, die bei FLACC realisiert und im Winter 2014 erscheinen wird.

Veranstaltungen (regulärer Eintritt):

15. Mai, 18 Uhr, Bibliothekstisch
Agir et Faire hors language/Handeln und Machen außerhalb der Sprache
Achim Lengerer und Barbara von Flüe im Gespräch mit Sandra Alvarez de Toledo, Verlegerin (engl./frz./dt.) (Das Museum ist bis 18 Uhr geöffnet)

17. Juli, 18 Uhr, Bibliothekstisch
Ce qui ne se voit pas/Das was sich nicht sieht (Was nicht gesehen wird)
Achim Lengerer im Gespräch mit Hartwig Zander über Delignys »kinematografische Schriften«

14. August, 18 Uhr, Kolumba
Le moindre geste a une histoire/Die kleinste Geste hat eine Geschichte
Regina Barunke, Leiterin Temporary Gallery, Köln im Gespräch mit Achim Lengerer

20. August, 20 Uhr, Kino 813
Ce gamin, là, Regie: Renaud Victor, 1975
Filmvorführung und Performance mit Achim Lengerer, Maria Iorio und Raphaël Cuomo, Kino 813 in der BRÜCKE, Hahnenstraße 6, 50667 Köln