Kolumba
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7. Dezember 2017 – 8. Januar 2018
ars vivendi – ars moriendi
Schenkung Renate König

Mit der Entgegennahme einer der bedeutendsten Schenkungen, die ein Kölner Museum je erhalten hat, dürfen wir das Jubiläumsjahr im Neubau Kolumba beschließen: Renate König schenkt dem Kunstmuseum des Erzbistums ihre einzigartige Sammlung mittelalterlicher Handschriften. Wissenschaftlich beraten von Joachim M. Plotzek (Kolumba-Leiter von 1990–2008) ist in 36 Jahren mit großer Umsicht und höchstem Qualitätsverständnis eine Sammlung entstanden, die 39 prachtvoll illustrierte Codices sowie ein Blockbuch beinhaltet, beginnend im späten 13. und endend im frühen 16. Jahrhundert; darunter Stundenbücher, Breviere und Psalterien, die zum Kostbarsten zählen, was Miniaturmalerei und Buchkunst in den europäischen Kulturzentren hervorgebracht haben.

Die Sammlung von Renate König bietet ein Füllhorn an Texten und Bildern, in denen sich die Frömmigkeitsgeschichte und damit das Selbstverständnis des mittelalterlichen Menschen abbildet. Der dokumentierte Zeitraum erstreckt sich von den Anfängen der Mystik gegen Ende des 13. Jahrhunderts bis zu den Anfängen des Humanismus nördlich der Alpen zu Beginn des 16. Jahrhunderts, und damit bis zum Beginn des Buchdrucks. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt bei Psalterien, Stunden- und Gebetbüchern, also bei der privaten Frömmigkeit, die sich auch auf konkrete Lebenshilfen, wie die Ars moriendi, und die religiöse Dichtung wie Petrarcas Bußpsalmen erstreckt. Die Werkstätten verteilen sich über das westliche Europa – zwischen Neapel und London, Barcelona und dem niedersächsischen Kloster Lamspringe. Die Zentren lagen in Paris und Flandern. Nutzer gaben die Handschriften in den Werkstätten oder auch bei Buchhändlern/ Verlegern in Auftrag oder erwarben sie als Fertigprodukte auf dem Buchmarkt. Auch in der Sammlung von Renate König sind einige Besitzer durch ihre Handschriften in Erinnerung geblieben, wie z.B. die Herzogin von Clarence, die 1428 nach dem Tod ihres 2. Ehemanns in ein Kloster eintrat, oder Guy de Laval, der Schwiegervater des Königs René d’Anjou, oder auch die Grafen von Manderscheid, Gerolstein und Blankenheim. Häufig bieten private Einträge in den Kalendaren eine kleine Familienchronik. Doch auch den Sammlern setzen diese Bücher ein Denkmal: John Roland Abbey, dessen Vermögen mit dem Brauen von Bier erworben wurde, der Medien-Tycoon William Randolph Hearst, Renate König oder jener Thomas Frognall Dibdin, der im Auftrag des Earls of Spencer – einem Vorfahren von Lady Di – auf dem Kontinent eine Bibliothek zusammentrug. Die Ausstellung widmet sich fünf Bereichen der mittelalterlichen Frömmigkeit.: (1) Leiden Christi als Leiden für die Erlösung der Menschheit (Passion, Meditation der Wunden, Eucharistie), (2) die Sehnsucht nach einem Leben nach dem Tod (Buße, Erlösungsbilder, Tau-Zeichen), (3) die Strukturierung des Lebens durch die kirchlichen Feste (Kalendare, Heiligen-Suffragien, Diagramme zur Errechnung des Osterfestes), (4) Vermittlung und Versöhnung Gottes durch die Gottesmutter (Marien-Offizium als zentraler Gebetszyklus eines Stundenbuches, Weihnachtsgeschichte, Kindheit Jesu), (5) Gebetsgedenken (Darstellung des Auftraggebers in der Handschrift, Aufforderung zum Gebet, Nennung der Namen, Sammeln).


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Kunstmuseum
des Erzbistums Köln

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2017 ars vivendi – ars moriendi
2017 Pas de deux

2017 Marek Poliks
2017 Eric Hattan
2017 Büro für ...
2017 Barthel Bruyn
2016 Street Art-Projekt
2016 Kurt Benning
2016 Über das Individuum

2016 Bethan Huws
2015 Shopmovies
2015 Anna & Bernhard Blume
2015 Der rote Faden

2015 Museum für Zeichnung
2015 Birgit Antoni: Kino
2014 Schwindel der Wirklichkeit
2014 playing by heart

2014 Achim Lengerer
2014 Bruno Jakob
2013 zeigen verhüllen verbergen

2013 Eucharistie
2013 Norbert Schwontkowski
2013 Pascal Schwaighofer
2012 Art is Liturgy – Paul Thek

2012 Leiko Ikemura
2012 Volker Saul
2012 Jaromir Novotny
2011 Birgit Antoni
2011 denken

2011 Philipp Wewerka
2011 Kunst-Station St. Peter
2010 Mischa Kuball
2010 Noli me tangere!

2010 Heinrich Küpper
2010 Robert Haiss
2010 Renate Köhler
2010 Georg Baumgarten
2009 Stefan Wewerka
2009 Hinterlassenschaft

2009 Koho Mori-Newton
2009 Hermann Abrell
2008 Heiner Binding
2008 Der Mensch verlässt die Erde

2007 Der unendliche Raum…

2006 Im Garten der Wirklichkeit II
2006 Werner Schriefers
2006 Im Garten der Wirklichkeit I
2005 Schenkung Egner
2005 Leiko Ikemura
2005 Arma Christi
2005 Hans Josephsohn
2005 Die koptischen Textilien
2005 Birgit Antoni
2004 Monika Bartholomé
2004 Max Cole
2003 Reliquienkreuze
2004 Heinrich Küpper
2003 Martin Frommelt
2003 150 Jahre!
2002 Attila Kovács
2002 Herbert Falken
2002 Peter Tollens
2001 ars vivendi
2001 Peter Zumthor
2000 Volumen
2000 walkmen
2000 Die Schenkung Härle
2000 Kinderzeichnungen
2000 Über die Wirklichkeit
1999 Andor Weininger
1999 Joseph Marioni
1999 Andy Warhol
1998 Kunsthalle Baden-Baden
1998 Glaube und Wissen
1998 Stephan Baumkötter
1998 Bernd Ikemann
1998 Kabakov Pane u.a.
1998 Hildegard Domizlaff
1997 Cage Tsangaris u.a.
1997 Richard Serra
1997 Manos Tsangaris
1997 Kunst-Station
1997 Klaus vom Bruch
1997 Über den Ort: Kolumba
1996 Über die Ambivalenz
1996 Chris Newman
1996 Peter Tollens
1996 Wolfgang Laib
1996 Über die Farbe
1995 Frühchristliche Kunst
1995 Mischa Kuball
1995 Palast der Kunst
1995 Horn Falken Michals, u.a.
1995 Monika Bartholomé
1993 Tápies Thek Tuttle u.a.
1992 Vaticana
 

 
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KOLUMBA :: Ausstellungen :: 2017 ars vivendi – ars moriendi

7. Dezember 2017 – 8. Januar 2018
ars vivendi – ars moriendi
Schenkung Renate König

Mit der Entgegennahme einer der bedeutendsten Schenkungen, die ein Kölner Museum je erhalten hat, dürfen wir das Jubiläumsjahr im Neubau Kolumba beschließen: Renate König schenkt dem Kunstmuseum des Erzbistums ihre einzigartige Sammlung mittelalterlicher Handschriften. Wissenschaftlich beraten von Joachim M. Plotzek (Kolumba-Leiter von 1990–2008) ist in 36 Jahren mit großer Umsicht und höchstem Qualitätsverständnis eine Sammlung entstanden, die 39 prachtvoll illustrierte Codices sowie ein Blockbuch beinhaltet, beginnend im späten 13. und endend im frühen 16. Jahrhundert; darunter Stundenbücher, Breviere und Psalterien, die zum Kostbarsten zählen, was Miniaturmalerei und Buchkunst in den europäischen Kulturzentren hervorgebracht haben.

Die Sammlung von Renate König bietet ein Füllhorn an Texten und Bildern, in denen sich die Frömmigkeitsgeschichte und damit das Selbstverständnis des mittelalterlichen Menschen abbildet. Der dokumentierte Zeitraum erstreckt sich von den Anfängen der Mystik gegen Ende des 13. Jahrhunderts bis zu den Anfängen des Humanismus nördlich der Alpen zu Beginn des 16. Jahrhunderts, und damit bis zum Beginn des Buchdrucks. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt bei Psalterien, Stunden- und Gebetbüchern, also bei der privaten Frömmigkeit, die sich auch auf konkrete Lebenshilfen, wie die Ars moriendi, und die religiöse Dichtung wie Petrarcas Bußpsalmen erstreckt. Die Werkstätten verteilen sich über das westliche Europa – zwischen Neapel und London, Barcelona und dem niedersächsischen Kloster Lamspringe. Die Zentren lagen in Paris und Flandern. Nutzer gaben die Handschriften in den Werkstätten oder auch bei Buchhändlern/ Verlegern in Auftrag oder erwarben sie als Fertigprodukte auf dem Buchmarkt. Auch in der Sammlung von Renate König sind einige Besitzer durch ihre Handschriften in Erinnerung geblieben, wie z.B. die Herzogin von Clarence, die 1428 nach dem Tod ihres 2. Ehemanns in ein Kloster eintrat, oder Guy de Laval, der Schwiegervater des Königs René d’Anjou, oder auch die Grafen von Manderscheid, Gerolstein und Blankenheim. Häufig bieten private Einträge in den Kalendaren eine kleine Familienchronik. Doch auch den Sammlern setzen diese Bücher ein Denkmal: John Roland Abbey, dessen Vermögen mit dem Brauen von Bier erworben wurde, der Medien-Tycoon William Randolph Hearst, Renate König oder jener Thomas Frognall Dibdin, der im Auftrag des Earls of Spencer – einem Vorfahren von Lady Di – auf dem Kontinent eine Bibliothek zusammentrug. Die Ausstellung widmet sich fünf Bereichen der mittelalterlichen Frömmigkeit.: (1) Leiden Christi als Leiden für die Erlösung der Menschheit (Passion, Meditation der Wunden, Eucharistie), (2) die Sehnsucht nach einem Leben nach dem Tod (Buße, Erlösungsbilder, Tau-Zeichen), (3) die Strukturierung des Lebens durch die kirchlichen Feste (Kalendare, Heiligen-Suffragien, Diagramme zur Errechnung des Osterfestes), (4) Vermittlung und Versöhnung Gottes durch die Gottesmutter (Marien-Offizium als zentraler Gebetszyklus eines Stundenbuches, Weihnachtsgeschichte, Kindheit Jesu), (5) Gebetsgedenken (Darstellung des Auftraggebers in der Handschrift, Aufforderung zum Gebet, Nennung der Namen, Sammeln).