Kolumba
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»Privileg«
Ein Statement der Kuratoren_innen zur Situation
des Kulturbetriebs nach zwei Monaten Lockdown

Kulturschaffende sind sich des Privilegs bewusst, an etwas zu arbeiten, das einem existentiell wichtig und daher wesentlich ist. Nicht selten ist dieses Privileg durch Selbstausbeutung erkauft, insofern der Leidenschaft, mit der man an der »Sache« hängt, eine systemische Unterfinanzierung weiter Bereiche des Kulturbetriebs gegenübersteht. Die Grundabsicherung vieler Beteiligter ist nicht nur in Krisenzeiten wie dieser völlig unzureichend. Fallen die Rahmenbedingungen des Betriebs aus, stehen Freischaffende ohne Ausfallzahlungen oft mittellos vor dem Nichts. Das ist nach zwei Monaten Lockdown auch die Situation etlicher Künstlerinnen und Künstler, die nun mehr benötigen als wohlmeinende Solidaritätsbekundungen.

Ein Privileg ist es auch, mit Kolumba eine Institution vertreten zu können, deren Museumskonzept sich in der Krise dadurch bewährt, dass wir handlungsfähig bleiben. Denn da wir fast ausschließlich mit den Werken der eigenen Sammlung arbeiten, sind wir weder in vertraglich zugesagte Ausstellungsübernahmen und Leihgabenverhandlungen verstrickt, die sich unter veränderten Bedingungen nicht erfüllen lassen, noch mit Sponsoren konfrontiert, die ihre Finanzierungsabsichten nun nicht aufrecht erhalten können. Mit der Beschränkung auf die eigenen Ressourcen bewahren wir uns die Beweglichkeit, die es braucht, um auf die sich weiterhin verändernde Situation reagieren zu können. Dabei vergessen wir nicht die Lage anderer Kultureinrichtungen, die bis auf Weiteres an ihrer Arbeit gehindert sind. Schauspielerinnen und Schauspieler können sich kaum in Proben begegnen, Orchester sollen Mindestabstände ihrer Ensemblemitglieder einhalten, die das gemeinsame Musizieren verhindern, an Theatern, Opern und Konzerthäusern ist alles abgesagt, plant man mit den notwendigen Vorlaufzeiten für eine kommende Spielzeit, deren Realisierbarkeit in den Sternen steht.

Krisen haben die Nebenwirkung, dass sie Zustände hervortreten lassen, deren Fragwürdigkeit längst bekannt war. Diese Feststellung gilt nicht nur für Schlachthöfe. Welche Forderungen stellen sich an den Kulturbetrieb, wenn den beteiligten Autorinnen, den Akteuren und Vermittlerinnen und nicht zuletzt den Mitarbeitern der weitgehend outgesourcten Dienstleistungen eine krisenfeste Absicherung ihrer Existenz ermöglicht werden soll? Welche Korrekturen sind notwendig, wenn soziale und ökologische Fragen hinter den Kulissen die gleiche Berücksichtigung finden wie auf der Bühne und in Ausstellungen, wo sie oft genug thematisiert werden? Es ist längst an der Zeit, auch in der Kultur über eine stärkere Nachhaltigkeit nachzudenken, die zu anderen Formaten und zu unerwarteten Kooperationen führt, in denen sich vorhandene Ressourcen ergänzen.

Deshalb freuen wir uns, die einjährige Zusammenarbeit mit Tanz Köln bekannt zu geben, die mit unserem jährlichen Ausstellungswechsel im September beginnen wird. Seit eineinhalb Jahren arbeiten wir mit Hanna Koller, der Leiterin der Sparte Tanz beim Schauspiel Köln, an dieser Kooperation. Sie wird als fünfte Kuratorin im kommenden Ausstellungsjahr dabei sein.

Wir wissen um das Privileg, das uns in schwierigen Zeiten unseren Auftrag erfüllen und unser Publikum finden lässt. Es verpflichtet uns dazu, es auch weiterhin zu nutzen. Lassen Sie uns gemeinsam auf die Zukunft der Kultur hoffen und für die Akzeptanz ihrer vielfältigen Spielorte eintreten!

Für das Kolumbateam
Stefan Kraus, Ulrike Surmann, Marc Steinmann, Barbara von Flüe
Köln, vor Pfingsten, Mai 2020
 

 
www.kolumba.de

KOLUMBA :: Texte :: Privileg (Corona-Statement II)

»Privileg«
Ein Statement der Kuratoren_innen zur Situation
des Kulturbetriebs nach zwei Monaten Lockdown

Kulturschaffende sind sich des Privilegs bewusst, an etwas zu arbeiten, das einem existentiell wichtig und daher wesentlich ist. Nicht selten ist dieses Privileg durch Selbstausbeutung erkauft, insofern der Leidenschaft, mit der man an der »Sache« hängt, eine systemische Unterfinanzierung weiter Bereiche des Kulturbetriebs gegenübersteht. Die Grundabsicherung vieler Beteiligter ist nicht nur in Krisenzeiten wie dieser völlig unzureichend. Fallen die Rahmenbedingungen des Betriebs aus, stehen Freischaffende ohne Ausfallzahlungen oft mittellos vor dem Nichts. Das ist nach zwei Monaten Lockdown auch die Situation etlicher Künstlerinnen und Künstler, die nun mehr benötigen als wohlmeinende Solidaritätsbekundungen.

Ein Privileg ist es auch, mit Kolumba eine Institution vertreten zu können, deren Museumskonzept sich in der Krise dadurch bewährt, dass wir handlungsfähig bleiben. Denn da wir fast ausschließlich mit den Werken der eigenen Sammlung arbeiten, sind wir weder in vertraglich zugesagte Ausstellungsübernahmen und Leihgabenverhandlungen verstrickt, die sich unter veränderten Bedingungen nicht erfüllen lassen, noch mit Sponsoren konfrontiert, die ihre Finanzierungsabsichten nun nicht aufrecht erhalten können. Mit der Beschränkung auf die eigenen Ressourcen bewahren wir uns die Beweglichkeit, die es braucht, um auf die sich weiterhin verändernde Situation reagieren zu können. Dabei vergessen wir nicht die Lage anderer Kultureinrichtungen, die bis auf Weiteres an ihrer Arbeit gehindert sind. Schauspielerinnen und Schauspieler können sich kaum in Proben begegnen, Orchester sollen Mindestabstände ihrer Ensemblemitglieder einhalten, die das gemeinsame Musizieren verhindern, an Theatern, Opern und Konzerthäusern ist alles abgesagt, plant man mit den notwendigen Vorlaufzeiten für eine kommende Spielzeit, deren Realisierbarkeit in den Sternen steht.

Krisen haben die Nebenwirkung, dass sie Zustände hervortreten lassen, deren Fragwürdigkeit längst bekannt war. Diese Feststellung gilt nicht nur für Schlachthöfe. Welche Forderungen stellen sich an den Kulturbetrieb, wenn den beteiligten Autorinnen, den Akteuren und Vermittlerinnen und nicht zuletzt den Mitarbeitern der weitgehend outgesourcten Dienstleistungen eine krisenfeste Absicherung ihrer Existenz ermöglicht werden soll? Welche Korrekturen sind notwendig, wenn soziale und ökologische Fragen hinter den Kulissen die gleiche Berücksichtigung finden wie auf der Bühne und in Ausstellungen, wo sie oft genug thematisiert werden? Es ist längst an der Zeit, auch in der Kultur über eine stärkere Nachhaltigkeit nachzudenken, die zu anderen Formaten und zu unerwarteten Kooperationen führt, in denen sich vorhandene Ressourcen ergänzen.

Deshalb freuen wir uns, die einjährige Zusammenarbeit mit Tanz Köln bekannt zu geben, die mit unserem jährlichen Ausstellungswechsel im September beginnen wird. Seit eineinhalb Jahren arbeiten wir mit Hanna Koller, der Leiterin der Sparte Tanz beim Schauspiel Köln, an dieser Kooperation. Sie wird als fünfte Kuratorin im kommenden Ausstellungsjahr dabei sein.

Wir wissen um das Privileg, das uns in schwierigen Zeiten unseren Auftrag erfüllen und unser Publikum finden lässt. Es verpflichtet uns dazu, es auch weiterhin zu nutzen. Lassen Sie uns gemeinsam auf die Zukunft der Kultur hoffen und für die Akzeptanz ihrer vielfältigen Spielorte eintreten!

Für das Kolumbateam
Stefan Kraus, Ulrike Surmann, Marc Steinmann, Barbara von Flüe
Köln, vor Pfingsten, Mai 2020