Kolumba
Kolumbastraße 4
D-50667 Köln
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15. September 2022 – 14. August 2023
»making being here enough«
Ort & Subjekt


»Dafür sorgen, dass hier zu sein genügt«, so benennt die amerikanische Künstlerin Roni Horn ihre Arbeit, die wir als Titel und Auftakt für unsere Jahresausstellung gewählt haben. Mit der Ausstellung untersuchen wir anhand von Kunstwerken aus vielen Jahrhunderten das Verhältnis von Ort und Subjekt. Wie nehmen wir uns – bewusst oder unbewusst – an Orten wahr und was machen Orte aus uns? Wie erinnern wir uns an Orte? Wie gehen wir mit Orten um, die wir nicht erreichen können? Spielen diese Orte für unsere Vorstellungskraft eine Rolle? Sind Orte, wenn wir sie verlassen, vergangen? Was geschieht mit ihnen, wenn sie nach ihrem Untergang von neuen Geschichten überschrieben werden? Kolumba selbst liefert den Ausgangspunkt dieser Fragen, indem es eine 2000jährige (Bau-)Geschichte und mehrfache Überschreibungen – etwa von Kirche und Friedhof zu Museum und Garten – sichtbar macht.

In dem gewählten Titel ist ein Ideal eingefangen: die Sehnsucht nach dem Hier und Jetzt, einem Ort ohne sinnstiftende Erzählungen, Gedanken oder Konventionen. Als dessen Gegenpol kann man einen Gedanken der antiken Philosophie ausmachen: »Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.« (Cicero) Denn was wäre die europäische Kultur ohne ihre Orte und Zentren? Sie stehen für historische Epochen und die Inszenierung von Narrativen, sie prägen Weltbilder, schaffen Moden, beflügeln die Phantasie und dienen der Identitätsfindung der lokalen Gesellschaft. Doch existieren diese Orte nicht von selbst: Sie erhalten ihren Impuls durch die bewusste Zuweisung einer spezifischen Bedeutung und ihre Dauer durch die permanente Aktualisierung ihrer Tradition. Im 4. Jh. wird das Christentum zur Staatsreligion und somit müssen die historischen Stätten der Heilsgeschichte konkret markiert werden, um dem kollektiven Gedächtnis eine Grundlage zu geben. Jede weitere Ortsgründung schreibt sich in der Folge in diese Erzählung ein und schafft damit eine Tradition der religio (Bindung an das Göttliche). Legitimierte Vorbilder sind Jerusalem – durch das Leben und Sterben Christi – und Rom als die Stadt der ersten Märtyrer. Mit der »Entdeckung« des Individuums im späteren Mittelalter werden die Orte zwar nicht aufgehoben, doch können sie jederzeit durch Herbeisehnen im Menschen selbst vervielfältigt werden. Das Subjekt selbst wird zum Ort.

Solche Überlegungen scheinen von unserer heutigen Zeit zum Teil weit entfernt zu sein. Doch sind die vielfältigen Aktivitäten zur Profilierung und Ausgestaltung von Orten die Grundlage unserer emotionalen Topografie. Sie ist geprägt von den radikalen Veränderungen in der Beziehung von Ort und Subjekt, die in den im 19. Jahrhundert einsetzenden Migrationsbewegungen ihren Anfang nehmen: Die Erfahrung, einen Ort zu verlassen, um an einem anderen Ort anzukommen, ist in erster Linie eine Erfahrung von »Displacement«, von »Ent-Ortung«. Das Aufgeben gesicherter sozialer, politischer und kultureller Zusammenhänge gehört zur existentiellen Erfahrung von Millionen von Menschen, gerade auch in der Gegenwart. An einem Ort überlagern und verweben sich heute vielfältige kulturelle Orientierungen und Erbschaften – Kultur ist nicht einheitlich, sondern vielstimmig, ein Zusammentreffen vieler kollektiver Gedächtnisse und Erinnerungsgemeinschaften. Was bedeutet das für uns und unsere Orte? Welche Erzählungen und Konzepte sind mit ihnen verbunden und wie werden sie hergestellt? Welche Privilegien genießen diejenigen, die zur Mehrheit gehören, und welchen Ort weisen wir »den Anderen« zu? Was macht es aus, »hier« zu sein, und was macht das »Hier« überhaupt aus? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben wir eine Ausstellung entworfen, die teilweise in enger Zusammenarbeit mit den Künstler*innen entstanden ist.

Mit Arbeiten u.a. von Éric Baudelaire, Merlin Bauer, Rudolf Bott, Heinrich Campendonk, Peter Dreher, Herbert Falken, Terry Fox, Lutz Fritsch, Eric Hattan, Roni Horn, Bethan Huws, Irmel Kamp, Jannis Kounellis, Duane Michals, Norbert Prangenberg, Barbara Probst, Wendel Simon, Phil Sims, Paul Thek, Ulrich Tillmann, und Künstler*innen von X-Süd mit raumlaborberlin und Kunsthaus KAT18.

Zur Ausstellung erscheint ein Taschenbuch, das beim Eintritt kostenlos ausgegeben wird (72 Seiten, broschiert)
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Kunstmuseum
des Erzbistums Köln

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2022 Beau comme un Buren
2022 Ort & Subjekt
2022 Terry Fox
2021 In die Weite

2021 Geschichten
2021 Photoszene: Hannah Villiger
2020 Tracing Breloh
2020 Kunst und Choreographie

2020 Raimund Girke
2020 Der Ölzwerg
2020 Aufbrüche 89
2020 Robert Klümpen
2020 Heiner Binding
2019 Schulen zu Gast IX
2019 Ulrich Tillmann
2019 Aufbrüche

2019 Schulen zu Gast VII
2018 Attila Kovács
2018 Vorbereitungsbüro
2018 Doppelseiten C&W
2018 Michael Oppitz
2018 Schulen zu Gast VI
2017 ars vivendi – ars moriendi
2017 Pas de deux

2017 Marek Poliks
2017 Eric Hattan
2017 Büro für ...
2017 Barthel Bruyn
2016 Street Art-Projekt
2016 Kurt Benning
2016 Über das Individuum

2016 Schulen zu Gast IV
2016 Bethan Huws
2015 Shopmovies
2015 Anna & Bernhard Blume
2015 Der rote Faden

2015 Museum für Zeichnung
2015 Birgit Antoni: Kino
2014 Schwindel der Wirklichkeit
2014 playing by heart

2014 Achim Lengerer
2014 Bruno Jakob
2013 zeigen verhüllen verbergen

2013 Eucharistie
2013 Norbert Schwontkowski
2013 Pascal Schwaighofer
2012 Art is Liturgy – Paul Thek

2012 Leiko Ikemura
2012 Kunst-Station St. Peter
2012 Volker Saul
2012 Jaromir Novotny
2011 Birgit Antoni
2011 denken

2011 Philipp Wewerka
2010 Mischa Kuball
2010 Noli me tangere!

2010 Heinrich Küpper
2010 Robert Haiss
2010 Renate Köhler
2010 Georg Baumgarten
2009 Stefan Wewerka
2009 Hinterlassenschaft

2009 Koho Mori-Newton
2009 Hermann Abrell
2008 Heiner Binding
2008 Der Mensch verlässt die Erde

2007 Der unendliche Raum…

2006 Im Garten der Wirklichkeit II
2006 Werner Schriefers
2006 Im Garten der Wirklichkeit I
2005 Schenkung Egner
2005 Leiko Ikemura
2005 Arma Christi
2005 Hans Josephsohn
2005 Die koptischen Textilien
2005 Birgit Antoni
2004 Monika Bartholomé
2004 Max Cole
2003 Reliquienkreuze
2004 Heinrich Küpper
2003 Martin Frommelt
2003 150 Jahre!
2002 Attila Kovács
2002 Herbert Falken
2002 Peter Tollens
2001 ars vivendi
2001 Peter Zumthor
2000 Volumen
2000 walkmen
2000 Die Schenkung Härle
2000 Kinderzeichnungen
2000 Über die Wirklichkeit
1999 Andor Weininger
1999 Joseph Marioni
1999 Andy Warhol
1998 Kunsthalle Baden-Baden
1998 Glaube und Wissen
1998 Stephan Baumkötter
1998 Bernd Ikemann
1998 Kabakov Pane u.a.
1998 Hildegard Domizlaff
1997 Cage Tsangaris u.a.
1997 Richard Serra
1997 Manos Tsangaris
1997 Kunst-Station
1997 Klaus vom Bruch
1997 Über den Ort: Kolumba
1996 Über die Ambivalenz
1996 Chris Newman
1996 Peter Tollens
1996 Wolfgang Laib
1996 Über die Farbe
1995 Frühchristliche Kunst
1995 Mischa Kuball
1995 Palast der Kunst
1995 Horn Falken Michals, u.a.
1995 Monika Bartholomé
1993 Tápies Thek Tuttle u.a.
1992 Vaticana
 
www.kolumba.de

KOLUMBA :: Ausstellungen :: 2022 Ort & Subjekt

15. September 2022 – 14. August 2023
»making being here enough«
Ort & Subjekt

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»Dafür sorgen, dass hier zu sein genügt«, so benennt die amerikanische Künstlerin Roni Horn ihre Arbeit, die wir als Titel und Auftakt für unsere Jahresausstellung gewählt haben. Mit der Ausstellung untersuchen wir anhand von Kunstwerken aus vielen Jahrhunderten das Verhältnis von Ort und Subjekt. Wie nehmen wir uns – bewusst oder unbewusst – an Orten wahr und was machen Orte aus uns? Wie erinnern wir uns an Orte? Wie gehen wir mit Orten um, die wir nicht erreichen können? Spielen diese Orte für unsere Vorstellungskraft eine Rolle? Sind Orte, wenn wir sie verlassen, vergangen? Was geschieht mit ihnen, wenn sie nach ihrem Untergang von neuen Geschichten überschrieben werden? Kolumba selbst liefert den Ausgangspunkt dieser Fragen, indem es eine 2000jährige (Bau-)Geschichte und mehrfache Überschreibungen – etwa von Kirche und Friedhof zu Museum und Garten – sichtbar macht.

In dem gewählten Titel ist ein Ideal eingefangen: die Sehnsucht nach dem Hier und Jetzt, einem Ort ohne sinnstiftende Erzählungen, Gedanken oder Konventionen. Als dessen Gegenpol kann man einen Gedanken der antiken Philosophie ausmachen: »Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt.« (Cicero) Denn was wäre die europäische Kultur ohne ihre Orte und Zentren? Sie stehen für historische Epochen und die Inszenierung von Narrativen, sie prägen Weltbilder, schaffen Moden, beflügeln die Phantasie und dienen der Identitätsfindung der lokalen Gesellschaft. Doch existieren diese Orte nicht von selbst: Sie erhalten ihren Impuls durch die bewusste Zuweisung einer spezifischen Bedeutung und ihre Dauer durch die permanente Aktualisierung ihrer Tradition. Im 4. Jh. wird das Christentum zur Staatsreligion und somit müssen die historischen Stätten der Heilsgeschichte konkret markiert werden, um dem kollektiven Gedächtnis eine Grundlage zu geben. Jede weitere Ortsgründung schreibt sich in der Folge in diese Erzählung ein und schafft damit eine Tradition der religio (Bindung an das Göttliche). Legitimierte Vorbilder sind Jerusalem – durch das Leben und Sterben Christi – und Rom als die Stadt der ersten Märtyrer. Mit der »Entdeckung« des Individuums im späteren Mittelalter werden die Orte zwar nicht aufgehoben, doch können sie jederzeit durch Herbeisehnen im Menschen selbst vervielfältigt werden. Das Subjekt selbst wird zum Ort.

Solche Überlegungen scheinen von unserer heutigen Zeit zum Teil weit entfernt zu sein. Doch sind die vielfältigen Aktivitäten zur Profilierung und Ausgestaltung von Orten die Grundlage unserer emotionalen Topografie. Sie ist geprägt von den radikalen Veränderungen in der Beziehung von Ort und Subjekt, die in den im 19. Jahrhundert einsetzenden Migrationsbewegungen ihren Anfang nehmen: Die Erfahrung, einen Ort zu verlassen, um an einem anderen Ort anzukommen, ist in erster Linie eine Erfahrung von »Displacement«, von »Ent-Ortung«. Das Aufgeben gesicherter sozialer, politischer und kultureller Zusammenhänge gehört zur existentiellen Erfahrung von Millionen von Menschen, gerade auch in der Gegenwart. An einem Ort überlagern und verweben sich heute vielfältige kulturelle Orientierungen und Erbschaften – Kultur ist nicht einheitlich, sondern vielstimmig, ein Zusammentreffen vieler kollektiver Gedächtnisse und Erinnerungsgemeinschaften. Was bedeutet das für uns und unsere Orte? Welche Erzählungen und Konzepte sind mit ihnen verbunden und wie werden sie hergestellt? Welche Privilegien genießen diejenigen, die zur Mehrheit gehören, und welchen Ort weisen wir »den Anderen« zu? Was macht es aus, »hier« zu sein, und was macht das »Hier« überhaupt aus? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben wir eine Ausstellung entworfen, die teilweise in enger Zusammenarbeit mit den Künstler*innen entstanden ist.

Mit Arbeiten u.a. von Éric Baudelaire, Merlin Bauer, Rudolf Bott, Heinrich Campendonk, Peter Dreher, Herbert Falken, Terry Fox, Lutz Fritsch, Eric Hattan, Roni Horn, Bethan Huws, Irmel Kamp, Jannis Kounellis, Duane Michals, Norbert Prangenberg, Barbara Probst, Wendel Simon, Phil Sims, Paul Thek, Ulrich Tillmann, und Künstler*innen von X-Süd mit raumlaborberlin und Kunsthaus KAT18.

Zur Ausstellung erscheint ein Taschenbuch, das beim Eintritt kostenlos ausgegeben wird (72 Seiten, broschiert)