Kolumba
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12. Juli – 21. August 2017
Eric Hattan: Individuell
(anlässlich »Zehn Jahre Kolumba«)

»Von Zeit zu Zeit eine Straße beobachten, vielleicht mit etwas systematischer Aufmerksamkeit. / Sich dieser Beschäftigung hingeben. Sich Zeit lassen. / Den Ort aufschreiben: die Terrasse einer Kneipe in der Nähe der Kreuzung Bac-Saint-Germain / die Zeit aufschreiben: sieben Uhr abends / das Datum aufschreiben: 15. Mai 1973 / das Wetter aufschreiben: schön (...) / Sich zwingen, das zu schreiben, was ohne Bedeutung ist, was das Selbstverständlichste, das Allgemeinste, das Glanzloseste ist.« Was Georges Perec 1974 in Paris so liebevoll in Worte fasst (dt. in: »Träume von Räumen«), könnte man auch für eine poetische Handlungsanweisung für die künstlerische Praxis von Eric Hattan halten. Eric Hattan ist ein Künstler, der aus dem bereits Vorhandenen schöpft. Was er sieht, animiert ihn, etwas damit zu machen. Gerne agiert er mit dem kleinstmöglichen Eingriff – er verschiebt, verrückt, verlagert, invertiert –, um das Vorgefundene zu bergen und zu inszenieren. Kunst ist für ihn nicht Selbstzweck; sie dient ihm dazu, alltägliche Situationen in ein neues Licht zu rücken und damit die vermeintliche Statik derjenigen Konstellationen zu durchbrechen, die unsere Vorstellung von Wirklichkeit prägen.
Aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums von Kolumba erkundet Eric Hattan das Museum vor und hinter den Kulissen. Er untersucht weniger die Architektur, sondern befragt vor allem Ordnungssysteme und Handlungsmuster, die eine Institution wie ein Kunstmuseum lebendig halten und prägen. Was wäre, wenn man die Dinge auf den Kopf stellen würde? Eric Hattan macht Inventur (lat. invenire: auf etwas stoßen, etwas entdecken); was er entdeckt und in seiner Arbeit zusammenführt, wird nach Ablauf der Ausstellung wieder in den ursprünglichen Funktionskontext überführt. »Widerspruch: zwischen meinem Vergnügen, physisch Material für die Realisation eines Werkes zu bearbeiten, und dem Willen, kein neues Ding in die Welt zu setzen, sondern lediglich Bestehendem Aufmerksamkeit zu verschaffen.« (EH, 1996) Obwohl seine Arbeit von skulpturalen Fragestellungen bestimmt ist, liegt ihr Fokus auf einer am Prozess der Veränderung orientierten Erfahrung. Es ist nicht wie herkömmlich der Künstler, der hier sein Innerstes offenbart – diese Rolle gehört dieses Mal dem Auftraggeber.

Eric Hattan, *1955 in Wettingen, lebt in Basel und Paris. Zahlreiche Ausstellungen vor allem in Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Zuletzt: 2005 Vous êtes chez moi, FRAC Alsace Séléstat; 2011 Schnee bis im Mai, Kunsthalle Nürnberg (gemeinsam mit Silvia Bächli); 2014 Habiter l’inhabituel, FRAC PACA Marseille; 2015 Mitten in Pulheim, Stadtbildintervention Pulheim; 2017 Situer la différence, CCS Paris (gemeinsam mit Silvia Bächli).


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des Erzbistums Köln

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2017 ars vivendi – ars moriendi
2017 Pas de deux

2017 Marek Poliks
2017 Eric Hattan
2017 Büro für ...
2017 Barthel Bruyn
2016 Street Art-Projekt
2016 Kurt Benning
2016 Über das Individuum

2016 Bethan Huws
2015 Shopmovies
2015 Anna & Bernhard Blume
2015 Der rote Faden

2015 Museum für Zeichnung
2015 Birgit Antoni: Kino
2014 Schwindel der Wirklichkeit
2014 playing by heart

2014 Achim Lengerer
2014 Bruno Jakob
2013 zeigen verhüllen verbergen

2013 Eucharistie
2013 Norbert Schwontkowski
2013 Pascal Schwaighofer
2012 Art is Liturgy – Paul Thek

2012 Leiko Ikemura
2012 Volker Saul
2012 Jaromir Novotny
2011 Birgit Antoni
2011 denken

2011 Philipp Wewerka
2011 Kunst-Station St. Peter
2010 Mischa Kuball
2010 Noli me tangere!

2010 Heinrich Küpper
2010 Robert Haiss
2010 Renate Köhler
2010 Georg Baumgarten
2009 Stefan Wewerka
2009 Hinterlassenschaft

2009 Koho Mori-Newton
2009 Hermann Abrell
2008 Heiner Binding
2008 Der Mensch verlässt die Erde

2007 Der unendliche Raum…

2006 Im Garten der Wirklichkeit II
2006 Werner Schriefers
2006 Im Garten der Wirklichkeit I
2005 Schenkung Egner
2005 Leiko Ikemura
2005 Arma Christi
2005 Hans Josephsohn
2005 Die koptischen Textilien
2005 Birgit Antoni
2004 Monika Bartholomé
2004 Max Cole
2003 Reliquienkreuze
2004 Heinrich Küpper
2003 Martin Frommelt
2003 150 Jahre!
2002 Attila Kovács
2002 Herbert Falken
2002 Peter Tollens
2001 ars vivendi
2001 Peter Zumthor
2000 Volumen
2000 walkmen
2000 Die Schenkung Härle
2000 Kinderzeichnungen
2000 Über die Wirklichkeit
1999 Andor Weininger
1999 Joseph Marioni
1999 Andy Warhol
1998 Kunsthalle Baden-Baden
1998 Glaube und Wissen
1998 Stephan Baumkötter
1998 Bernd Ikemann
1998 Kabakov Pane u.a.
1998 Hildegard Domizlaff
1997 Cage Tsangaris u.a.
1997 Richard Serra
1997 Manos Tsangaris
1997 Kunst-Station
1997 Klaus vom Bruch
1997 Über den Ort: Kolumba
1996 Über die Ambivalenz
1996 Chris Newman
1996 Peter Tollens
1996 Wolfgang Laib
1996 Über die Farbe
1995 Frühchristliche Kunst
1995 Mischa Kuball
1995 Palast der Kunst
1995 Horn Falken Michals, u.a.
1995 Monika Bartholomé
1993 Tápies Thek Tuttle u.a.
1992 Vaticana
 

 
www.kolumba.de

KOLUMBA :: Ausstellungen :: 2017 Eric Hattan

12. Juli – 21. August 2017
Eric Hattan: Individuell
(anlässlich »Zehn Jahre Kolumba«)

»Von Zeit zu Zeit eine Straße beobachten, vielleicht mit etwas systematischer Aufmerksamkeit. / Sich dieser Beschäftigung hingeben. Sich Zeit lassen. / Den Ort aufschreiben: die Terrasse einer Kneipe in der Nähe der Kreuzung Bac-Saint-Germain / die Zeit aufschreiben: sieben Uhr abends / das Datum aufschreiben: 15. Mai 1973 / das Wetter aufschreiben: schön (...) / Sich zwingen, das zu schreiben, was ohne Bedeutung ist, was das Selbstverständlichste, das Allgemeinste, das Glanzloseste ist.« Was Georges Perec 1974 in Paris so liebevoll in Worte fasst (dt. in: »Träume von Räumen«), könnte man auch für eine poetische Handlungsanweisung für die künstlerische Praxis von Eric Hattan halten. Eric Hattan ist ein Künstler, der aus dem bereits Vorhandenen schöpft. Was er sieht, animiert ihn, etwas damit zu machen. Gerne agiert er mit dem kleinstmöglichen Eingriff – er verschiebt, verrückt, verlagert, invertiert –, um das Vorgefundene zu bergen und zu inszenieren. Kunst ist für ihn nicht Selbstzweck; sie dient ihm dazu, alltägliche Situationen in ein neues Licht zu rücken und damit die vermeintliche Statik derjenigen Konstellationen zu durchbrechen, die unsere Vorstellung von Wirklichkeit prägen.
Aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums von Kolumba erkundet Eric Hattan das Museum vor und hinter den Kulissen. Er untersucht weniger die Architektur, sondern befragt vor allem Ordnungssysteme und Handlungsmuster, die eine Institution wie ein Kunstmuseum lebendig halten und prägen. Was wäre, wenn man die Dinge auf den Kopf stellen würde? Eric Hattan macht Inventur (lat. invenire: auf etwas stoßen, etwas entdecken); was er entdeckt und in seiner Arbeit zusammenführt, wird nach Ablauf der Ausstellung wieder in den ursprünglichen Funktionskontext überführt. »Widerspruch: zwischen meinem Vergnügen, physisch Material für die Realisation eines Werkes zu bearbeiten, und dem Willen, kein neues Ding in die Welt zu setzen, sondern lediglich Bestehendem Aufmerksamkeit zu verschaffen.« (EH, 1996) Obwohl seine Arbeit von skulpturalen Fragestellungen bestimmt ist, liegt ihr Fokus auf einer am Prozess der Veränderung orientierten Erfahrung. Es ist nicht wie herkömmlich der Künstler, der hier sein Innerstes offenbart – diese Rolle gehört dieses Mal dem Auftraggeber.

Eric Hattan, *1955 in Wettingen, lebt in Basel und Paris. Zahlreiche Ausstellungen vor allem in Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Zuletzt: 2005 Vous êtes chez moi, FRAC Alsace Séléstat; 2011 Schnee bis im Mai, Kunsthalle Nürnberg (gemeinsam mit Silvia Bächli); 2014 Habiter l’inhabituel, FRAC PACA Marseille; 2015 Mitten in Pulheim, Stadtbildintervention Pulheim; 2017 Situer la différence, CCS Paris (gemeinsam mit Silvia Bächli).